Regionalmanagement soll für mehr Mobilität und weniger „stille Reserven“ in Kelheim sorgen

Trotz angespannter Kassenlage wird das Regionalmanagement im Landkreis Kelheim fortgeführt – und auf das Thema Fachkräfte-Gewinnung ausgeweitet: Es sollen „stille Reserven“ aus der Reserve gelockt werden.
Der Kreishaushalt 2025 wird wohl erst im April verabschiedet. Aber Kreiskämmerer Reinhard Schmidbauer warnte den Kreisausschuss in seiner Sitzung am Montag (11. November) schon mal vor: Ungedeckte Kosten und Ausgaben steigen; es werde wohl eine höhere Kreisumlage nötig sein. Vor diesem Hintergrund lehnten mehrere Kreisräte eine Fortsetzung des Regionalmanagements ab.
Dieses Förderprogramm des bayerischen Wirtschaftsministerium soll dem Verfassungsziel der bayernweit „gleichwertigen Lebensverhältnisse und Arbeitsbedingungen“ dienen. Der Landkreis Kelheim nutzt es bereits (wie die allermeisten Landkreise in Bayern); nun ging es um die Frage, ob man sich für eine weitere dreijährige Förderperiode – ab Juli 2027 – bewirbt. Regionalmanager Stefan Grüttner stellte vor, was dann die Schwerpunkte sein sollen: „Smart Region“ und „Stille Reserven“.
Bei Smart Region geht es um Mobilitätsthemen, die auch derzeit schon ein Schwerpunkt sind. In der nächsten Periode soll zum einen der flexible Rufbus „Kexi“ optimiert und erweitert werden, schilderte Grüttner.
Lesen Sie hierzu auch: „Ein Jahr „Land-Kexi“: Am Express-Bus im Landkreis Kelheim wird nachgebessert
Ferner will der ÖPNV-Experte des Landkreises einen „Mobility Podcast“ etablieren. Darin sollen die oft schwierigen Vorgaben und Abläufe im Öffentlichen Nahverkehr allgemeinverständlich erklärt werden, etwa die Regeln rund um die Schülerbeförderung.
Drittens soll „Bike-Sharing“ im Landkreis eingeführt werden, ein Pool-System von Leihfahrrädern für Einheimische und Touristen. Und auf der Agenda bleiben sollen die bestehenden Projekte „Roboat“ (ÖPNV auf dem Wasser) und „Walk Your City“, das Fußgängern das (Über)leben erleichtern soll.
Der Schwerpunkt „Stille Reserven“ soll die Wettbewerbsfähigkeit des Landkreises stärken. Was schon in der jetzigen Förderperiode ein Ziel ist, aber wegen eines Krankheitsfalles kaum bearbeitet wird. Ab 2025 soll es darum gehen, ob und wie Fachkräfte zurück in den Job respektive in Vollzeit gelockt werden können, die derzeit dem Arbeitsmarkt nicht oder limitiert zur Verfügung stehen – die also eine „stille Reserve“ darstellen. Und: welchen Bedarf die heimische Wirtschaft hierfür sieht.
Wohl keinen sehr großen, unkte Kreisrat Willi Dürr: Bei der schlechten Wirtschaftslage drohe eher, „dass Fachkräfte frei werden...“ Maria Krieger (Grüne) widersprach: Der Fachkräftemangel behindere den wirtschaftlichen Aufschwung; „stille Reserven“ seien vor allem fehlender Kinderbetreuung geschuldet.
Kreisrat Andreas Fischer (SLU) lehnte aus Kostengründeen die Fortsetzung des Regionalmanagements ab, das für die drei Jahre auf 500.000 Euro veranschlagt ist. Auch wenn 60 Prozent der Freistaat zahle, seien es immer Steuergelder. Und als Kreispolitiker dürfe man nicht immer nur Sparappelle verkünden, sondern müsse diese endlich mal umsetzen, forderte Fischer. Seinem „Nein“ schlossen sich Christian Schweiger (CSU) und Georg Bergermeier (AfD) an.
Sparsamkeit in allen Ehren - „aber wir brauchen Dinge wie den ÖPNV“, erwiderte Landrat Martin Neumeyer. Das sah Christian Nerb (FW) genauso, mahnte aber einen jährlichen Zwischenbericht an. Erfolglos blieb die Forderung von Peter-Michael Schmalz, das Projekt „Roboat“ („völlig überflüssig“) aus dem Maßnahmenkatalog zu streichen – daraufhin lehnte auch er das Gesamtpaket ab. Mit 9 zu 4 Stimmen beschloss die Ausschussmehrheit dennoch die Fortsetzung.