Nittenau: Gunther Stangls kleines Schlachthaus hat sich etabliert – Weideschuss ist Alternative

Von Cornelia Lorenz · 18. September 2024 um 05:00

Vor fünf Jahren hat Gunther Stangl aus Nittenau eine ungewöhnliche Investition getätigt: Der 56-Jährige, den viele als Landschaftsgärtner, Storchenbeauftragten und großen Tierfreund kennen, hat im Gewerbegebiet Waltenried ein kleines Schlachthaus gebaut. Wie läuft der Betrieb dort inzwischen?

Seit über 40 Jahren engagiert sich Stangl, der auch für die Freien Wähler im Nittenauer Stadtrat sitzt, beim Bund Naturschutz. Tierwohl ist dem passionierten Kleintierzüchter wichtig. Das gilt auch für die Schweine, die er selbst hält und vermarktet. Deshalb kam er vor ein paar Jahren auch auf die Idee, selbst ein kleines Schlachthaus zu bauen: Der Weg vom heimischen Stall zum Schlachtraum solle für die Tiere durch kurze Wege so stressarm wie möglich gestaltet werden. Das wirke sich auch positiv auf die Fleischqualität aus, ist Stangl überzeugt.

In Waltenried investiert

Rund 250 000 Euro hat Stangl deshalb in die Hand genommen und im Gewerbegebiet Waltenried ein kleines Schlachthaus gebaut. Geschlachtet wird hier seit September 2020. Der Betrieb zählt damit laut einer Statistik des Bundesamt für Verbraucherschutz und Lebensmittelsicherheit zu einer von rund 1600 Schlachtstätten im Freistaat. Mehrheitlich handelt es sich hier um kleine handwerkliche Schlachtstätten.

Auch bei Stangl ist der Betrieb übersichtlich: Neben dem Schlachtraum gibt es in dem kleinen Gebäude eine Kühlkammer, einen Zerlegeraum, einen Verkaufsraum und eine Hygieneschleuse. „Wir sind kein großer Betrieb“, sagt Stangl – das sei eine bewusste Entscheidung, denn das Schlachthaus sei für ihn lediglich ein Nebenerwerb.

Längst würden hier nicht nur seine eigenen Tiere geschlachtet. Auch Rehe und Wildschweine, die er als Jäger in seinem Revier erlegt hat, würden hier verarbeitet werden. Auch für einige Landwirte aus der näheren Umgebung sei sein Betrieb eine wichtige Anlaufstelle geworden: Drei bis vier Rinder pro Monat würden derzeit bei ihm geschlachtet, sagt Stangl. Dafür arbeite er vor Ort eng mit einem Metzger zusammen.

Seinen Wunsch, Rindern einen maximal stressfreien Tod außerhalb eines Schlachthofs zu ermöglichen, kann er mittlerweile ebenfalls umsetzen: Der erfahrene Jäger hat einen Kurs an der Staatlichen Lehr- und Versuchsanstalt für Tierhaltung in Almesbach absolviert – und darf seitdem den sogenannten Weideschuss praktizieren. Konkret heißt das: Stangl macht sich auf den Weg zu der Weide, wo das Rind gerade friedlich grast und erlegt es mit einem Kopfschuss aus seinem Jagdgewehr, so dass es bis zum letzten Moment nichts von seinem Schicksal ahnt. „Für einen sauberen Schuss braucht man Ruhe“, sagt Stangl. Bisher sei ihm hier glücklicherweise auch noch keine Panne passiert. „Ich habe schon Ehrfurcht, denn man bringt ein Lebewesen zu Tode“, sagt er. Das Ganze sei für ihn weder Hobby noch Spaß, sondern eine Notwendigkeit.

Metzger ist wichtig

Nach dem Weideschuss kümmere sich ein Metzger um das erlegte Rind und setze ihm einen Kehlschnitt. Anschließend transportiert Stangl das Tier in sein Schlachthaus, wo es dann weiterverarbeitet wird.

Mit der Resonanz auf seinen Betrieb ist Stangl zufrieden. „Die Entwicklung passt. Wir sind kein Massenbetrieb“, betont er. Deshalb könne er sich im Moment auch nicht vorstellen, seine Kapazitäten zu erweitern.