Firmen durchleuchten Verkehr bei der Uni in Regensburg – Erstes Ergebnis: Hier parken viele tagelang gratis

Wie könnte der Verkehr am Galgenberg in Regensburg sicherer werden? Wo entstehen oft gefährliche Situationen? Welche Wege nutzen die Menschen an der Universität gerne? Antworten auf Fragen wie diese sollen Daten liefern, die in dieser Woche erhoben werden.
Dazu fährt ein Auto mit Kameras auf dem Dach das Gebiet am Galgenberg vier Tage und zwei Nächte im Zwei-Stunden-Takt ab und zählt gesichtete Autos. Weiterhin stehen im Bereich der Zentralen Omnibushaltestelle (ZOH) an der Universität drei Sensoren, die Bewegungen aller Verkehrsteilnehmer aufzeichnen.
Keine Ahndung möglich
Das alles soll unter Einhaltung des Datenschutzes geschehen. Falschparker und andere Verkehrssünder brauchen laut den Verantwortlichen zudem keine Sorge haben, dass eventuell entdeckte Vergehen an die Polizei weitergegeben werden.
Die Verantwortlichen sind die Beteiligten am R_Lab Mobilität, ein Erprobungsraum für Verkehrsplanung, -steuerung und -betriebe unter der Ägide des Clusters Mobility & Logistics mit Sitz in der TechBase. Während eines Pressetermins stellten sie die beiden Projekte gestern vor.
Enrico Engel, Geschäftsführer der Digitalwerk GmbH, erläuterte das Projekt „ReSense3D“. Drei Messstationen – eine im Rondell der ZOH, eine bei der Brücke über die Albertus-Magnus-Straße und eine an deren Kreuzung mit der Universitätsstraße – liefern Echtzeitdaten von Fußgängern, Fahrradfahrern oder Buspassagieren, die in diesem Bereich unterwegs sind. Daraus entsteht ein 3D-Modell, das Dr. Yang Ji, Geschäftsführer der NewSense Engineering GmbH, am Bildschirm eines Laptops zeigte. Zudem sollen Stadt, Uni und Stadtwerk testen, wie sie diese Daten für Entscheidungsprozesse nutzen können.
„Wir können damit beispielsweise sehen, zwischen welchen Buslinien die Passagiere wechseln“, sagte Engel. Das könne auch an anderen Standorten geschehen, was zur Folge haben könnte, dass die Verantwortlichen Erkenntnisse auf einer höher liegenden Ebene für ganz Regensburg gewinnen. „Wenn man den Verkehr zwischen Arnulfsplatz und Universität in den Blick nimmt, wird man das ganze System verstehen und lenken können“, verdeutlichte Engel.
Das Auto mit den Kameras auf dem Dach ist Teil des Porjekts „DARuV“. „Wir zählen Autos und ermitteln ihre Position zeitgenau im öffentlichen Straßenraum“, sagteAndreas Fleischmann, Geschäftsführer der DCX Innovations GmbH. Eine Frage, der er damit nachgehen kann, lautet: Wie sind die Parkplätze im Verlauf eines Tages ausgelastet? Seine erste Erkenntnis nach zwei Tagen Galgenbergtour: Die Nachtauslastung des Uni-Parkplatzes sei in der Nacht extrem hoch. Er werde von vielen Menschen als Dauerparkplatz genutzt, auf dem Autos lange stehen, erzählte Fleischmann. Handlungsempfehlungen aus Erkenntnissen wie diesen werde er nicht liefern. Das sei Sache der Entscheidungsträger.
Zudem kann Fleischmann mit den Fahrten herausfinden, inwiefern illegales Parken in diesem Bereich zu gefährlichen Verkehrssituationen führt. „Wir machen lediglich die Statistik und ahnden nicht“, versprach er. Denn er dürfe diese Daten lediglich deswegen erheben, weil sie noch von der Software auf der Rückbank des Autos in Echtzeit anonymisiert werden. Im europäischen Ausland, etwa in Polen, Paris oder Amsterdam, sei die digitale Ahndung aber sehr wohl erlaubt. „Und das wird auch gemacht“, sagte Fleischmann.
Wer die Daten nutzt
Philipp Berr, Leiter der Abteilung Wissenschaft, Technologie und Cluster im Amt Wirtschaft und Wissenschaft der Stadt, erklärte, dass mit diesen beiden Projekten „Ausprobierräume“ geschaffen werden. Alexander Rupprecht, Geschäftsführer der TechBase, sagte, dass die Messung an diesem verkehrsumtosten Punkt auch Erkenntnisse für andere Verkehrsknotenpunkte in Regensburg liefern könnte, wodurch sich die Bürger am Ende seltener in gefährlichen Verkehrssituationen wiederfinden könnten.
Dazu sollen die nun erhobenen Daten laut Anne Häner, Projektmanagerin des Clusters Mobility & Logistics, analysiert und zusammengeführt werden. Nutzen wollen sie etwa Mathis Broelmann, Gesamtprokurist beim Stadtwerk, um den Verkehr sicherer und effizienter gestalten zu können, oder Katrin Auernhammer, Klimaschutzmanagerin der Universität, die sich qualitätsvollere Daten zur Mobilität rund um den Campus wünscht als gerade zur Verfügung stehen.
R_Lab Mobilität
Ziel: Das Reallabor für urbane Mobilität am Galgenberg startete im Mai. Es ermöglicht, Anwendungen unter realen Bedingungen zu testen. So sollen Lösungen für Verkehrsprobleme gefunden werden.
Verortung: Die Koordination hat das Cluster Mobility & Logistics an der TechBase inne. Beteiligt sind auch die Stadt, das Stadtwerk sowie Unternehmen.
