Radweg nach Höhenberg: Teure Route entlang der Staatsstraße steht vor dem Aus

Von Peter Romir · 2. Mai 2024 um 15:00

Das Radfahren boomt in Neumarkt – sagt die aktuelle Mobilitäts-Analyse der Stadt. Geplant ist unter anderem ein Radweg nach Höhenberg. Weil die bereits beschlossene Route den Stadträten jetzt zu teuer ist, suchen sie nach Alternativen.

Dabei hatte der Stadtrat bereits 2022 beschlossen, einen Radweg entlang der Staatsstraße zu bauen. Das Projekt, das auf gut drei Kilometern satte 80Höhenmeter bewältigt, wurde aus insgesamt neun Entwürfen ausgewählt. Doch seit dem war es um die Sache still geworden. Im Verkehrsausschuss hakte UPW-Stadtrat Jakob Bierschneider deswegen bei Oberbürgermeister Markus Ochsenkühn nach.

„Die Pläne liegen auf meinem Schreibtisch“, sagte das Stadtoberhaupt. Die Grundstücksbesitzer, deren Flächen die Stadt erwerben müsste, um den Radweg zu bauen, seien angeschrieben worden – aber bisher hätte die Stadt hier keine positiven Rückmeldungen erhalten.

„Vielleicht sollte man daher noch einmal über Alternativen nachdenken“, sagt Stadtbaumeister Matthias Seemann. Auch in Anbetracht dessen, dass der Radweg mit geschätzten Kosten von sechs Millionen Euro „fast alles auffressen würde“, was die Stadt für den Radverkehr verplant hat.

Zuschuss vom Staat?

Bierschneider machte sich dennoch für die Idee stark: „Aktuell können wir mit 80 Prozent staatlichen Zuschüssen rechnen“, sagt er. „Wenn wir die nicht nehmen, schnappt sich eine andere Gemeinde das Geld.“ CSU-Stadtrat Richard Graf sieht das ganz anders: „Wir sollten nicht jedem Fördergeld hinterher hecheln“, sagt er. Letztlich seien es alles Kosten, die vom Steuerzahler getragen werden müssten. Oberbürgermeister Ochsenkühn, der sich bereits im Wahlkampf gegen die geplante Strecke ausgesprochen hatte, bekräftigte seine Position: Angesichts der Kosten und der fehlenden Zustimmung der Eigentümer sei ein erneuter Ortstermin sinnvoll: „Wir werden noch in diesem Jahr wieder nach Höhenberg gehen und uns das vor Ort ansehen.“

Prioritätenliste für den Radverkehr

Günther Stagat von der SPD und Olaf Böttcher von Bündnis 90/Die Grünen machten sich dafür stark, erst mal eine Prioritätenliste beim Radverkehr zu erstellen. Denn die Verbindung nach Höhenberg sei nicht die einzige aktuelle Baustelle der Stadt: Untersuchungen der pbconsult Nürnberg hätten ergeben, dass es insbesondere rund um die Altstadt noch zu viele gefährliche Punkte für Radler gebe: „Vor allem die Einfahrten in die Innenstadt, aber auch die Plätze vor den Realschulen sind Unfallschwerpunkte“, sagt Teamleiterin Franziska Groß. Auch das Pflaster in der Altstadt sei eine Gefahrenquelle.

Ihr Büro hat der Stadt einen Vorschlag für ein optimiertes Radwegkonzept unterbreitet, das die Gefahrenstellen entschärfen und eine Durchfahrbarkeit in alle Hauptrichtungen ermöglichen würde. Kostenpunkt: Etwa 8,6Millionen Euro.

Fahrradstadt Neumarkt

Trotz der Kosten stieß das Konzept im Verkehrssauschuss auf reges Interesse. Immerhin gilt Neumarkt aktuell als Stadt der Radler: Eine Untersuchung der Darmstädter R+T Verkehrsplanung hat ergeben, dass die Neumarkter bei Wegen innerhalb der Stadt zu 31 Prozent das Fahrrad nutzen – eine überdurchschnittlich hohe Zahl. „Das ist bei anderen Städten dieser Größenordnung nicht so“, sagt Tobias Franke von R+T. Gleichzeitig würde das vorhandene Streckennetz allerdings recht negativ bewertet. Laut den Planern liegt es vor allem daran, dass es durch Hauptverkehrsstraßen und den Kanal für Radler zu viele Hindernisse gibt, die nur an wenigen Punkten überwunden werden können.