Ein Jahr „Land-Kexi“: Am Express-Bus im Landkreis Kelheim wird nachgebessert

Von Martina Hutzler · 29. Oktober 2024 um 15:00

Während der Kelheimer Stadtrat am Montagabend (28.10.) das Aus des Kelheimer Stadt-Kexi‘ beschlossen hat, kommt der kreisweite „Land-Kexi“ gerade erst in Fahrt. Er soll kleine Orte und Ortsteile im Kreis Kelheim mit den jeweils nächstgelegenen größeren Zentren verbindet. Nach dem ersten von fünf Projektjahren wird das Angebot in einigen der zwölf Bedien-Gebiete jetzt nachgebessert. Und eine Neuerung im Bezahlsystem eingeführt.

• Painten: Der Expressbus „Kexi“ hat ein großes Haltestellennetz, fährt aber nur konkret gebuchte Strecken ab. Im Bediengebiet rund um Painten, dem „Cluster“ 2, wollen die meisten morgens, kurz nach sechs Uhr vom Ortskern zum Bahnhof Deuerling und im Lauf des Tages wieder zurück, schilderte der ÖPNV-Manager am Landratsamt, Stefan Grüttner, unlängst im Mobilitätsausschuss. Das führe vor allem in der Früh zu Problemen beim Buchen bzw. „Poolen“, also dem Bemühen, pro Fahrt mehrere der sechs Passagier-Plätze zu belegen. Deshalb wird der Kleinbus ab November auf der Morgen-Runde zu einer Art Express-Expressbus: Man werde den Zustieg auf vier Haltepunkte beschränken, kündigte Grüttner an. Das soll auch die seit drei Monaten nur noch zweistelligen Nutzungszahlen wieder in den dreistelligen Bereich hieven.

• Bad Abbach: Schon im Sommer reagiert haben Landratsamt und die Gemeinden Bad Abbach und Teugn. Das dortige Cluster 4 sollte die Abrundung des schon bestehenden „Stadt“-Kexis werden, also dem Rufbus in den Hauptorten. Aber es sei das Cluster mit der schlechtesten Resonanz gewesen, meist mit weniger als 50 Fahrten pro Monat, blickte Stabsstellenleiter Grüttner zurück. Deshalb hat man Stadt- und Land-Kexi zu einem Cluster zusammengefasst, mit nun drei statt zwei Tarifzonen. Seither strebt die Nutzung in Richtung 400 Fahrten pro Monat. Auch hier ist der – weit abseits gelegene – Bahnhof Lengfeld ein Hauptziel.

• Mainburg: Wenig ausgelastet sind bislang auch die Fahrzeuge, die in drei Clustern das Gebiet Mainburg und den nächstgelegenen Bahnhof Rohrbach bedienen. Deshalb sollen auch hier alle drei Teilsysteme zu einem einzigen Cluster zusammengefasst und mit drei Kleinbussen bedient werden. Die Fahrt zum Bahnhof Rohrbach wird künftig nur noch von drei Haltepunkten aus möglich sein: dem Busbahnhof Mainburg sowie Ober- und Unterempfenbach.

• Abensberg: Als Zugpferd hingegen erweist sich der Cluster Kelheim – Abensberg. Hier sorgt vor allem die rege Nutzung von und zum BBW Abensberg für eine Fahrtenzahl meist über der 700er-Grenze.

Getoppt wird er noch vom Cluster Abensberg – Rohr, dem meistgebuchten Gebiet, in dem der Land-Kexi im Juli einen Spitzenwert von 875 Fahrten erreichte und insgesamt „schon fast an der Kapazitätsgrenze“ sei, erklärte Stefan Grüttner. Wobei sich das Gros der Fahrten zwischen Abensberg und Gaden / Offenstetten abspiele; von und nach Rohr wird das Angebot selten genutzt.

• Langquaid: Innerhalb des Clusters Langquaid ist Rohr etwas öfter der Start-/Zielpunkt; vor allem aber Fahrten von/nach Herrngiersdorf und Herrnwahlthann werden gebucht. Aber insgesamt „ist hier noch eine Menge Luft nach oben“, räumte Grüttner ein, angesichts von anfangs über, mittlerweile unter 100 Fahrten pro Monat.

• Siegenburg: Als „ganz akzeptabel“ wertet der ÖPNV-Fachmann die Nutzung im Cluster Siegenburg, mit meist mehr als 400 Fahrten pro Monat. Auffällig viele davon jeweils gegen 13 Uhr. Das sei „ganz klar die Schule“ samt Jugendlichen, die lieber den Kexi buchen als auf den Schulbus zu warten, folgerte Kreisrat Gernot Seefelder (SLU). „Dabei ist das doch eigentlich nicht unsere Zielgruppe…“

Die Fahrschüler profitieren davon, dass ihnen der Landkreis das Deutschlandticket als kostengünstigste Monatskarte zur Verfügung stellt; damit kann man den Kexi kostenlos nutzen. Stefan Grüttner sah darin kein Problem, weil der Siegenburger Land-Kexi noch nicht überlastet sei und der Landkreis ja alle Kexi-Fahrten mit Deutschlandticket erstattet bekomme.

• Kelheim: Zufriedenstellend ist aus Landratsamts-Sicht der Cluster Essing-Ihrlerstein-Kelheim, wo die Zahl der Fahrten pro Monat fast immer deutlich über die 300er-Marke klettert. Vor allem morgens und am frühen Nachmittag werden Fahrten aus den Gemeinden in die Kreisstadt – zum Krankenhaus, ins Einkaufszentrum, den Donaupark und am Wöhrdplatz - und zurück häufig gebucht.

• Riedenburg: Der Cluster Riedenburg zeigt eine rückläufige Tendenz: Hier lag die Fahrtenzahl bis zum Mai im 300er-Bereich; seither pendelt sie eher um die 200er-Marke herum. Gefragt sind vor allem Fahrten von und in Richtung Gleislhof, Baiersdorf und Meihern/ Flügelsberg.

• Tickets: Um beim Kexi Kosten zu sparen, überlegt das Mobilitäts-Sachgebiet, die Ticket-Bezahlung künftig auf bargeldlose Verfahren zu beschränken, wie Lastschrift, Kreditkarte, PayPal. Es sei einfach teuer – und obendrein intransparent -, wenn rund 50 Kexi-Fahrer das eingenommene Bargeld regelmäßig zur Bank bringen und einzahlen müssen, begründete Stefan Grüttner den Plan.

Kreisrat Dennis Diermeier (FW) warnte, dass dies ältere Nutzer treffe: „Wer nur Bargeld dabei hat, kann nicht mitfahren“. Es soll aber an – möglichst vielen – Vorverkaufsstellen auch Wertgutscheine zu kaufen geben.