In Nittenau ist die Jeans zuhause – Firma Löscher stellt seit 1964 hochwertige Bekleidung her

Von Cornelia Lorenz · 15. September 2024 um 17:30

In Nittenau gibt es einen Ort, an dem die Herzen echter Jeansfans höher schlagen: Bei der Firma Löscher werden seit 1964 die verschiedensten Modelle der beliebten Denim-Hosen hergestellt. Bis zu 50 Arbeitsschritte absolvieren die Näherinnen bis zur fertigen Jeans. Bürgermeister Benjamin Boml (FW) hat dem außergewöhnlichen Betrieb kürzlich einen Besuch abgestattet.

Seit 1964 ist die Löscher Bekleidungsfabrikation KG in Nittenau zuhause, seit 1974 am Wellenbach in der Nähe des Kinos. Inhaber Reinfried Löscher hat das Unternehmen von seinen Eltern übernommen. Der heute 70-Jährige ist studierter Wirtschafts- und Betriebstechniker, packt immer noch kräftig mit an und kümmert sich zusammen mit seiner Tochter Paulina um den Zuschnitt der Stoffe.

Stoffe aus Japan

Auf das Material legt Löscher größten Wert. Überwiegend wird der Denim-Stoff aus Japan importiert. Dort gebe es einfach die hochwertigsten Stoffe, ist Löscher überzeugt. Sie werden dort noch auf traditionellen Schiffchenwebstühlen gefertigt. Ihr Weg von Japan nach Deutschland dauert rund drei Monate, denn sie kommen per Schiff. Der Transport über den Luftweg sei mittlerweile zu teuer, bedauert Löscher.

In Nittenau angekommen, werden die Denim-Bahnen, die zu 100 Prozent aus robusten Baumwollfasern bestehen, Schritt für Schritt verarbeitet: Nach dem Zuschnitt des Stoffes kümmert sich das Team der Näherinnen darum, die Einzelteile zusammenzufügen. Bis zu 50 einzelne Arbeitsschritte seien nötig, um eine Jeans fertigzustellen, sagt Löscher. Das dauere pro Hose bis zu drei Stunden – und damit deutlich länger als in großen Fabriken.

Doch bei der Firma Löscher setzt man bewusst nicht auf Massenware, sondern auf hochwertige – und damit für den Kunden auch vergleichsweise teure Stücke. Am bekanntesten dürften wohl jene Jeans sein, die der Nittenauer Betrieb für das Modelabel „Blaumann“ fertigt. Dabei handelt es sich nicht etwa um eine Latzhose für Handwerker, sondern um Modelle, die sehr aufwendig verarbeitet werden – und Jeansliebhaber mit ihrer speziellen Webkante, Kappnähten und verdeckten Gesäßtaschennieten ins Schwärmen bringen. Jede einzelne Hose ist ein Unikat und anhand ihrer Nummerierung auf dem Lederetikett einer limitierten Serie zuzuordnen.

Wer eine Blaumann-Jeans möchte, lässt sie sich einiges kosten: Ab 269 Euro ist sie sowohl bei Einzelhändlern als auch via Online-Shop erhältlich.

Grundsätzlich seien seine Kunden bislang überwiegend Männer, die Wert auf robuste und haltbare Bekleidung legen, sagt Löscher. Doch in Zukunft wolle man auch verstärkt Modelle für Damen ins Sortiment aufnehmen.

So schwierig die Lage in der Textilbranche in Deutschland aufgrund der Billigkonkurrenz aus dem Ausland auch ist: Bei der Löscher KG laufen die Geschäfte gut. Man verzeichne pro Jahr ein Wachstum von rund 20 Prozent, auch wenn der Preiskampf und der Druck am Markt hoch seien, sagt der Chef, der noch lange nicht an Ruhestand denkt. „Es ist nach wie vor ein schwieriges Geschäft, aber es macht mir Spaß“, sagt er.

Treue Näherinnen

Sieben Näherinnen beschäftigt Reinfried Löscher derzeit. Einige von ihnen halten dem Betrieb schon seit Jahrzehnten die Treue – und Löscher könnte sich auch gut vorstellen, wieder Lehrlinge auszubilden. Über qualifizierte Bewerbungen würde er sich freuen, doch diese seien mittlerweile selten geworden, bedauert er. Bürgermeister Boml zeigte sich bei seinem Besuch erfreut über die gute Entwicklung des Betriebs. Man könne stolz darauf sein, solch ein besonderes Unternehmen vor Ort zu haben, so Boml.

Viele Arbeitsschritte an der Nähmaschine sind nötig, bis eine Hose tatsächlich fertig ist.