Radweg in Richtung Höhenberg: Das Dilemma der Naturschützer

Eigentlich ist der Bau von Radwegen ganz im Sinne des Naturschutzes: Mehr Menschen lassen das Auto in der Garage und steigen auf das Fahrrad um. Doch was, wenn der Bau eines Fahrradwegs – wie im Fall von Höhenberg – einen massiven Eingriff in die Natur bedeuten würde? Neumarkts Naturschützer sind zwiegespalten.
Auch Alfons Greiner, der Vorsitzende der Ortsgruppe Neumarkt des Bund Naturschutz. „Natürlich sind alle Radwege grundsätzlich super.“ Im Fall von Höhenberg ist er aber überzeugt, dass der Radweg mehr schadet als er nutzt. Die Eingriffe in die Natur seien zu groß. Er befürchtet, dass neben der Staatsstraße eine „riesen Schneise“ in den Wald getrieben werde, weil der Platzbedarf für einen solchen Radweg immens sei. Der Freiraum zwischen den Bäumen würde sich fast verdoppeln.
Wie viel Wald dem Bau eines Radwegs an der Staatsstraße weichen müssten, ist nicht ganz klar. Bei den Beratungen des Stadtrats zum Thema war stets von etwa eineinhalb Hektar ausgegangen worden – was einer Große von ein bis zwei Fußballfeldern entspricht.
Neumarkts Verkehrsreferent: „Ein bisschen schräg“
Grünen-Stadtrat und Verkehrsreferent Olaf Böttcher hatte – trotz der Eingriffe in die Natur – einen Fahrradweg in Richtung Höhenberg stets befürwortet. Er wehrt sich dagegen, die Themen Naturschutz und Verkehrswende gegeneinander auszuspielen. Er erinnert daran, dass beim damaligen Ausbau der Staatsstraße nach Höhenberg der Naturschutz überhaupt keine Rolle gespielt habe. „Und jetzt, beim Ausbau des Radwegs, sollte das ein Problem sein? Das kommt schon ein bisschen schräg rüber“, sagt Böttcher. Vielmehr sei es ein großer Fehler gewesen, den Radweg beim damaligen Ausbau nicht gleich mitzumachen.
Er hätte sogar einer anderen, sehr viel kostenintensiveren Variante lieber den Zuschlag gegeben. Dabei hätte sich ein schneckenförmiges Bauwerk mit moderater Steigung durch den Wald zwischen Höhenberg im Tal und Höhenberg geschlängelt. Der Vorteil: Der Radverkehr wäre komplett von der Staatsstraße weg gewesen, Neumarkt wäre um ein touristisches Highlight reicher gewesen. Und die Bauweise hätte sich nicht merklich von dem unterschieden, was an der Staatsstraße nun verwirklich werde. Auch dort müssten wegen der Gefälle massive Aufständerungen gebaut werden, um einen Winterdienst auf dem Radweg zu ermöglichen.
Nur mit dem E-Bike befahrbar?
Jedoch hatten vor allem die Kosten von mehr als 12 Millionen Euro seine Stadtratskollegen dazu bewogen, anders abzustimmen. Mit einer Verwirklichung von Variante eins – dem Radweg an der Staatsstraße entlang – könne er aber leben, sagte Böttcher nochmals auf Nachfrage. Die Argumente gegen einen Radweg – dass dieser nur von wenigen Leuten genutzt würde oder dass das viele Geld an anderer Stelle besser angelegt wäre – will Böttcher nicht gelten lassen.
Doch genau so argumentiert Alfons Greiner vom Bund Naturschutz. Er glaubt nicht, dass der Radweg von so vielen Menschen genutzt werden würde. Denn der Weg sei seiner Ansicht nach nur für Menschen mit E-Bike zu befahren – damit würden von vornherein zahlreiche Kinder und Jugendliche von der Nutzung des Radwegs ausgeschlossen, die meist ohne Elektroantrieb unterwegs sind. „Und für nur fünf Leute, die da jeden Tag rauffahren, brauchen wir nix Neues – vor allem nicht für dieses Geld“, sagt Greiner.
Bund Naturschutz sieht keine Alternative
Ersten Schätzungen eines Planungsbüros zufolge könnte der Bau des Radwegs nach Höhenberg rund sechs Millionen Euro kosten – den Grunderwerb nicht mit eingerechnet. Auch von 6,8 Millionen Euro war im Zuge der Beratungen im Stadtrat schon die Rede gewesen. Laut Regierung könnte die Stadt Neumarkt mit Förderungen zwischen 50 und 80 Prozent der zuwendungsfähigen Kosten rechnen.
Einen besseren Alternativvorschlag zum Bau eines Radwegs hat Alfons Greiner vom Bund Naturschutz allerdings auch nicht, wie er einräumen muss. Denn die Radfahrer weiter auf der Staatsstraße fahren zu lassen, beurteilt er ebenso als gefährlich. Er könnte sich vorstellen, dass Radfahrer, die mit dem Fahrrad von Höhenberg im Tal nach Höhenberg fahren wollen, kostenlos mit dem Stadtbus mitgenommen werden könnten. Das allerdings könnte dann mit langen Wartezeiten verbunden sein: Denn die Stadtbusse in Richtung Höhenberg gehen nur alle 45 bis 60 Minuten.
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