Route für Radweg nach Höhenberg birgt ein großes Problem: Welche Alternative verfolgen OB und CSU?

Mühsam kurbelt sich ein Radfahrer einen langen Berg hoch. Es ist das passende Bild für das Projekt eines Radwegs, der Neumarkt und Höhenberg miteinander verbinden soll. Seit Jahren wird diskutiert, geplant und 2022 schließlich eine Route beschlossen. Gebaut ist aber trotzdem noch kein Radweg. Nun nimmt das Projekt eine unerwartete Richtung.
Zur Erinnerung: Im Juli 2022 entschied der Stadtrat mit 21 zu 16 Stimmen, die Variante eines Radwegs entlang der Staatsstraße zu verfolgen. Mehr als zwei Jahre und einen Wechsel im Amt des Oberbürgermeisters später ist Neumarkt nur um die Erkenntnis des neuen OB Markus Ochsenkühn (CSU) weiter: Die beschlossene Variante wird sich zeitnah kaum umsetzen lassen. Die Stadt hat die notwendigen Grundstücke entlang der Straße nicht. Laut Rathaus beißt es sich bislang die Zähne an den Besitzern aus.
Für Ochsenkühn stellt sich daher die Frage: Sollen Ressourcen an Personal, Zeit und Geld investiert werden, um eine wenig aussichtsreiche Variante zu verfolgen? Oder sollte der Stadtrat nicht stattdessen den Beschluss aus 2022 zurücknehmen und die Verwaltung und Alternativen prüfen? Diese Frage stellte der OB dem Verkehrsausschuss des Stadtrats.
Stadträte sind sich einig, dass Höhenberg einen Radweg braucht
Bei den Stadträten warf das Gegenfragen auf. Allen voran jene: Was sollen die Alternativen sein, deretwegen man den bestehenden Beschluss fallen lässt? Darauf gab es keine konkrete Antwort in der Sitzung.
Stattdessen entwickelte sich eine Diskussion, in der sich im Grundsatz alle einige waren. Nämlich dass es vor dem Hintergrund der Verkehrswende und der gewachsenen Bevölkerung in dem Stadtteil einen Radweg nach Höhenberg braucht. Strittig ist hingegen, welchen Ausbaugrad der Radweg haben muss. Die einen wollen einen Radweg, den auch die schwächsten Radler fahren können. Andere sehen dem pragmatische Grenzen durch den Anstieg und die Kosten gesetzt, die es bräuchte, um den Radweg passend zu bauen.
Die 2022 beschlossene Variante veranschlagte eine Machbarkeitsstudie auf sechs Millionen Euro. Zwei Jahre sind seither vergangen mit generellen Kostensteigerungen. Zudem zeigten jüngste Beispiele wie der geplante Neubau der Schule Woffenbach, dass Machbarkeitsstudien bei den Kosten teils erheblich daneben liegen. Außerdem sei in der Kostenschätzung der Studie nicht der Grundstückserwerb enthalten, erklärte der OB. Allerdings gibt es ein Förderprogramm des Freistaats, das aber nur noch bis 2026 laufe.
Radweg soll laut OB Ochsenkühn auf jeden Fall für Höhenberg kommen
Aber auch mögliche Millionen vom Freistaat bringen wenig, wenn die Stadt die nötigen Grundstücke nicht kaufen kann. Er werde sich gerne weiter bemühen, erklärte Ochsenkühn, der aber nicht zuversichtlich klang. Für ihn ist die aktuelle Planung eine Sackgasse, die ohne große Aussicht auf Erfolg Ressourcen im Rathaus bindet und Zeit kostet. Ein Radweg für Höhenberg solle aber möglichst bald kommen, betonte der OB. In den Fokus rückt daher für ihn und die CSU-Fraktion eine Alternative.
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Die Machbarkeitsstudie hatte neun Varianten aufgelistet. Jene vier bis fünf, die ganz oder teilweise entlang der Straße verlaufen, dürften angesichts der Grundstücksprobleme raus sein. Das bestätigt auf Nachfrage Stadtrat Reinhard Brock, der in Höhenberg als Ansprechpartner der CSU für das Thema agiert. Eine Route auf städtischem Grund sei das Ziel. Jene, die die CSU in die Diskussion bringen möchte, baut laut Brock teilweise auf einer der verbleibenden Varianten der Studie auf. Mehr will Brock nicht dazu sagen.
Route würde über Sturmwiese durch den Wald führen
Klar ist damit aber, dass die Route auf Forstwegen durch den Wald führen würde. Das Problem: Dort wird es teils sehr steil. Manche Varianten in der Studie haben Abschnitte mit bis zu 20 Prozent und mehr.
Ins Auge sticht daher Variante neun. Sie führt durch den Wald und hat über längere Strecken Steigungen von mehr als fünf Prozent, allerdings bleibt sie unter zehn Prozent. Die 2,8 Kilometer lange Route führt über die Sturmwiese den Berg hinauf nach Osten, um nach einem Schlenker nahe der Sternwarte in die Straße Am Höhenberg zu münden. Mit geschätzten drei Millionen Euro wäre die Variante laut Studie deutlich günstiger. Allerdings gäbe es dann auch keine Fördergelder aus dem Programm für Radwege entlang von Staatsstraßen.
Was sagt Neumarkts Verkehrsreferent?
Aus Sicht von Brock und Ochsenkühn ist es ein pragmatischer Ansatz. Olaf Böttcher (Grüne) hält dagegen: „Wege zu bauen, die nicht jeder nutzen kann, ist nicht mehr zeitgemäß“. Genau das aber befürchtet der Verkehrsreferent. Zum einen wegen der Steilheit. Zum anderen, weil Kinder und Frauen einen Waldweg seiner Ansicht nach in dunklen Zeiten eher wenig nutzen werden.
Wie geht es nun weiter? Solange der Beschluss weiter bestehe, könne die Verwaltung keinen Alternativen nachgehen, sagt Ochsenkühn. Darüber müsste aber der Stadtrat entscheiden. Das könnte laut OB im Januar der Fall sein.
Fazit: Der Radweg für Höhenberg ist noch lange nicht über dem Berg.