Schröpfers Buch über eine besondere Frau für Cham und Waldmünchen

Das war die große Stunde von Karlheinz Schröpfer. Mit der offiziellen Vorstellung seines Buches über „Kathi Schwab aus Cham und Trenck der Pandur“ im Sitzungssaal des Rathauses krönt der 76-jährige Heimatforscher sein Lebenswerk, das er der Erforschung des Trenck und seines Umfeldes gewidmet hat.
„Heute musst du dir Lob anhören, es hilft nichts“, sagte Landrat Franz Löffler in seinem Grußwort. Das Lob begann eigentlich schon bei der Begrüßungsliste durch Bürgermeister Markus Ackermann, die Politiker, Ehrenbürger und Ehrenmedaillenträger beinhaltete, aber auch Gäste aus Tschechien, der Partnerstadt Marktoberdorf und Vertreter des Trenck-Museumsvereins.
Als „tatkräftig und kriegssüchtig“ beschrieb Löffler die historische Figur des Freiherren Franz von der Trenck, der im österreichischen Erbfolgekrieg Cham niederbrannte und Waldmünchen verschonte. Aus der Geschichte lernen, so resümierte Löffler, bedeute sich ein „friedvolles Europa“ wünschen.
Dank für ein Lebenswerk
Ein besonderes Anliegen war es Löffler, sich bei Schröpfer für seinen „Einsatz für die Geschichte“ zu bedanken. Er stelle damit und mit dem Buch „sein Lebenswerk seiner Heimat zur Verfügung“.
Weil die Geliebte des Trenck, Kathi Schwab, eine Chamerin war, sprach der zweite Bürgermeister der Stadt Cham, Walter Dendorfer, ein Grußwort. Er bezog sich auf August Bebel, als er sagte: „Nur wer die Vergangenheit kennt, kann die Zukunft gestalten.“ Vermutlich sei es schwer gewesen, etwas über Kathi Schwab herauszufinden. Das 18. Jahrhundert habe sich wenig für die Geschichten von einfachen Frauen interessiert. Aber ohne Kathi hätte es für Waldmünchen tragisch ausgehen können. So sei Cham in Flammen aufgegangen, während in Waldmünchen nur das Herz des Panduren entflammt wurde. Dendorfer: „Kathi schrieb Geschichte: ihre eigene und die unsere!“
Der Landtagsabgeordnete Dr. Gerhard Hopp nahm die Vorstellung des Buches zum Anlass, um über die Bedeutung von Fakten zu reden. In der Politik habe man manchmal der Eindruck sie zählten immer weniger. Die Geschichte könne aber lehren, wohin das führe. Deswegen bewundere er Schröpfers Faktentreue und die Leistung, die dahinter stehe, nämlich tausende Stunden Arbeit in Archiven und am Schreibtisch. Er wolle aber auch dem Verlag Spielberg und dem Verleger Richard Windmeißer danken. Eine gute Präsentation mache ein Werk erst lesbar.
Heimspiel für Spielberg-Verlag
Die Buchvorstellung in Waldmünchen „ist für mich ein Heimspiel“, sagte Verleger Windmeißer. Er stamme aus Spielberg bei Waldmünchen und habe seinen Verlag auch nach seinem Heimatort benannt. Der Verlag sei 1996 zunächst in Regensburg gegründet worden und seit 2004 in Neumarkt. Der Verlag beschäftige sich im wesentlichen mit Belletristik und veröffentliche sie als Buch, als E-Book und als Hörbuch. Insofern sei das Buch von Schröpfer auch eine Ausnahmeerscheinung im Verlagsprogramm. Der Text und die Arbeit Schröpfers haben ihn „überrascht und beeindruckt“. Dennoch hätte er den Text aus Verlagssicht eigentlich ablehnen müssen. Weder der Umfang noch das großformatige Buch passte ins Verlagsprogramm. Das Programm für 2024 stand im Februar, als der Kontakt zu Schröpfer entstand, schon fest, und für neue Titel war eigentlich kein Platz. Aber das Buch musste heuer erscheinen, weil heuer die Kathi ihren 300. Geburtstag und der Trenck seinen 275. Todestag hat. Auch der Veröffentlichungstermin um den Zeitpunkt der Buchmesse sei schwierig gewesen. Aber trotz allem habe bei ihm die Ehre überwogen, als gebürtiger Waldmünchner etwas zum Trenck und zur Kathi zu veröffentlichen. Windmeißer dankte Schröpfer für sein Vertrauen.
Mit seinem typischen Schmunzeln trat als letzter Redner der Autor Karlheinz Schröpfer ans Pult. Eigentlich hätte er das Buch gerne vor der Festspielsaison veröffentlicht, aber sein Schlaganfall hätte das verzögert. Deswegen bat er auch um Verständnis, dass er danach keine Bücher signieren könne. Er sei froh „heute hier stehen zu können.“ Er habe das Buch 2024 veröffentlichen wollen, weil er von Beginn an auf den 300. Geburtstag der Kathi und den 275. Todestag des Trenck hingearbeitet habe.
Wie freiwillig ging die Kathi mit Trenck?
Dann beantwortete Schröpfer die Frage, die Löffler in seiner Rede an ihn gestellt hatte: „Ist sie freiwillig mit oder hat er sie mitgenommen?“. Schröpfers Überlegungen legen ein freiwilliges Handeln der Kathi nahe. Er vermutet, dass das 18-jährige Mädchen unglücklich in ihrer Familie war und aus Neugierde und der Liebe eines Teenagers mit der „wilden Horde“ und dem Trenck mitgezogen sei.
Im Buch geht Schröpfer der Familiengeschichte der Schwabs weiter nach und schildert detailliert nach einer alten Auflistung, welchen Schaden an „Gebäuden und Geschmeiden“ die Chamer durch den Pandurenüberfall hatten. Mancher Chamer könnte da seine Vorfahren wiederentdecken. Der weitere Verlauf des Buches verfolgt den Beutezug des Pandurencorps und die Verurteilung des Trenck und seine Festsetzung in Brünn. Im Kerker wird er einmal von Kathi Schwab besucht. Mit Folgen: denn sie gebar im Jahr danach einen Sohn.
Die Kathi eröffnete nach ihrer Rückkehr nach Cham ein Wirtshaus, wurde zunächst gemieden, später aber zu einer angesehenen Bürgerin. Im Anhang sind weitere wichtige Originaltexte zum Trenck und zur Kathi enthalten.
Ein besonderer Höhepunkt ist allerdings die MRT-Untersuchung der Mumie des Trenck,, die 2019 vom Museum in Brünn veranlasst wurde. Weil Schröpfer durch sein Wissen aufklären konnte, warum eine Gesichtshälfte Trencks schwarze Flecken hatte – er war bei einer Pulverexplosion schwer verletzt worden – durfte er die Untersuchungsergebnisse für sein Buch nutzen und wir erfahren viel über den Gesundheitszustand und das Aussehen Trencks.
Erste Bücher für die Kathis
Nach einem langen Beifall bat Schröpfer die beiden Kathi-Darstellerinnen, Sophia Hetzl und Vera Schmid, sowie den Trenckdarsteller Christian Liegl nach vorne. Sie waren die ersten, die ein Buch aus Schröpfers Hand erhielten. Und sie blätterten mit Begeisterung darin.
Das Buch ist jetzt in der Touristinfo, bei Leopold und bei Reitmeier, aber auch im Buchhandel erhältlich. Es kostet 28,90 Euro hat 292 Seiten und 100 Fotos.



