Erst Verhandlungen über Fortbestand: IG Metall forciert Arbeitskampf bei Magna in Neumarkt

Von Petra Schlierf · 29. Oktober 2024 um 17:00

Was wollen die Neumarkter Magna-Mitarbeiter? Diese Frage stand am Sonntag im Zentrum eines Treffens der IG Metall Regensburg mit ihren Mitgliedern. Der Tenor wie schon bei der Betriebsversammlung vergangene Woche: „Wir sind kampfbereit.“

Das Treffen sollte laut Rico Irmischer, 1. Bevollmächtigter der IG Metall, vor allem dazu dienen zu klären, was die Mitarbeiter wirklich wollen. Weit mehr als 90 Prozent von ihnen sind laut dem Gewerkschafter in der IG Metall organisiert. Seit diese vor der Betriebsversammlung vor gut einer Woche den laufenden Tarifvertrag gekündigt hatte, wären bald auch Warnstreiks möglich. Anfang Dezember würde die Friedenspflicht enden.

Doch wollen die Mitarbeiter das überhaupt? Es existierten verschiedene Interessen innerhalb der Belegschaft, ist sich Irmischer bewusst: „Es gibt Mitarbeiter, die haben vielleicht schon woanders etwas gefunden. Denen geht es gar nicht so sehr darum, das Werk zu halten. Die wollen eine möglichst hohe Abfindung rausholen. Andere, die vielleicht nur noch ein paar Jahre bis zur Rente hätten, tun sich schwerer, noch mal woanders anzufangen.“

Mit dem Wechsel der Stelle geht laut Irmischer nicht selten auch eine schlechtere Bezahlung einher, denn: „Viele der Firmen, die aktuell Mitarbeiter suchen, sind nicht tarifgebunden.“

Gesprächsangebot an Magna für November

Erstes Ziel der IG Metall und ihrer Mitglieder sei es daher nach wie vor, das Werk zu retten. Das wollte man dem Magna-Management noch einmal deutlich machen, wenn man sich im Laufe des Novembers zu Verhandlungen über das Entgelt trifft. Stehe Magna zu dem Werk in Neumarkt, wolle man ein gutes Entgelt aushandeln – ist das Ende nicht abzuwenden, zumindest hohe Abfindungen.

Spätestens im Dezember sollen die verbliebenen Mitarbeiter Gewissheit haben, wie es in Neumarkt weitergeht. Dann würde die IG Metall auch über die Schließung des Werks verhandeln.

Auf Gespräche aber besteht man bei der IG Metall und schließt Streiks nicht aus. Sollte Magna etwa die angebotenen Gespräche im November ausschlagen, um direkt im Dezember über die ohnehin schon längst ersehnte Schließung zu sprechen, werde man in den harten Arbeitskampf einsteigen, kündigt Irmischer an.

Mitarbeiter: Einige haben Job schon gewechselt

Anders als jetzt bei VW kommt die geplante Schließung des Werks für viele Mitarbeiter nicht aus dem Nichts. Schon seit einigen Jahren lief das Geschäft schleppend, immer wieder wurden Mitarbeiter in Kurzarbeit geschickt. Entsprechend pessimistisch war die Stimmung im Betrieb seit Langem.

Ein Mitarbeiter des Neumarkter Magna-Werks, der lieber anonym bleiben möchte, berichtet: „Schlecht hat es schon lange ausgeschaut. Manche haben gar nicht erst so lange gewartet, bis die Österreicher entschieden haben, dass Schluss sein soll, sondern haben sich gleich was Neues gesucht. Vor allem die Jungen.“

Magna will Mitarbeiter an andere Unternehmen vermitteln

Einer seiner Kollegen, der seinen Namen ebenfalls nicht in der Zeitung lesen will, gibt sich realistisch. Es sei klar, dass man die Treibstofftanks, die Magna in Neumarkt unter anderem für Audi und Porsche produziert, nicht mehr im gleichen Umfang wie in der Vergangenheit braucht. „Ein Elektroauto hat halt keinen Tank. Aber dafür braucht man andere Teile. Man hat es versäumt, rechtzeitig auf andere Produkte umzustellen, die wir hier hätten produzieren können.“ Schließlich habe Magna vor nicht allzu langer Zeit in Neumarkt investiert. Die große Produktionshalle im Gewerbegebiet Stauf-Süd ist keine zehn Jahre alt.

Magna wolle sich im Übrigen darum bemühen, die gut 100 Mitarbeiter an andere Unternehmen zu vermitteln, berichtet Rico Irmischer. Der Konzern selbst will sich jedoch nicht zu den Gesprächen äußern, teilt ein Magna-Sprecher mit.