Wilhelm Koch widmet dem vermoosenden Panda von Regina und Eckhard Henscheid ein Pappbilderbuch

Der Panda von Regina und Eckhard Henscheid erlebt am Mittwoch sein halbes Stündchen Weltberühmtheit. Das Paar rollt bedächtig am Luftmuseum im beschaulichen Amberg vor, wo seinem Schnuckelauto ein kleines Fest bereitet wird.
Wilhelm Koch, bis Januar Teilhaber des Büro Wilhelm Verlags, hat dem Fiat seinen ersten Titel in Eigenregie als Künstler-Verleger gewidmet: Ein Pappbilderbuch, wie es Kinder mögen, von 26 Seiten, mit breit hingelegten Fotos und kurzen Texten. Das ist eine Idee von so charmanter Verrücktheit, dass bei der Präsentation viel Kunstvolk und sogar die FAZ vertreten sind.
Seit Jahren fällt der Blick von Wilhelm Koch auf den roten Panda, den das Schriftstellerpaar seit 1988 fährt. Das Modell ist fast ausgestorben. Der Amberger Veteran zählt zu den Letzten seiner Art und renaturiert sich allmählich. Regina Henscheid bemerkte erst kleine graue Punkte, die sich zu schönen Flechten auswuchsen, und beobachtet nun, wie sich auf dem Blech Pflanzen höherer Ordnung – Moose – ansiedeln. „Wir hoffen, es wird ein Garten“, sagt Eckhard Henscheid.
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Die Chancen stehen gar nicht schlecht. Der TÜV hat dem rollenden Biotop gerade für zwei Jahre seinen Segen gegeben und das Paar ist entschlossen, seinem Gefährten noch zehn, gern 20 Jahre die Treue zu halten. „Er fährt recht munter“, meint Eckhard Henscheid über die Kiste mit lächerlichen 34 PS, die bis zu 80 km/h schafft, „jedenfalls den Berg hinunter“. Die schüsselartig durchgesessen Sitze wurden ersetzt, ansonsten darf der Panda seine Eigenheiten pflegen. Kleinere Trotzanfälle nimmt das Paar hin. „Zwei Mal ist das Auto bei Ausflügen stehen geblieben. Wir waren ratlos, sind ein bisschen spazieren gegangen, dann fuhr es wieder“, sagt Regina Henscheid.
Überhaupt: Der alte Auto-Zwerg hat den jungen SUV-Riesen einige Vorzüge voraus. Die zwei Pfosten am Beginn einer engen Gasse etwa, mit denen die Stadt Amberg den Verkehr beruhigen will: Den Panda können sie nicht schrecken. Er kommt durch, auch wenn manchmal Kratzen und Knirschen zu hören ist.
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Das Buch ist so lässig und nebenhin entstanden, wie der Panda behandelt wird. „Das dauerte keine Stunde“, sagt Wilhelm Koch. Er fotografierte spontan und mit dem Handy, die Henscheids schüttelten dazu putzige Auto-Gedichte aus dem Ärmel. „Der Panda ist ja nicht nur Bär, sondern: Sehr viel mehr. In Amberg nämlich ein Singulär“, beschwört Eckhard Henscheid etwa das Göttliche im Automobil.
Der Panda, von seinem Designer Giorgetto Giugiaro als „Haushaltsgerät auf Rädern“ charakterisiert, war von Anfang an Rebell und wurde als Underdog beworben. Wertarbeit, billig produziert und in Kampagnen gepriesen als „Die tolle Kiste“ und „Das italienische Auto, das mehr Konservierungsmittel enthält als eine deutsche Currywurst“. Dass dieses Auto zu den Henscheids fand, hat etwas Zwangsläufiges. „Ausdruck einer nonkonformistischen und konsumkritischen Lebenshaltung“ nennt Wikipedia den Panda, eine Typenbeschreibung, die sich ohne Weiteres auf das Amberger Paar anwenden lässt. Eckhard Henscheid geht jeder Angepasstheit aus dem Weg und hat viele Ehrentitel angesammelt, als Sprach-Erneuerer aus der Neuen Frankfurter Schule, Autor von „pardon“ und „Titanic“, als „Klimbim- und Krawallschriftsteller“ und als steter Bekämpfer des „Dummdeutschen“.
Draußen steht am Mittwoch ein zweiter Uralt-Panda, peinlich sauber. Der von Henscheids wird nicht gewaschen. Nur jetzt ist ein Malheur passiert: Ein fürsorglicher Monteur entfernte die Flechten am Türgriff und warf die Gartenwerdung zurück. Im Buch sind noch alle Gewächse dran.
„Henscheids Panda“ von Regina & Eckhard Henscheid, limitierte Edition von 100 Stück, nur bei www.koch-studio.com/verlag
