Der Spielberg-Verlag: Ein Neumarkter Verlag mit Wurzeln in Waldmünchen

Von Martin Hladik · 5. November 2024 um 19:00

Für etliche Waldmünchner war es eine Überraschung. Spätestens bei der Vorstellung des Kathi-Buches von Karlheinz Schröpfer wurde klar, dass dessen Verlagsleiter aus Waldmünchen stammt und seinen Verlag sogar nach einem Ortsteil der Stadt, nämlich nach Spielberg benannt hat.

„Dort steht auch der elterliche Hof“, sagt Richard Windmeißer. Er selbst hatte den Spielberg-Verlag 1994 zunächst in Regenburg gegründet und führt ihn jetzt seit knapp einem Jahrzehnt von Neumarkt aus.

Mit der Medienherstellung habe er schon sehr lange zu tun, obwohl er eigentlich beruflich in der Holztechnikbranche gestartet sei. Viele Waldmünchner könnten ihn noch kennen, weil er in seiner Waldmünchner Zeit Filme bei Hochzeiten gedreht habe.

Der Weg zu einem eigenen Buchverlag war dennoch eher ungewöhnlich. Klassisch entstehen kleine Verlage oft aus dem Veröffentlichungs- und Eigeninteresse von Schriftstellern und Kunstinteressierten. Bei Windmeißer war es dagegen eine marktwirtschaftliche Überlegung. Er sah die Chance, mit Geschichten aus der Region Geld zu verdienen und ein Publikumsbedürfnis zu erfüllen.

Zeitungsartikel als Auslöser

Alles habe mit einem Beitrag in der Mittelbayerischen Zeitung begonnen, erzählt Windmeißer. Darin sei über einen fünfjährigen Jungen berichtet worden, der mit Hilfe seiner Mutter über sein Krebsleiden ein kleines Buch schreiben wollte. Der Schlusssatz des Artikels habe in etwa so gelautet: Der Junge wünscht sich, dass sein Buch eines Tages bei Pustet ausliegt. Dazu muss man wissen, dass Pustet eine große Buchhandlung in der Regensburger Altstadt ist.

Windmeißer berichtet, dass er damals einen Kunst- und Werbeverlag hatte. Er wollte dem Kind und der Frau die Veröffentlichung ermöglichen. Es hätte sich um ein kleines 30-seitiges Büchlein mit kleiner Auflage gehandelt. Dafür war er bereits auf Sponsorensuche. Als der dann gefunden war, sei das Buchprojekt aber dennoch gescheitert. „Der Familie war der Hype zuviel!“

Der Sponsor aber, ein bekannter Gastronom, habe wiederum eine andere Bekannte gehabt, die ein Kinderbuch veröffentlichen wollte. Mit ihr habe er das Kinderbuch gemacht und sie bei ihrem Stand auf der ersten Regensburger Buchmesse unterstützt. Dadurch seien wieder andere Autoren auf ihn zugekommen. Darunter eine Mutter, die über ihr Kind, das vom gesunden Kind zum Pflegefall wurde, berichten wollte. Das schmale 140-Seiten-Buch ging „so durch die Decke“, erzählt Windmeißer. Zeitschriften, aber auch Fernsehsender wollten darüber berichten. „Für mich war das der Auslöser“, sagt Windmeißer. „Da ist es möglich, etwas aufzubauchen“, habe er damals gedacht.

Aber die Branche habe sich seitdem verändert. Windmeißer beschreibt dies mit dem Wort „disruptiv“. Vor einigen Jahren noch, so berichtet der Verlagsleiter, hätte ein Zeitungsbericht über ein Buch genügt, um das jeweilige Buch zum Verkaufsschlager zu machen. Nach so einem Bericht hätten zum Teil die Buchhändler beim Verlag angerufen und gefragt, wie sie das Buch schnell erhalten könnten.

„Buchbranche hat sich geändert“

Aber „die Buchbranche hat sich geändert“, sagt Windmeißer. Es werde nicht mehr soviel gelesen, sondern immer mehr gestreamt.

Eine Reaktion seines Verlages darauf sei das Hörbuch gewesen. Aber hier gehe ein Verlag noch weiter ins Risiko. Die Produktion eines Hörbuches sei „aufwendig und teuer“. Windmeißer verweist auf bekannte Sprecher, Studiokosten und die Kosten für die Nachproduktion.

Ein interessanter Vertriebsweg für den Spielberg-Verlag sei das E-Book. Hier sei die Marge, also der finanzielle Spielraum für einen Verlag größer, weil es keine Zwischenhändler gibt und ein Verlag nicht deren Gewinnspanne beim Buchpreis mit einrechnen muss. Zudem könne man beim E-Book auf den Markt reagieren und Preise und Aktionen entsprechend anpassen. Die Buchpreisbindung im Buchhandel hält Windmeißer dennoch für richtig. Allerdings sei hier die Marge für Verlage geringer. Zudem seien die Kosten für Druck und Papier enorm gestiegen.

Dass das Buch des Waldmünchner Heimatforschers Karlheinz Schröpfer eine Alleinstellung im Verlagsprogramm hat, wird bei einem Blick auf die Homepage des Verlages deutlich. Dort gibt es viel Fantasy und Regionalkrimis. Angefangen hat der Verlag allerdings mit Kinderbüchern. Oft lebten die Autoren auch in der Region, aber gerade im Fantasybereich, der unter dem Label Isegrimm vertrieben wird, kommen die Autoren auch aus „Hamburg, der Schweiz oder aus Portugal“, sagt Windmeißer.

Kathi-Buch eine Ausnahme

Deswegen habe er bei der Vorstellung des Kathi-Buches im Rathaus in Waldmünchen auch betonen wollen, dass das Heimatbuch „definitiv“ eine Ausnahme im Verlagsprogramm sei. Ein Buch dieser Aufmachung und dieses Umfangs (DIN-A4-Format und rund 300 Seiten) habe man erst eine Druckerei finden müssen. Das gelte auch für die Druckkosten. „Eigentlich müsste so ein Buch etwas unter 50 Euro kosten“, sagt der Verlagsleiter. Aber mit unter 30 Euro sollte das Buch über die historische Figur der Kathi, die die Geliebte des Trenck war, verkäuflich bleiben – entsprechend niedrig mussten die Druckkosten sein.

„Aber ich bin das Risiko eingegangen“, sagt Windmeißer. Er habe Schröpfers vorher nicht gekannt, aber er habe über sein Engagement gelesen. Zudem sei Waldmünchen seine Heimatstadt. Das Buch zu veröffentlichen sei eine Ehre für ihn, sagte Windmeißer bei der Buchvorstellung.