Warum der Holzberg vorm Heizwerk in Waldmünchen so groß ist wie noch nie

Von Martin Hladik · 19. Oktober 2024 um 19:00

Der Hackschnitzelberg vor dem Heizkraftwerk in Waldmünchen ist heuer größer als in anderen Jahren. Woran liegt das? Am anstehenden Politikerbesuch oder wird der Winter so heftig ? Der Vorsitzende der Waldbesitzer erklärt die wahren Hintergründe.

Den Witz kennt sicher jeder: Ein Trapper will wissen wie der Winter wird und fragt einen Indianer, der die Natur kennt. Der antwortet: heftig und hart. Der Trapper hackt also noch mehr Holz als schon vorher. Später sagt der Indianer: Der Winter wird noch viel härter. Und der Trapper hackt weiter Holz. Schließlich fragt der Trapper den Indianer, woher er das alles weiß und der Indianer antwortet: Weil der weiße Mann so viel Holz hackt.

10.000 Kubikmeter Hackschnitzel vor der Halle

Auf Waldmünchen bezogen würde das bedeuten, dass der Winter 2024/25 hier besonders hart werden muss: Denn vor dem Heizkraftwerk der Böhmerwaldwärme liegt ein gigantischer Haufen Hackschnitzel. Nicht nur die eigentliche Lagerhalle ist komplett voll, sondern vor der Halle liegt mindestens noch einmal die gleiche Menge an Hackschnitzeln und zwar so hoch wie das Hallendach.

Wir haben den Geschäftsführer der Waldbesitzervereinigung, Josef Liegl, gefragt, warum derzeit so viel Hackschnitzel beim Kraftwerk lagern. Wird der Winter so hart? Liegl lacht und sagt, dass der Hackschnitzelberg in und vor der Halle tatsächlich ein noch nie dagewesenes Ausmaß habe. Es seien etwa 10 000 Kubikmeter, die da vor der Halle liegen. „Damit kommen wir aber nicht durch den Winter“, sagt Liegl. Dafür brauche man weitere Zukäufe. Im Jahr würden in dem Hackschnitzel-Wärmekraftwerk in etwa 42 000 Kubikmeter verbraucht.

Trockene Hackschnitzel

Dass der Hackschnitzelberg jetzt so groß sei, habe mehrere Gründe. Da sei zum einen der Preis gewesen mit der Möglichkeit, entsprechende Mengen zu lagern. Ein anderer und der wesentliche Grund sei aber die Qualität der in den letzten Wintern angelieferten Hackschnitzel. Weil in unserer Region die letzten Winter relativ feucht gewesen seien, sei auch das angelieferte Material sehr feucht gewesen. Bei der jetzigen Lagerung werde nur die äußere Schicht des Hackschnitzelberges feucht, die inneren Hackschnitzel dagegen erwärmten sich und trockneten so von selbst. Liegl erhofft sich durch diese Lagerung besseres Material für das Heizkraftwerk. Er macht aber auch deutlich, dass alles vermieden werden muss, was zu einer Selbstentzündung der Hackschnitzel führt.

Eine gute Gelegenheit, aber sicher kein Grund für den großen Hackschnitzelhaufen ist, dass nächste Woche Landräte, Bürgermeister und Gemeinderäte aus der gesamten Oberpfalz zu einer Besichtigung des Biomasseheizkraftwerkes Waldmünchen und des Holzlagerplatzes Schönthal eingeladen sind. Einlader ist die Forstwirtschaftliche Vereinigung Oberpfalz, deren Vorsitzender wiederum Josef Liegl ist. Mit dem Hackschnitzelberg könne man zumindest zeigen, dass das Material nicht ausgeht und dass das Holz nicht weniger wird, sagt Liegl. Die Einladung nach Schönthal und Waldmünchen für die Politiker aus der Oberpfalz finde vor dem Hintergrund des Paktes Holzenergie Bayern und des Projektes WaKlimHo statt, erklärt Liegl, wobei WaKlimHo ein Kunstwort für Waldschutz, Klimaschutz und Moderne Holzenergie ist. Bei der Veranstaltung am nächsten Donnerstag wolle er das Potenzial der Holzenergie für die kommunale Wärmewende zeigen. Da sei es auch wichtig zu zeigen, dass es dauerhaft genug vom Rohstoff Holz gibt.

Ein weiteres Thema sei, dass der bewirtschaftete Wald den Klimawandel besser übersteht, als der nicht bewirtschaftete. Dabei bezieht sich Liegl auf eine Meldung, die in der vergangenen Woche nach der Bundeswaldinventur durch die Medien ging. Hier hieß es: Die deutschen Wälder produzierten wegen Schädlingen und Trockenheit mehr Kohlendioxid als sie aufnehmen würden. Liegl sieht darin eine „ideologiegetriebene Darstellung“. In einem bewirtschafteten Wald würde dieses geschädigte Holz einer Nutzung zugeführt. Nur in nicht genutzten Wäldern verrotte es einfach und erzeuge so CO2. Würde Holz verbrannt, erzeuge es auch CO2. Aber Öl und Gas sei zusätzlicher Kohlenstoff aus den Wäldern der Urzeit, Holz nicht.

Holz ist erneuerbare Energie

20 bis 25 Prozent des Schnittholzes in den Wäldern müsse wegen seiner Qualität direkt zur Energiegewinnung eingesetzt werden, argumentiert Liegl. Aus dem Rest des Holzes werden Bretter und Balken, die hoffentlich als Bauholz verwendet werden, weil hier der Kohlstoff lange gespeichert bleibe. Aber auch beim Sägeprozess fielen rund 40 Prozent Reststoffe an. Und auch das ginge beispielsweise in Pelletform in die Verbrennung.

Dabei könne Holz nie den gesamten Energiebedarf decken, aber immer einen wichtigen Anteil. „Holz ist eine erneuerbare Energie“, sagt Liegl.