In Neustadt lebt die Tradition – Seit fast 60 Jahren findet der Martinszug statt

Der Heilige Martin ist eine der bekanntesten christlichen Persönlichkeiten. Vor allem Kinder lieben ihn. Die Kinder wissen, dass es am Gedenktag des heiligen Martin von Tours Süßigkeiten gibt. In Neustadt a.d. Donau ist der Martinszug seit fast 60 Jahren Tradition.
„Am 10. November 1965 fand der erste Martinszug in Neustadt statt“, sagt Wolfgang Godesar. Er muss es wissen. Er ist als kleiner Jungen selbst mit seiner Laterne mitmarschiert und sein Vater war der Organisator des Martinszuges. Den Brauch, der inzwischen zu einer festen Tradition geworden ist, hatte es vorher nicht in Neustadt a.d. Donau gegeben. Eingeführt wurde er von Hans Godesars, einem „Zugereisten“ und Vater von Wolfgang Godesar, der wie viele andere Neu-Neustädter aus dem Ruhrgebiet und vom Niederrhein hierher gezogen waren, nachdem hier die Erdölraffinerie entstand.
„Kein Eintags-Erfolg“
„Wir rechnen mit 800 Kindern und ihren Eltern beim Martinszug“, sagt Wolfgang Godesar. „Zum Teil sind schon 1000 Kinder samt Eltern bei dem Umzug auf den Beinen gewesen“, erinnert er sich. Dass heute immer noch „so um die 750 bis 800 Kinder“ dabei sind, findet er umso bemerkenswerter, weil inzwischen auch nahezu jeder Kindergarten einen eigenen Umzug macht. Godesar ist deshalb überzeugt, dass der Martinszug „längst kein Eintags-Erfolg mehr ist, sondern eine Erfolgsgeschichte“.
Der Martinszug ist auch zu einer Tradition geworden, weil Wolfgang Godesar das Vermächtnis seines Vaters angenommen hat. Inzwischen marschieren auch die Enkel des Organisators im Zug mit. Als Heiliger Martin reitet heuer wieder Eva-Maria Grundler aus Mühlhausen auf ihrem eigenen Pferd dem Zug voran, weshalb Wolfgang Godesar auch nicht von St. Martin, sondern von St. Martina spricht. Wer den Bettler spielt, steht noch nicht ganz fest. „Es wird voraussichtlich mein Schwiegersohn Andreas Schweiger sein“, sagt Wolfgang Godesar.
Der Martinszug ist damit ein Stück weit ein „Familienunternehmen“. Sogar ein eigenes St. Martins-Gewand gibt es bei den Godesars. Das ist einst extra für Kinder angefertigt worden. „Es liegt bei uns zuhause. Wenn es eines der Enkelkinder braucht, wird es hergenommen.“ Vor allem im Herbst kommen denn auch die Gespräche in der Familie auf den alten Brauch. Gerade hat sich Wolfgang Godesar deshalb auch wieder die Ordner mit den alten Fotos und Zeitungsartikeln über den Neustädter Umzug angesehen.
Es geht um Nächstenliebe
Dann freut es den Opa, wenn die Kinder fragen, wer denn auf den Fotos zu sehen ist und erklären kann, dass der kleine Junge in der ersten Reihe er selbst ist. Oder dass auf den Fotos auch der Uropa zu sehen ist, der den Martinszug einst „erfunden“ hat.
Die Idee von Hans Godesar ist in Neustadt a.d. Donau auf fruchtbaren Boden gestoßen. Sie verbindet einen der wichtigsten christlichen Grundsätze, nämlich den der Nächstenliebe, mit einem bleiben Erlebnis für die Kinder. Dazu gehört auch, dass am Ende des Umzuges ein Martinsfeuer auf dem Volksfestplatz entzündet wird und der Heilige seinen Mantel teilt.
Daran hat sich in all den Jahrzehnten nichts geändert. Und so wird der Martinszug wieder am 11. November um 18 Uhr an der Grundschule starten. Von dort geht es über die Bahnhofstraße und die Herzog-Ludwig-Straße zum Volksfestplatz und anschließend zum Kirchplatz, wo das Martinsweckerl verteilt wird.
Die werden übrigens in diesem Jahr von der Bäckerei Regner in Bad Gögging angefertigt und von der Stadt bezahlt. Für die Sicherheit beim Umzug sorgen die Feuerwehr und das BRK.

