Landrat Martin Neumeyer feiert einen runden Geburtstag – So ist er privat

Stadtrat, Kreisrat, Landtagsabgeordneter und dann Landrat: Aus der Politik im Landkreis Kelheim ist Martin Neumeyer nicht wegzudenken. Am Montag, 4. November, feiert er seinen 70. Geburtstag – und verrät, wer der Mensch hinter dem Landrat ist. Bei einer Frage hält er sich bedeckt.
Wenn es um sein Amt als Landrat geht, ist sich Martin Neumeyer ganz sicher. „Mir gefällt‘s“, sagt Neumeyer. Er liebt den Kontakt zu den Menschen. So wie kürzlich beim Herbstmarkt in Saal an der Donau. Der Landrat hat den Besuch genossen und nicht als Arbeit empfunden. Im Gegenteil. „Da waren ganz viele Leute, die auf mich zukamen und mit mir reden wollten. Das war eine ganz tolle Stimmung.“
Es sind Momente wie diese, in denen der Landrat ganz bei sich ist. Wichtig ist ihm dabei vor allem auch der Kontakt zu den sogenannten einfachen Menschen. „Ich freue mich, wenn die Leute zu mir kommen und mich fragen.“ Bisweilen klingeln sie sogar bei ihm daheim in Abensberg an der Haustür. „Derf i eana mal woas frag‘n?“ So gehen die Gespräche dann meist los. Was andere als Belästigung empfinden, sieht Neumeyer positiv: „Für mich ist das eine Auszeichnung.“
Lieber Treppe als Lift
Das Amt fordert den ganzen Mann. Sieben Tage pro Woche. „Ich bin fit und gesund“, sagt Martin Neumeyer. „Ich habe mich gerade erst untersuchen lassen.“ Er achte auf seine Gesundheit. Auch wenn er dafür nicht mehr so viel Zeit habe wie früher, als er noch regelmäßig gelaufen ist (bis zu zehn Kilometer) oder zum Judo (Otto Kneitinger aus Abensberg hatte ihn dazu gebracht) gegangen ist.
Heute hält sich Martin Neumeyer mit Tricks im Alltag fit. Ein Trick: Er nimmt die Treppe, auch wenn es einen Fahrstuhl gibt. Außerdem ist er Sauna-Gänger. „Ich liebe den Wechsel von Hitze und Kälte, dazu die Ruhe und Entspannung.“ Allerdings gibt es auch hier ein Aber. „Momentan geht es nicht, weil ich zu viele Termine habe.“ Außerdem ist er ja Chef einer 500 Mitarbeiter großen Behörde. Da bleibe selbst für Urlaub wenig Zeit. Manchmal leiste er sich jedoch einen ganz besonderen Luxus. Dann fährt er mal für zwei Tage ganz allein, ohne seine Frau, die Maxi, weg. Einfach so und vor allem nur, um seine Ruhe zu haben.
Landrat sein ist Arbeit. Sogar viel Arbeit. Viele Politiker sagen, man erlebe als Politiker Druck und Einsamkeit. Martin Neumeyer sagt, ihm macht‘s Freude. Selbst wenn er zum wiederholten Mal in einem Monat am Abend oder am Wochenende unterwegs ist. Es sind dabei eben jene Momente wie der Besuch beim Herbstmarkt in Saal an der Donau, aus denen er seine Kraft für den Job als Politiker schöpft. „Das gibt mir Motivation. Ich stelle fest, es ist keine Sekunde im Leben umsonst.“
Neumeyer hat noch weitere Tankstellen, an denen er auftankt. Lob helfe immer, gesteht er. Wichtig seien aber auch die Familie und die Gespräche mit Freunden. „Und wenn man was verwirklichen kann.“
Als Neumeyer 2003 in den Landtag einrückte, wurde er Berufspolitiker und dann auch noch Integrationsbeauftragter. „Da war ich der Prellbock.“ Das Landratsamt war eine weitere Steigerung. Im Kreistag gibt es – anders als über Jahrzehnte im Landtag – wechselnde Mehrheiten. Und manchmal läuft es dann eben nicht, wie man es sich wünscht, wie sich zuletzt bei der geplanten Fusion der Kreissparkasse Kelheim mit der Sparkasse Ingolstadt zeigte. Da braucht man Nehmer-Qualitäten, würde man im Boxsport sagen.
Drum ist dem Landrat das Privatleben wichtig. Da steht die Familie ganz oben, wobei die Zeit begrenzt ist. „Meine Frau hat das gewusst, als wir geheiratet haben“, sagt er. Und so freuen sich die Neumeyers, wenn sie mal gemeinsam ins Kino oder Konzert gehen. Und dann ist da noch die Liebe zum Theater. Im vorigen Jahr war Neumeyer bei der „Stadt der Seligen“ in Neustadt an der Donau auf der Bühne. Aktuell ist er mit dem Theatermix Abensberg zu erleben.
„Ich bin ein Vereinsmeier“, bekennt der Landrat. Und das aus Überzeugung, „denn da kannst du Dinge manchen, die niemand machen kann. Der Verein hat Sinn und Zweck. Das ist gesellschaftlich wichtig.“ Daneben sorge der Verein auch für Gespräche, Gedankenaustausch und Geselligkeit.
Gibt es den Landrat auch privat und ganz allein? „Es ist auch mal ein Nachmittag frei“, sagt der. Er lese gern – meist in der Nacht. Aktuell liest er ein Buch über Rhetorik. Kochbücher sind ihm, dem Feinschmecker und leidenschaftlichen Koch, ebenfalls eine wichtig Lektüre.
„Ganz privat“ geht es beim Landrat wohl nur zu, wenn er in besonders schweren Situationen steckt. „Ich kann mich selbst runterholen“, sagt er. Wichtig ist es ihm dann, nach Hause zu kommen. Seine Frau, die Maxi, kennt das. Es ist ein Ritual: Er erzählt und sie hört zu. Und Martin Neumeyer weiß sich gut aufgehoben: „Meine Frau hat viel Verständnis für die Politik.“ Eine Alternative ist der Glauben. „Ich bete“, sagt er. Bisweilen besucht er sogar das Grab der Heiligen Anna Schäffer in Mindelstetten.
Beim Frühstück ein „Süßer“
Und sonst? Beim Frühstück ist Martin Neumeyer ein „Süßer“. Wenn er dazu kommt, am Wochenende in Ruhe frühstücken zu können, gebe es für ihn nichts schöneres als ein Stück Mohnzopf mit Honig und Kaffee. „Das muss sein.“Und jetzt, in der bald beginnenden Vorweihnachtszeit, gehören Lebkuchen und Marzipan einfach zum Leben dazu.
Weihnachten selbst wird zum großen Fest. „Ich liebe Weihnachten“, bekennt Martin Neumeyer und lacht: „So richtig mit Tannenbaum und allem Kitsch.“ Auch eine grüne Gurke hängt am Baum. Wer die findet, darf als erster seine Geschenke auspacken. Wobei, sagt der Landrat, ihm selbst ginge es gar nicht um die Geschenke. Er liebe es, Menschen zu beschenken. „Das bedeutet, dass man für einen anderen denkt“, erklärt er. Weihnachten fängt beim Landrat übrigens schon recht früh an. „An Allerheiligen gibt es Weihnachtsmusik.“ Zu den Klassikern , die dann gespielt werden, gehöre „Last Christmas“.
Wer sich so auf Weihnachten freut, hat möglicherweise auch Wünsche. Steht vielleicht eine weitere Kandidatur für den Posten des Landrats auf dem Wunschzettel? Martin Neumeyer hält sich zurück. „Ich habe es für mich noch nicht ausgemacht“, sagt er.
Und so bleibt ihm vorerst sein Büro als Landrat in der nordwestlichen Ecke des Landratsamtes. Viel Licht fällt hier, im dritten Obergeschoss, von außen durch die großen Fenster. Weit geht der Blick in die Umgebung – die Altstadt von Kelheim, die Franziskanerkirche, die Befreiungshalle und die Donau sind zum Greifen nah.
Doch viel Zeit hat der Landrat für gewöhnlich nicht, um diese Aussicht zu genießen. Der Job ist ein „Knochenjob“ – 80 Stunden, außerdem Termine am Wochenende und oft erst spät abends zuhause.





