Bau beginnt 2025: Neue 380-kV-Stromleitung tangiert auch die Gemeinde Kümmersbruck

„Wer Ja zum Ausbau regenerativer Energien sagt, muss auch Ja zum Ausbau des Stromnetzes sagen.“ Dies machte Kümmersbrucks Bürgermeister Roland Strehl (CSU) gleich zu Beginn der Gemeinderatssitzung am Dienstagabend unmissverständlich klar. Die neue 380-KV-Leitung führt auch durch Kümmersbruck. Deswegen erhielt nun der Gemeinderat Besuch von Vertretern des Netzbetreibers Tennet.
Klar ist: Um die Energiewende herbeizuführen und das Ziel Klimaneutralität deutschlandweit bis 2045 bzw. bayernweit sogar bis 2040 zu erreichen, muss neben den regenerativen Energien auch das Stromnetz ausgebaut werden. „Wir bekommen ein großes Nord-Süd-Gefälle mit hohem Übertragungsbedarf“, begründeten die beiden Tennet-Vertreter den Bau der neuen Stromtrasse.
Dies liege daran, dass der Süden bei der Photovoltaik starken Zuwachs verzeichne, der Norden dagegen bei der Windkraft. Bis 2045 werde in Deutschland eine Verdoppelung des Stromverbrauchs erwartet. Der Mehrbedarf solle im Süden vor allem durch PV-Anlagen, im Norden durch Windanlagen gedeckt werden.
Keine weiteren Solarparks in der Gemeinde
Auch im Gemeindegebiet Kümmersbruck ist der Zuwachs an PV-Anlagen deutlich zu spüren. Zwei standen auch wieder bei der Sitzung am Dienstag auf der Tagesordnung. Nachdem der Gemeinderat den Bebauungsplan für die von den Stadtwerken Amberg geplante Anlage an der A6 abgesegnet hatte, genehmigte er auch die Aufstellung des vorhabenbezogenen Bebauungsplans für die in der Gemarkung Köfering von Greenovative geplante Freiflächenanlage.
„Nun ist es auch gut. Wir müssen eine gute Balance finden. Weitere Solarparks auf unserem Gemeindegebiet können wir uns nicht mehr vorstellen“, hieß es von der CSU-Fraktion. Und auch Bürgermeister Strehl erklärte, dass sich die Gemeinde nun nicht mehr in der Pflicht sehe, weitere Anlagen zu genehmigen.
Mehr Systemstabilität ist das Ziel des Ausbaus
Tennet hatte mit Andreas Schieder (Senior Advisor) und Gunnar Heinitz (Gesamtprojektleiter) zwei kompetente Fachleute nach Kümmersbruck geschickt. „Wir warten noch auf die gesetzlichen Grundlagen, dann werden wir loslegen“, kündigte Schieder an. Gemeint ist der Ersatzneubau der alten 220-kV-Leitung in eine 380-kV-Leitung vom fränkischen Ludersheim bis nach Schwandorf. „Die bestehende Leitung ist schon in die Jahre gekommen, deshalb bauen wir parallel zu ihr eine neue mit größerer Leistung“, erklärte Projektleiter Heinitz.
Denn diese Leitung müsse nicht nur die Region mit Strom versorgen, sondern zum Beispiel auch bei Überschuss den Abtransport in die Region regeln, wo gerade Bedarf herrsche. „Wir müssen die Unausgewogenheit, also die zeitlichen Spitzen bzw. Täler, bei der Stromproduktion in Einklang bringen“, nannte Heinitz eine Hauptaufgabe der neuen Leitung. Die 380-kV-Leitung könne für mehr Systemstabilität sorgen, also zum Beispiel eine Überproduktion von Solarstrom aus dem Süden nach Norden bzw. Überproduktion von Windenergie aus dem Norden nach Süden abregeln.
Netzbetreiber will in der Region auch neues Umspannwerk bauen
Spätestens Anfang 2025 wolle man mit dem Ersatzneubau beginnen. Mit sieben bis acht Jahren Bauzeit rechnet das Unternehmen. Bei dem Verlauf der neuen Trasse wolle man sich an der bestehenden orientieren. „70 bis 80 Meter Abstand sind aber Minimum“, erklärte Heinitz. In der Gemeinde Kümmersbruck wolle man sich an am Verlauf der geplanten Westumgehung orientieren, auch wegen der bestehenden Leitung, erklärte der Projektleiter auf Nachfrage von SPD-Gemeinderätin Veronika Frenzel.
Neben dem Ausbau der Stromleitungen plant Tennet auch in der Region den Bau eines neuen Umspannwerks. „20 bis 30 Hektar Platzbedarf, ebenes Gelände, gute Verkehrsanbindung und relativ entfernt von Wohnbebauung“ zählte Heinitz als notwendige Anforderungen an den Standort auf. Aber nur zehn bis 20 Prozent der Fläche würden versiegelt sein. „Ein Großteil der Anlage wird grün sein“, versicherte Heinitz auf Nachfrage von Veronika Frenzel.
Um die Luft als Isolation nutzen zu können, müsste der Abstand der einzelnen Komponenten relativ groß sein. Das Unternehmen habe bisher aber noch keinen geeigneten Standort ausgewählt. „Er wird aber in der Region um Amberg sein“, verkündete Heinritz. Die Frage, ob der gegenwärtige Standort des Bayernwerk-Umspannwerks südlich von Amberg eine Option sein könne, komme noch zu früh, erklärte der Projektleiter.
