Schauspieler Manuel Rubey im Interview: „Mit dem Simon möcht’ ich alt werden“

Von Marianne Sperb · 30. Oktober 2024 um 19:00

Auf der Bühne versuchen sich die beiden österreichischen Schauspieler Manuel Rubey und Simon Schwarz glücklos als Lokalbetreiber. Ihr Stück „Das Restaurant“ dagegen wird gerade ein sagenhafter Erfolg. Am 7. November (20 Uhr) gastieren die Charakterköpfe im Regensburger Audimax. Vorab spricht Manuel Rubey über beste Freunde, den heiklen Umgang mit Öffentlichkeit – und wie er selbst zu Restaurants steht.

Josef Hader sagt über Sie: hochinteressanter Schauspieler, der immer ein Geheimnis hat. Welches Geheimnis wär’ das?

Manuel Rubey: Ja, das darf ich natürlich nicht verraten, dann würde ich ja meinen Marktwert schmälern. Haders Lob freut mich jedenfalls wahnsinnig.

Noch ein Zitat: Sie transportieren in Ihrer glattpolierten Bubivisage immer auch die österreichische Dekadenz. Sind Sie der Brave oder der Dekadente?

Rubey: Die Grenzen sind fließend. Aber ich würde für mich in Anspruch nehmen ein bescheidener Zeitgenosse zu sein, weil ich es als großes Privileg empfinde, in den Rollen alles auszuleben, was man in sich trägt. Dafür kann ich im echten Leben eher zurückhaltend sein.

„Die Tiefe, die Mehrdimensionalität gehen verloren.“

Wobei Sie etwas hadern – soll jetzt kein Wortspiel sein – mit Ihrem Beruf. Sie sagen, Sie haben nicht mehr diesen Bock auf Öffentlichkeit, weil Reden so heikel ist, weil man alle Eventualitäten mitdenken muss.

Rubey: Alles wird immer verkürzter, es geht nur noch um Überschriften, das ganze Social-Media-Ding. Die Tiefe, die Mehrdimensionalität gehen verloren. Ich finde es anstrengend, alles immer auf die Waagschale legen zu müssen. Das soll kein Jammern sein. Ich habe nur den Gedanken geäußert, wenn ich heute nochmal anfangen würde, würde ich mir – vielleicht! – etwas anderes suchen. Aber das Spielen ist noch immer das Schönste, was ich mir vorstellen kann.

Trotzdem sind Sie sehr offen. Sie haben einen Podcast mit Simon Schwarz, in dem Sie beide ungeschminkt alles raushauen.

Rubey: Das stimmt. Die Ambivalenz der Dinge, da haben Sie’s. Der Podcast war gedacht als Begleitmaßnahme zum Kabarett-Programm. Ich musste den Simon ein bissl überzeugen, auf die Bühne zu gehen – dafür bin ich seinem Wunsch gefolgt, einen Podcast zu machen. Wir haben erst während des Tuns herausgefunden, was die Form sein soll. Das ist relativ offen und verletzlich, was wir da von uns geben. Gleichzeitig hab’ ich das Gefühl, die Menschen, die den Podcast ganz hören, sich auf die volle Stunde einlassen, können uns mit unserer ganzen Widersprüchlichkeit begreifen und deshalb können wir da inhaltlich auch sehr weit gehen.

„Simon ist wirklich mein engster Freund“

Sie mussten Simon Schwarz überreden zum Kabarett. Warum überhaupt Bühne? Sie sind sehr geschätzt, sehr gefragt und haben genug zu tun.

Rubey: Ja, aber je älter man wird, desto mehr geht’s um Lebenszeit und der Simon ist wirklich mein engster Freund, abgesehen davon, dass ich viele Menschen hab’, die ich mag oder sehr mag. Aber Simon sehe ich wenig, wir arbeiten beide viel, und dann muss man schlauerweise ein Projekt suchen, damit man sich regelmäßig sieht. Das geht voll auf. Seit eineinhalb Jahren sehen wir uns sechs Tage die Woche.

So eine Liebeserklärung! Die wäre Simon Schwarz wahrscheinlich peinlich, oder?

Rubey: Das wäre ihm wahnsinnig unangenehm! Aber das muss er aushalten.

Scheu zeigt sich Simon Schwarz auch im Stück. Sie machen da ein Restaurant auf, zwei Männer mit vier linken Händen, und das geht granatenmäßig in die Hose. Die Produktion dagegen ist auf der Erfolgspur, ständig ausverkauft. Kokettieren Sie mit dem Scheitern?

Rubey: Ich möchte nicht, dass es als Kokettieren ankommt. Es ist uns schon bewusst, dass wir Glückskinder sind und wir sehen auch mit Demut, dass sich Menschen eine Karte kaufen und kommen, das ist eine andere Nummer, als den Fernseher einzuschalten. Das macht mich wirklich dankbar. Dennoch finden wir: Das Alter macht die Dinge nicht unbedingt einfacher. Wir sind es gewohnt, mit Absagen umzugehen, aber am Ende bleibt eben: Das, was glückt, ist seltener als das, was nicht glückt. Das ist schwieriger zu verkraften als mit Mitte 20. Und das klingt hoffentlich nicht kokett, sondern einfach nach Erkenntnis.

Man meint, man zweifelt später weniger. Das Gegenteil ist der Fall: Je älter, desto zweifelnder.

Rubey: Ich bin 100 Prozent bei Ihnen. Man meint, man hat sein Handwerk verstanden, aber es kommen immer mehr Fragen dazu.

Was erlebt Ihr Publikum im Audimax?

Rubey: Formal ist es ein Stück, wir verzichten aber wie in der Kleinkunst auf Bühnenbild, Requisiten, Kostüme und bauen Stand-up-Elemente ein. Der Inhalt ist der Frage geschuldet: Was macht man mit 40, 50, wenn man nicht mehr gewollt wird oder nicht mehr kann? Da bleibt nicht viel. Herzchirurgen werden wir keine mehr. Die nahe liegende Idee: Wir eröffnen ein Wirtshaus, was natürlich zum Scheitern verurteilt ist.

Wer ist der Lustigere, wer der mehr Depperte im Stück?

Rubey: Im besten Fall wechselt das. Simon geht speziell an die Dinge heran. Er verweigert viele Mechanismen, die auf dem Gebiet Humor eigentlich gut funktionieren, und lebt das mit einer Radikalität, die ich bewundere.

Ein Pointenverächter, der genau damit die Pointen erzielt?

Rubey: Für Simon muss immer erst die Tragödie da sein, dann kann man den Humor suchen, nie umgekehrt. Generell: Wir versuchen, uns in allererster Linie über uns lustig zu machen.

Ich hab’ noch ’ne Frage auf der Pfanne, um im Bild zu bleiben: Wie halten Sie’s mit Restaurant-Besuchen?

Rubey: Wir gehen beide gern essen, wie es halt ist, wenn man fidel verspießert. Früher, in meiner Punkphase, lehnte ich das ab. Heute fasziniert’s mich, wenn jemand toll kocht.

Sie spielen 2025 in „Mama ist die Best(i)e“ mit Adele Neuhauser, das ist unsere Regensburger Theater-Heilige. Seit 25 Jahren verdrehen die Menschen begeistert die Augen, wenn ihr Name fällt. Wie ist die Arbeit mir ihr?

Rubey: Es ist meine dritte Produktion mit ihr. Ich mag sie sehr und es wundert mich nicht, dass Regensburg sie in so guter Erinnerung hat. Sie ist wahnsinnig professionell, immer top vorbereitet, freundlich. Im Frühjahr 2025 drehen wird auch einen Liebesfilm miteinander.

Ich will nochmal auf Simon Schwarz kommen. Warum ist er Ihr bester Freund?

Rubey: Es ist wahrscheinlich kindisch, wenn man mit Mitte 40 von einem besten Freund spricht. Ich hab’ drei bis fünf sehr enge Freunde, aber Simon ist der beste Freund. Wir lachen über die gleichen Dinge, wir sind auch in Vielem unterschiedlicher Meinung, aber vor allem gibt’s eine Verlässlichkeit, das Wissen: Der steht zu dir. Das gibt einem Zuversicht, mit den Wirrnissen des Lebens fertig zu werden. Ich möcht’ mit dem Simon alt werden.

Interview: Marianne Sperb