Selbsttest: Wie kraftraubend ein Radweg nach Höhenberg entlang der Staatsstraße wäre

Von Nicole Selendt · 13. April 2023 um 05:00

Ich bin ein bisschen verschwitzt, mein Herz schlägt ungefähr 150 Mal die Minute. Doch es geht mir gut. Ich habe gerade getestet, ob eine durchschnittlich trainierte Radfahrerin wie ich den geplanten Radweg von Höhenberg im Tal nach Höhenberg schaffen kann. Ein Erfahrungsbericht.

Der Stadtrat von Neumarkt hat im Juli 2022 die Stadtverwaltung beauftragt, die Planungen eines Radwegs entlang der Staatsstraße voranzutreiben. Noch steht nicht fest, ob das Projekt umgesetzt werden kann – Grundstücksverhandlungen stehen noch aus (wir berichteten). Im laufenden Quartal sollen erste Vorgespräche mit Grundstückseigentümern stattfinden.

Die Steigung zu Anfang der rund drei Kilometer langen Strecke beginnt moderat. Mit meinem handelsüblichen Mountainbike mit Luftbereifung, 21-Gang-Schaltung und ohne Elektroantrieb fahre ich in einem mittleren Gang los. Ich halte mich weit rechts am Straßenrand. Ich habe ein wenig Respekt vor den vielen Autos, die mit hoher Geschwindigkeit an mir vorbeifahren – obwohl die allermeisten spürbar ihre Geschwindigkeit drosseln und in großem Abstand an mir vorbeifahren.

Höre ich hinter mir einen Lkw nahen, spannt sich mein ganzer Körper an. Denn jedes Mal, wenn einer von ihnen an mir vorbeigerauscht ist, spüre ich einen deutlichen Windstoß, der mich ein wenig aus dem Gleichgewicht bringt.

Zehn Minuten Fahrzeit

An der Brunnenhäusl-Kurve wird der Weg steiler. Ich lege einen kleineren Gang ein und radle weiter. Spätestens nach der Kurve bin ich bei meinem Belastungspuls von 140 bis 150 Herzschlägen pro Minute angelangt. Mit durchschnittlich 75 Pedalschlägen pro Minute fahre ich weiter. Das weiß ich so genau, weil ich diese Frequenz von meinem Trainingsgerät zu Hause gut kenne.

Mein Tempo ist nicht hoch. Mein Ziel ist es ja auch nicht, so schnell wie möglich in Höhenberg anzukommen. Und die Steigung bleibt während des restlichen Weges recht konstant. Sie bewegt sich meist zwischen fünf und zehn Prozent. Der Weg um die letzte Kurve zieht sich. Als ich oben an der Ortseinfahrt in Richtung Mariahilfberg ankomme, sind auf meiner Stoppuhr etwas mehr als zehn Minuten vergangen. Das ist schneller, als ich zuvor gedacht hatte. In der Machbarkeitsstudie, die als Entscheidungsgrundlage für den Stadtrat gedient hatte, war von einer durchschnittlichen Fahrzeit von 17 Minuten die Rede gewesen. Ich halte an, ziehe meine Softshelljacke aus und brauche eine weitere Minute, um wieder zu Atem zu kommen.

Staatsstraße zu gefährlich

In Neumarkt herrschten während meines Test etwa 15 Grad Celsius – nicht zu warm aber auch nicht zu kalt – und es ging kaum Wind. Diese Verhältnisse zu Grunde gelegt, wäre wohl eine Fahrt auf einem neuen Fahrradweg auf dieser Strecke gut zu bewältigen.

Aber was, wenn es im Sommer richtig heiß ist? Ich weiß ehrlicherweise nicht, ob ich den Radweg dann für meinen Weg in die Arbeit nutzen würde. Da würde ich sicher sehr viel mehr schwitzen. Fakt ist: Denjenigen, die regelmäßig mit dem Fahrrad – sei es nun mit elektronischer Hilfe oder ohne – zwischen Höhenberg im Tal und Höhenberg pendeln, ist dauerhaft das Fahren auf der Staatsstraße nicht zuzumuten. Das ist eindeutig zu gefährlich.