Tiere sollen weniger Stress haben: Brunnerhof in Schwandorf betreibt nun eigenes Schlachthaus

Von Marius Göhl · 11. November 2024 um 05:00

Nachhaltigkeit, Regionalität und Tierwohl rücken in der Gesellschaft immer mehr in den Blickpunkt. Zurecht, wenn es nach Josef Brunner vom Brunnerhof in Richt geht. Er versucht den Stress für die Tiere so gering wie möglich zu halten und betreibt deswegen mittlerweile ein eigenes Schlachthaus. Mit der Idee ist er nicht alleine.

Der Landwirt bietet mit seiner Familie im Hofladen unter anderem Fleisch- und Wurstwaren aus eigener Produktion an. In der Haltungsform 3 wachsen Brunners Strohschweine unter Außenklima-Konditionen auf, bei der die Tiere Zugang zu frischer Luft haben. Die tierfreundlichen Bedingungen haben aber ihren Preis. „Man kämpft. Es geht leider viel ums Geld. Preislich liegen wir genau in der Mitte zwischen Supermarkt und Bio. Was zieht, sind Angebote – dann sind die Leute da“, sagt Brunner.

Allerdings habe er auch Verständnis für die das Konsumverhalten der Leute. „Gerade in den vergangenen ein, zwei Jahren ist Geld für jeden Mangelware, weil alles teurer geworden ist. Man merkt das schon, dass bewusst geschaut wird, was man sich kaufen kann und was nicht“, erklärt der Schwandorfer.

Besondere Zertifizierung

Dennoch hat Brunner den Schritt gewagt und das Schlachthaus der Hausschlachterei Koller in Ettmannsdorf übernommen. So reduzierte Brunner unter anderem den Transportweg vom Stall in das Schlachthaus. Seit Februar 2024 schlachtet der Brunnerhof dort pro Woche zwischen acht und zehn Schweine aus dem eigenen Stall.

Die Besonderheit: Das Schlachthaus ist EU-zertifiziert. Diese Zertifizierung bedeutet, dass spezielle Vorgaben für die Geräte zur Schlachtung und Hygiene eingehalten werden. „Die Betäubungszange braucht TÜV, die Brühmaschine muss eingerichtet sein, es muss nachgewiesen werden, dass ein Schwein maximal 20 Sekunden nach der Betäubung gestochen wird“, erklärte der Landwirt. „Ich hatte den Vorteil, dass Herr Koller die Zertifizierung schon hatte. Bei der Übernahme wurde das Schlachthaus nochmal vom Landratsamt inspiziert – das war allerdings relativ unkompliziert. Ich kann mich nicht beschweren“, so Brunner.

Dadurch, dass der Bestand im Schlachthaus schon da war, sei der Aufwand verhältnisweise überschaubar gewesen. Im Schlachthaus beschäftigt Brunner zwei Fleischer. Er habe den Beruf selbst nicht erlernt und schlachte deshalb nicht. Jedoch könne er dies aufgrund einer Fortbildung im Beisein eines Fleischers tun.

Tierwohl ist Nittenauer wichtig

Brunner ist mit seinem Ansatz, kurze Transportwege zu nutzen, in der Region nicht allein. Vor fünf Jahren hat Gunther Stangl aus Nittenau beispielsweise eine ungewöhnliche Investition getätigt: Der 56-Jährige, den viele als Landschaftsgärtner, Storchenbeauftragten und großen Tierfreund kennen, hat im Gewerbegebiet Waltenried ein kleines Schlachthaus gebaut. Tierwohl ist dem passionierten Kleintierzüchter wichtig. Das gilt auch für die Schweine, die er selbst hält und vermarktet. Anders als der Brunnerhof verarbeitet Stangl auch andere Tiere. Allerdings würde es sich dabei ausschließlich um Wild vom Jäger aus seinem Revier und Rindern von Landwirten aus der näheren Umgebung handeln.

Stichwort Verarbeitung: Auch hier verfolgt der Brunnerhof in Richt einen Nachhaltigkeitsgedanken: die vollständige Verarbeitung des Tieres – das sogenannte „Nose to Tail“-Prinzip. Brunner versucht alle Teile des Tieres zu verwenden. „Am besten eignet sich Presssack dafür. Wir kochen aber beispielsweise auch die Knochen aus und ziehen so unseren Soßenansatz“, erklärt der Landwirt. Für Brunner ist neben der vollständigen Verarbeitung vor allem die Art und Weise des Fleischkonsums wichtig. Für ihn gehe es um Qualität statt Quantität. „Ich denke, dass es reicht, zwei bis dreimal die Woche Fleisch zu essen – dann aber in der entsprechenden Qualität“, sagt Brunner.

Stroh schont die Gelenke

Große Schlachtbetriebe, die mit günstigen Angeboten locken, sehe der Schwandorfer kritisch. „Die Fleischverarbeitungsfirma Tönnies beispielsweise baut Schlachtanlagen in Rumänien mit 60 000 Mastplätzen. Die Tiere werden dort geschlachtet und zurück nach Deutschland gebracht“, schildert Brunner. „Das Fleisch ist dann billiger. Das zieht. Auf diesen Fleischkonsum greifen weiterhin zwischen 90 bis 95 Prozent der Kunden zurück“, sagt der Schwandorfer.

Er selbst habe sich bewusst gegen diese Tierhaltung entschieden. In seinem Stall hätten die Tiere 40 Prozent mehr Platz als gesetzlich vorgeschrieben. Des Weiteren laufen seine Strohschweine, wie der Name schon verrät, auf Stroh.

„Das ist gelenkschonender für die Tiere. Das merkt man. Den Stall säubern wir einmal im Monat. Das alte Stroh lagern wir und nutzen es als Dünger für unseren Acker“, erklärte Brunner. Langfristig will der Landwirt rund zwei Drittel seines Ackers mit dem hauseigenen Dünger versorgen.

Auch Gunther Stangl aus Nittenau betreibt ein eigenes Schlachthaus. Foto: Cornelia Lorenz
Josef Brunner steht zusammen mit seinen Strohschweinen im Stall. Foto: Marius Göhl