Digitalisierung: Der Galgenberg wird zum Regensburger Testlabor

Von Marion Koller · 21. Mai 2024 um 19:45

Mit Berliner Millionen startet die Stadt ein Digitalisierungsprojekt – Daten helfen, den Verkehr zu entzerren.

Das schlaue Gerät ist überraschend klein. Ulrich Deml von der Regensburger AVL Software and Functions stellte die Sensorbox am Dienstag in der Tech Base vor. Damit werden in der Stadt bald Umweltdaten gesammelt: Stickoxidwerte, Temperatur, Feuchtigkeit, die Größe von Partikeln in der Luft und flüchtige organische Verbindungen, die dem Menschen gefährlich werden könnten. AVL hat die Umweltsensorbox entwickelt und stellt drei der Geräte der Stadt zur Verfügung. Bei der Tech Base, an der Auffahrt zur Nibelungenbrücke und an der D.-Martin-Luther-Straße werden sie an Straßenlampen aufgehängt.

„Wir wollen nicht nur Daten sammeln, sondern auch Lösungen ableiten“, sagte Ulrich Deml, Chef der Digitalisierung bei AVL. „Wir gehen Schritt für Schritt ins Projekt rein und lernen daraus.“

Wo sind die Leute unterwegs?

Das Projekt heißt R_Lab Mobilität. Es handelt sich um ein Reallabor für urbane Mobilität. Die Umweltsensorboxen sind die erste Anwendung.Der Hintergrund: Die gesammelten und bewerteten Daten können künftig für Verkehrskonzepte herangezogen werden. Franziska Meier, Smart-City-Koordinatorin der Stadt, sagte: „Wir hätten genauere Daten, um den Verkehr zu steuern, um ihn besser zu planen, für Passanten, Autos, Fahrradfahrer. Die Daten zeigen uns: Wo sind die Ströme unterwegs?“

Die Stadt Regensburg und ihre Töchter holen mit ihren innovativen Vorstößen immer wieder hohe Fördersummen nach Regensburg. Das ist auch mit dem Projekt Regensburg_Next gelungen, zu dem das R_Lab Mobilität gehört. Hier arbeiten die Stadt Regensburg, das Cluster Mobilität, das Stadtwerk und ansässige Unternehmen zusammen.

Alexander Rupprecht, Geschäftsführer der R-Tech, sagte bei der Pressekonferenz, Aufgabe der GmbH sei, Innovationen in der Region voranzutreiben. „Wir haben den Cluster Mobilität (Mobility and Logistics) auf regionaler Ebene aufgebaut.“ Fördermittel in Höhe von 35 Millionen Euro seien in den letzten zehn Jahren in die Region geflossen.

Toni Lautenschläger, Leiter des Amts für Wirtschaft und Wissenschaft, betonte: „Smart City ist ein absolutes Muss für eine Stadt wie Regensburg.“ Ohne das seien Themen wie Elektroenergie, Sensorik und Halbleiterproduktion nicht vorstellbar. Eine Smart City nutzt Digitalisierung, um effizienter, nachhaltiger und fortschrittlicher zu sein, also die Lebensqualität der Menschen zu verbessern. Die Datensammlung könne helfen, künftig eine noch höhere Schadstoffbelastung durch den Verkehr und Staus zu verhindern.

Franziska Meier sprach von großen Herausforderungen, „zum Beispiel die Mobilität, wo wir innovative Lösungen brauchen können“. Etwa bei den Pendlerströmen, beim Verkehrsfluss oder Parken. Das R_Lab Mobilität ist ein Experimentierfeld, um Technologien zu testen.

Das Projekt umfasst fünf Jahre. Bis Ende 2026 läuft die Umsetzungsphase. Es fließen 17,5 Millionen Euro vom Bundesministerium für Wohnen, Stadtentwicklung und Bauwesen nach Regensburg. Das Stadtwerk wird die Datenplattform des R_Lab Mobilität betreiben und die Daten für Carsharing und Busverkehr auch nutzen. „Wir wollen noch mehr datenbasierte Entscheidungen treffen – etwa bei Linienführung, Haltestellen und Ladestationen“, kündigte Mathis Broelmann an, Gesamtprokurist der Stadtwerk.Regensburg GmbH. Das Projekt ist datenschutzkonform. Wenn sich das erste Testfeld von der Universität bis zum Zentralen Busbahnhof etabliert habe, „können wir das auf die Stadt ausweiten“, sagte Broelmann.

Achim Przymusinski von AVL betrachtet das Vorhaben als wichtigen Meilenstein für künftige Datenplattformen. Es werde ermöglicht, unterschiedliche Datenquellen zusammenzuführen.

Mehr Unternehmen dabei

Weitere Unternehmen werden eigene Anwendungsfälle einbringen. Getestet werden laut Przymusinski Konzepte aus der Sensorik, der Übertragungstechnik und dem Verkehrsmanagement unter authentischen städtischen Bedingungen. Der Regensburger AVL-Chef Georg Schwab ergänzte: „Wir stehen weltweit im Wettbewerb und wollen bei der Digitalisierung vorne mitspielen.“

Die schlaue Stadt der Zukunft

Regensburg_Next: Mit diesem Projekt ist Regensburg als eine von 73 Kommunen Teil des größten bundesweiten Smart-City-Förderprogramms. Im Rahmen von R_Next starten das Cluster Mobilität, Stadt Regensburg, das Stadtwerk und Unternehmen das „R_Lab Mobilität“ – ein Reallabor für urbane Mobilität am Galgenberg. Das ermöglicht, Smart-City-Anwendungen unter echten Bedingungen zu testen.

Smart City: Der Begriff beschreibt kurz gesagt Ideen und Konzepte für Städte. Durch den Einsatz moderner Technologien und Innovationen sollen die Kommunen effizienter, nachhaltiger und damit lebenswerter werden. Infrastrukturen und Prozesse aus den Bereichen Energie, Mobilität, Information oder Kommunikation sollen intelligent und vernetzt zusammenwirken. Ziel ist eine höhere Lebensqualität.

„Wir können mit Daten herausfinden, wo heizt sich die Stadt besonders auf“, erklärt Franziska Meier, Smart-City-Koordinatorin.
„Das alles ist für die Bürger“, sagt Anne Häner, Projektmanagerin Cluster Mobility.