Bald noch mehr Polizei am Regensburger Bahnhof? Jeder vierte Tatverdächtige ist Tunesier

Das Innenministerium möchte eine Sicherheitsoffensive für bayerische Bahnhöfe aufs Gleis setzen. Davon ist auch Regensburg betroffen. Zahlen der Bundespolizei offenbaren indes: Jeder vierte Tatverdächtige stammt aus Tunesien.
Eine hohe Polizeipräsenz ist längst Usus am Regensburger Hauptbahnhof. Bald könnten allerdings noch mehr Beamte rund um den Kriminalitätsbrennpunkt im Einsatz sein, zumindest wenn es nach Innenminister Joachim Herrmann (CSU) geht.
Dessen Ministerium kündigte unlängst eine Sicherheitsoffensive an. Herrmann: „Die vielfältige Kriminalität vor allem in großen Hauptbahnhöfen und in deren Umgebung muss noch konsequenter bekämpft werden.“ Die Sicherheitsoffensive soll in den größeren bayerischen Städten beginnen, darunter auch Regensburg. Die Grundzüge der Offensive sollen bis Weihnachten stehen. Im Kern geht es laut der Pressemitteilung aus dem Innenministerium um eine verstärkte Polizeipräsenz, den Ausbau von Videoüberwachung und einen intensiveren Austausch mit den Ausländerbehörden und Jugendämtern. Darüber hinaus soll die Kooperation mit der Deutschen Bahn und den Nahverkehrsunternehmen enger werden.
Verschiebt sich das Problem?
Bekanntermaßen war der Regensburger Hauptbahnhof vor rund einem Jahr massiv in die Schlagzeilen geraten, aufgrund einer geradezu explodierenden Kriminalität. Daher wurde schon damals die Polizeipräsenz merklich erhöht, auch die Videoüberwachung wurde deutlich ausgebaut. Zwei Punkte, die das Innenministerium in seiner Sicherheitsoffensive anpacken will, sind also schon umgesetzt. Auf Nachfrage gibt sich das Ministerium schmallippig. „Der aktuell laufenden Konzepterstellung können wir nicht vorgreifen“, teilt ein Sprecher mit. Zur konkreten Situation am Bahnhof könne das Polizeipräsidium der Oberpfalz mehr sagen.
Dessen Sprecher Michael Zaschka bestätigt, dass die polizeiliche Präsenz am Bahnhof „bereits stark erhöht“ wurde. Zaschka betont aber auch: „Ein weiterer Ausbau der sichtbaren und ansprechbaren Präsenz zu den bereits getroffenen Maßnahmen wird aktuell am Standort Regensburg geprüft und anschließend dementsprechend angepasst.“ Heißt im Klartext: Womöglich gibt es bald tatsächlich noch mehr Polizei am Bahnhof. Dennoch sagt Zaschka, dass die Polizei die Kriminalitätsentwicklung am Bahnhof mit „vorsichtigem Optimismus“ betrachte. Die Maßnahmen der Behörden trügen Früchte – wenngleich mit einer Einschränkung: „Im Bereich der Körperverletzungsdelikte zeichnet sich nur ein minimaler Rückgang zum Vorjahr ab.“
Kriminalität am Regensburger Bahnhof: Verschiebt sich das Problem nur?
Die Situation am Bahnhof bessert sich also leicht – allerdings: Womöglich verschieben sich die Probleme nur. Die Polizei nimmt laut Sprecher Zaschka „vage Tendenzen“ wahr, wonach sich das Milieu verlagert. Konkret geht es um die Maxstraße. Dort steigerten sich die Fallzahlen derzeit im Vergleich zum Vorjahr. Das könne aber auch damit zu tun haben, dass mehr Polizisten unterwegs sind, wodurch sich das Dunkelfeld lichtet. Seit Juni 2024 setzt die dort zuständige Polizeiinspektion Regensburg Süd zudem auf „verdeckte Einsätze“, sagt Zaschka ohne ins Detail gehen zu wollen. Diese Einsätze seien durchaus erfolgreich gewesen. Es seien jeweils mehrere Strafanzeigen aufgenommen worden.
Zurück zum Bahnhof: Für das unmittelbare Gelände ist die Bundespolizei zuständig – und die verzeichnet seit der Pandemie einen sprunghaften Anstieg der Kriminalität. Insgesamt sind die Straftaten zwischen 2019 und 2023 um insgesamt 165 Prozent gestiegen. Das geht aus Zahlen hervor, die die Bundespolizei der MZ zur Verfügung gestellt hat. Dabei gibt es eine Reihe von Auffälligkeiten. Den größten Anteil der Straftaten machen Eigentumsdelikte aus – also der klassische Diebstahl. 2019 gab es noch 250 solcher Fälle – im vergangenen Jahr waren es 658. Eine Steigerung gab es auch bei den Sexualdelikten. Zwischen 2019 und 2022 habe die Bundespolizei nur Einzelfälle registriert, sagt Sprecherin Sylvia Hieninger. Im vergangenen Jahr waren es dann plötzlich elf. Hieninger betont: „Hierbei handelte es sich fast ausschließlich um Fälle der sexuellen Belästigung, des Erregens öffentlichen Ärgernisses oder des Exhibitionismus.“ Und: „Bei den festgestellten Tatverdächtigen im Jahr 2023 handelte es sich ausnahmslos um Deutsche.“
Hauptbahnhof Regensburg: Jeder vierte Tatverdächtige stammt aus Tunesien
Die mit Abstand größte Steigerung verzeichnete die Polizei bei Verstößen gegen das Aufenthaltsgesetz. Hier verzeichnete die Bundespolizei sage und schreibe 1475 Prozent mehr Fälle. Besonders alarmierend: Im vergangenen Jahr stammten 25 Prozent der Tatverdächtigen aus Tunesien – also jeder Vierte. Das sind Zahlen, die kein anderer Bahnhof in Bayern aufweist.
Bundespolizeisprecherin Hieninger sagt indes, dass sich die Fallzahlen im laufenden Jahr ungefähr mit denen aus dem vergangenen Jahr decken. Der Bahnhof bleibt also ein Kriminalitäts-Hotspot. Ob künftig auch mehr Bundespolizisten unterwegs sein werden? Hieninger verweist hier auf das Innenministerium. Klar ist: Das Personal wurde seit 2017 bereits um 50 Prozent aufgestockt.
Das Innenministerium möchte sich auch mit der Stadt Regensburg enger abstimmen – bislang ist das allerdings noch nicht geschehen, teilt eine Sprecherin mit. „Bisher erfolgte mit der Stadt Regensburg keine Kontaktaufnahme.“
Probleme am Regensburger Hauptbahnhof: Gewalt-Training für Schaffner
Und die Bahn und andere Nahverkehrsunternehmen? Die DB beantwortet eine MZ-Anfrage nur allgemein. Der Sprecher der Regensburger Firma Agilis wird dagegen konkreter. Man sehe die Entwicklung mit großer Sorge, sagt Thomas Tomaschek. „Das betrifft auch die Situation in unseren Zügen. Dort beobachten wir, wie auch andere Verkehrsunternehmen, dass der Umgangston und das Verhalten mancher Fahrgäste leider rauer geworden sind.“ Um dem zu begegnen, wird das Zugpersonal in Deeskalationstrainings geschult. Mit Blick auf das Schreiben des Innenministeriums sagt Tomaschek: „Wir begrüßen ausdrücklich jede Initiative, die dazu beiträgt, dass sich unsere Kunden und auch unsere Kollegen sicher fühlen und sicher unterwegs sind.“