Begibt sich der Stadtrat in Waldmünchen für Eisbahn aufs Glatteis?

Von Martin Hladik · 4. November 2024 um 05:00

Der Klimawandel verändert vieles. Eislaufen im Winter ist in den 2020er Jahren eher auf wenige Tage im Jahr beschränkt, wenn es überhaupt möglich ist. Vor diesem Hintergrund wünscht sich eine Gruppierung, die sich „Aktive Bürger“ nennt, eine künstliche Schlittschuhbahn in Waldmünchen.

Verändert hat sich das Klima aber auch in der politischen Landschaft. Der Wunsch der „Aktiven Bürger Waldmünchens“ hat eine Vorgeschichte. Und die ist von tiefem Misstrauen dieser Gruppierung gegenüber der Stadtpolitik geprägt. Anfangs war die Gruppe vollkommen anonym aufgetreten. Dabei hatte sie mit Vorwürfen gegen das Stadtratsgremium und seine gewählten Mitglieder nicht gespart. Zunächst ging es dabei um die Beitragsbescheide zur Verbesserung der Wasserversorgung, deren Richtigkeit angezweifelt wurde. Eine genaue Benennung, was falsch sein sollte, ist allerdings bisher nicht bekannt. Auch hat man nichts mehr von einer möglichen Klage gegen die Bescheide gehört.

In weiteren Äußerungen der Gruppe klingt immer wieder ein massives Misstrauen gegen den Stadtrat und insbesondere gegen Bürgermeister Markus Ackermann durch. Vor diesem Hintergrund machte die Gruppe jetzt die Eingabe, der Stadtrat möge sich mit dem Wunsch nach einer Kunsteisbahn beschäftigen.

Politisch sicher schwierig

Der politische Wille dieses Vorhaben umzusetzen, dürfte bei vielen Stadträten und bei Bürgermeister Markus Ackermann sicher nicht groß sein, zumal die Gruppierung, die mittlerweile als nicht eingetragener Verein unter dem Vorsitz von Igor Otto Singer fungiert, bereits verlauten ließ, bei der nächsten Kommunalwahl eine eigene Liste zu gründen. Allerdings beruhen diese Angaben, lediglich auf Veröffentlichungen der Gruppe. Eine Anfrage unserer Zeitung um Rücksprache zum Thema Eisbahn blieb ohne Reaktion.

Bürgermeister Markus Ackermann hat auf unsere Rückfrage bestätigt, dass er das Thema als eigenen Beratungspunkt bei der nächsten Stadtratssitzung ansprechen wird. Weiter äußern will er sich vor der Stadtratssitzung nicht. „Ich will der Diskussion und der Entscheidung im Stadtrat nicht vorgreifen“, sagt er.

Solche künstlichen Eislaufbahnen gibt es in vielen Städten, allerdings ist uns keine im Landkreis Cham bekannt. Meist sind die Städte, die eine solche Eisbahn betreiben etwas größer als Waldmünchen. Eine künstliche Eisfläche in der Innenstadt leistet sich beispielsweise die Stadt Weiden (rund 43 000 Einwohner).

Die dortige Pressesprecherin der Stadt, Christina Geiger, teilt mit, dass die kleine Schlittschuhfläche im Rahmen des mehrwöchigen Weihnachtsmarktes um das Alte Rathaus insbesondere von Kindern rege genutzt werde. Allerdings gebe es in den sozialen Medien auch Kritik an der Eislauffläche. Dennoch komme die Eisbahn im Großen und Ganzen gut an. Kosten entstehen der Stadt Weiden dabei nicht, weil ein Schausteller des Marktes die Eislauffläche auch heuer stellt. Dafür darf der Schausteller auch die Eintrittspreise bestimmen. Die Stadt Weiden nehme keinen Einfluss auf die Höhe der Preise. Ein redaktioneller Hinweis sei erlaubt: Weiden hat auch ein großes Indoor-Eisstadion am Rande der Innenstadt.

Ihren Antrag auf eine Eislauffläche in Waldmünchen begründet die Gruppierung der aktiven Bürger mit einem Ersatz für den nicht mehr betriebenen Skilift bei Unterhütte. Die Gruppierung ist für die Beratung im Stadtrat in Vorleistung gegangen und hat ein Gespräch mit einem Anbieter geführt. Dessen unverbindliches Angebot zur dreimonatigen Miete und nicht zum Kauf einer Eislauffläche beläuft sich auf eine Größenordnung von 70 000 Euro.

Zum Vergleich: Der jährliche Zuschuss der Stadt zum Betrieb des Skilifts bewegte sich im Bereich von 20 000 Euro, sagte Ackermann vor einem Jahr. Aufgegeben wurde der Betrieb des Skilifts allerdings nicht wegen des jährlichen Defizits, sondern wegen der anstehenden Sanierung. Hier wären schon im ersten Schritt Kosten von bis zu 200 000 Euro angestanden. Das wollte sich der Stadtrat nicht mehr leisten und beendete den Liftbetrieb.

Am Dienstag wird sich der Stadtrat mit dem Thema Eislaufbahn beschäftigten. Er dürfte sich neben der politischen Thematik auch formal schwer damit tun. Denn der Wunsch der Bürger-Gruppierung ist ja die möglichst schnelle Umsetzung. Am besten noch heuer sollte die Eisbahn entstehen. 70 000 Euro zusätzlich und ungeplant unterzubringen und das auch noch bei etwas, das keine Pflichtaufgabe einer Stadt ist, das dürfte – vorsichtig formuliert – den Räten schwerfallen. Zumal es ein Vielfaches des bisherigen Defizits beim Skilift ist. Aber sehen wir, wie bei der Sitzung am Dienstag beraten wird.

Bleibt noch die Möglichkeit das Projekt in den Winter 25/26 zu verlegen und im März bei den Haushaltsberatungen der Stadt durchzuspielen. Dies wäre zumindest formal der üblichere Weg. Allerdings dürfte ein Finanzbrocken dieser Größenordnung unter den freiwilligen Leistungen immer noch schwer unterzubringen zu sein. Zum einen steht der Haushalt ja sozusagen unter Beobachtung, weil die Stadt Gelder aus dem Stabilisierungsfonds und anderen Strukturhilfen will, und damit genau darauf achten muss, wofür sie Geld ausgibt. Wichtiger dürfte aber die allgemein schlechte Entwicklung der kommunalen Haushalte werden. Zudem steht den Kommunen mit der neuen Pflichtaufgabe Ganztagesbetreuung ab 2026 ein dicker Brocken ins Haus, der die Ausweitung von freiwilligen Leistungen nicht nur in Waldmünchen schwermachen wird. Auch dazu ist ein Beratungspunkt bei der Stadtratssitzung geplant.

Den Wunsch gibt es schon

Allerdings, eine Eislauffläche wünschen sich Politiker in Waldmünchen nicht zum ersten Mal. Es wurde bei Versammlungen sogar schon vor Jahren darüber beraten, an Frosttagen mit Hilfe der Feuerwehr eine kleine Eisfläche in der Stadt zu schaffen. Weiter ging die Idee allerdings nicht.

Bleibt also abzuwarten, wie die Diskussion um die künstliche Eislauffläche am Dienstag im Stadtrat ausgeht. Um mit Mark Twain, Karl Valentin und anderen zu sprechen: „Prognosen sind schwierig, wenn sie die Zukunft betreffen!“