Bilinguale Schule: Rektor Uwe Mißlinger erklärt, was sich am Chamer Fraunhofer-Gymnasium ändert

Das Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium in Cham steht vor einer neuen Herausforderung: Die Schule soll als erste im Landkreis ein bilinguales bayerisch-tschechisches Profil erhalten. Innerhalb der Schulfamilie hat diese Verkündung zunächst zu gemischten Reaktionen geführt. Vor allem unter Schülern und Eltern kam die Frage auf, wie sich eine bilingual auf Tschechisch ausgerichtete Schule sinnvoll umsetzen lässt – angesichts des Mangels an Schülern mit Tschechischkenntnissen und geeigneten Lehrkräften.
Schulleiter Uwe Mißlinger zeigt sich vorsichtig zuversichtlich und erläutert die Hintergründe. „Die Initiative kam direkt vom Ministerpräsidenten bei einem Besuch in Cham. Uns wurde der Vorschlag gemacht, das bilinguale Modell zu etablieren“ erzählt der Schulleiter, der anfangs auch ein wenig skeptisch war.
Explizit dafür beworben habe sich die Schule nicht. Ausschlaggebend dafür sei die Partnerschaft des Gymnasiums mit einer Schule in Pilsen gewesen – und die Tatsache, dass eine Lehrkraft aus dem Kollegium Tschechisch unterrichten darf.
Tschechisch als Wahlfach
Zusammen mit der Ministerialbeauftragten in Regensburg hat Mißlinger erste Schritte entwickelt, um die Voraussetzungen für das bilinguale Profil zu schaffen. Zunächst sei geplant, Tschechisch als Wahlfach ab der elften Klasse anzubieten. Im vergangenen Jahr haben sich laut Mißlinger sechs Schüler in der elften Klasse für den Tschechisch-Kurs entschieden. Durch die Budgetzuschläge, die die Schule für das Projekt in puncto Lehrerstunden erhalte, lassen sich künftig aber auch Kurse mit weniger Schülern realisieren. Unter normalen Umständen würde sich ein Kurs mit nur sechs Schülern nicht realisieren lassen, erklärt der Schulleiter.
Wie dieses Angebot angenommen wird, möchte Mißlinger zunächst abwarten, bevor weiterführende Maßnahmen geprüft werden. Eines möchte er dabei jedoch klarstellen: Unterricht in tschechischer Sprache sei kurzfristig nicht geplant und auch gar nicht umsetzbar. „Das kann ein Endziel für die Zukunft sein. Momentan sind wir davon aber noch Lichtjahre entfernt“, betont Mißlinger.
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Um neben dem Erlernen der Sprache des Nachbarlandes auch den kulturellen Austausch zu fördern, sei es Teil des Vorhabens, den Schüleraustausch mit der Pilsener Partnerschule deutlich zu intensivieren. Schulfahrten und das jährliche Skilager sollen künftig vermehrt in Tschechien stattfinden, um etwa die Sprach- und Landeskundekenntnisse der Schüler zu fördern, erklärt er weiter.
Rückendeckung aus Politik
Vollends begrüßt wird das Projekt auf politischer Ebene. Landrat Franz Löffler sieht die Einführung des bayerisch-tschechischen Profils als wichtigen Schritt in der grenzüberschreitenden Bildung: „Um die grenzüberschreitende Partnerschaft für die Zukunft zu stärken, müssen wir junge Menschen dafür begeistern, die Freundschaft zu leben und weiter zu vertiefen.“
Das Erlernen der Sprache und regelmäßige Begegnungen zwischen Schülern seien dabei von zentraler Bedeutung, betonte Löffler nach Bekanntwerden der Auswahl des Chamer Gymnasiums. Der Austausch auf schulischer Ebene sei entscheidend, um die Europäische Idee lokal zu verwirklichen und das Zusammenwachsen der Regionen zu fördern.
Das Joseph-von-Fraunhofer-Gymnasium steht damit vor einem anspruchsvollen Projekt, das den Schülern die Türen für neue internationale Erfahrungen öffnen könnte.
Ein neues Kapitel grenzüberschreitender Zusammenarbeit
Ursprung: Ziel des grenzübergreifenden Projekts ist es, die nachbarschaftlichen Beziehungen Bayerns mit Tschechien zu vertiefen. Dazu sollen ab dem Schuljahr 2025/26 sechs weiterführende Schulen in Ostbayern zu bilingualen Bayerisch-Tschechischen Profilschulen weiterentwickelt werden, darunter das Chamer Fraunhofer-Gymnasium, die Realschulen in Vohenstrauß und Waldsassen sowie das Gymnasium in Oberviechtach.
Kultusministerium: Bayerns Kultusministerin Anna Stolz hebt in einer Pressemitteilung hervor, dass Sprachen Brücken zu anderen Ländern, Kulturen und in die Herzen der Menschen schlagen. Besonders im bayerisch-tschechischen Grenzraum sei die Verbundenheit stark spürbar. Die Einführung derartiger Schulen mit bayerisch-tschechischem Profil markiert laut Stolz ein neues Kapitel in der grenzüberschreitenden Zusammenarbeit.
