Firma Fibalon schützt mit Spezialfiltern Seepferdchen und die Neumarkter

Ein Mikrometer ist ein millionstel Meter – oder ein Mμ. Mikroplastik, das Seen, Flüsse und Meere verunreinigt, misst ebenfalls oft nur wenige Mμ. Die Neumarkter Firma Fibalon hat einen Filter entwickelt, der sie auffängt. So kann in Neumarkt Wasser aus der Kläranlage wieder zum Gießen verwendet werden. Das System kommt auch in Pools und bei der Zucht von Seepferdchen zum Einsatz.
Wie Wattebällchen sehen die grauen flauschigen Kugeln aus, die ein Netz umhüllt. Sie erinnern an die Ursprünge des Unternehmens, als es noch „Watte Richter“ hieß. Inzwischen führt Andreas Richter die 2012 gegründete Nachfolger-Firma Fibalon und seine beiden Söhne Maximilian und Fabian sind als jüngste Generation mit in der Verantwortung. Und mit der ursprünglichen Watte haben die Bällchen schon lange nichts mehr zu tun.
Wenn Fabian Richter von 3D-Tiefenfiltration spricht, erklärt er einen Filter, der drei Dimensionen hat. Im Gegensatz zu anderen Filtern, die wie ein Kaffeefilter nur in zwei Dimensionen wirken. Die grauen Bällchen haben einen so dichten Kern, dass viel mehr Partikel darin hängen bleiben, wenn sich Flüssigkeit ihren Weg hindurch sucht.
Umweltschutz soll einfach, aber effektiv sein
„Jedes Bällchen kann das 50-Fache seines eigenen Gewichts an Schmutz aufnehmen“, sagt Andreas Richter. Deshalb müssten die Filter nur in relativ langen Intervallen ausgetauscht werden. „Das ist gut für den Kunden, aber schlecht fürs Geschäft“, fügt der 58-Jährige lachend hinzu. Der Slogan für die Produkte laute „Simply Clear“, erklärt sein Sohn Fabian. „Das Produkt selbst ist denkbar einfach, reinigt und schützt die Umwelt.“
Als in der Coronazeit viele Menschen mit Garten sich einen Pool anschafften, fanden diese Filter reißenden Absatz. Doch auch in Heizsystemen tun sie ihre Arbeit: Wenn Luft in das System eindringt, korrodieren die Leitungen, Engstellen verschlammen und verstopfen. Dann funktioniert beispielsweise die Fußbodenheizung nicht mehr überall.
In dänischen Fernwärmenetzen kommen die Bällchen aus demselben Grund zum Einsatz. „Früher mussten die Betreiber die alten Filter alle zwei Wochen austauschen und die Leitungen spülen – seit wir unser Projekt vor zwei Jahren gestartet haben, mussten unsere Filter noch nie ausgetauscht werden“, sagt Fabian Richter nicht ohne Stolz.
Inzwischen haben die Richters Anfragen aus der ganzen Welt. Ihre Kunden sitzen in 52 Ländern. Oft tragen sie Fibalon ein Problem vor und bitten darum, eine Lösung dafür zu entwickeln. So kam es zu einem Pilotprojekt in Südkorea: in der Zucht von Seepferdchen. Sie werden in Asien unter anderem für traditionelle Heilmittel verwendet.
Seepferdchen überleben Dank Neumarkter Technologie
Jedoch sind die Tiere sehr empfindlich und überleben nur bei sehr guter Wasserqualität. „In der Zucht sind üblicherweise etwa 40 Prozent der Tiere an Parasiten gestorben“, erzählt Max Richter. In Zusammenarbeit mit einem einheimischen Forscher für Aquakultur seien im Pöllinger Gewerbegebiet Im Zwiesel die Filter so weiterentwickelt worden, dass sie das verschmutzte Meerwasser so reinigen, dass die Sterblichkeitsrate der Seepferdchen deutlich gesunken sei.
„Im Vergleich zu den Partikeln, mit denen wir es sonst zu tun haben, sind Haare fast Gesteinsbrocken.“ Maximilian Richter
Und auch im Lotte World Aquarium in Südkoreas Hauptstadt Seoul, eigenen Angaben zu Folge eines der weltweit größten Aquarien für Meeresökologie, kommt Hightech made in Neumarkt zum Einsatz: Die Haare der Seelöwen verstopften die Filter des riesigen Wasserbeckens. „Im Vergleich zu den Partikeln, mit denen wir es sonst zu tun haben, sind Haare fast Gesteinsbrocken“, sagt der 29-Jährige. Die Herausforderung in diesem Fall war eine andere: „Das Aquarium fasst rund 30 000 Kubikmeter Wasser. Zum Vergleich: Das Neumarkter Schwimmerbecken misst etwa 3000 Kubikmeter.“
Wasser der Kläranlage Neumarkt hat höchste Güteklasse
Weniger spektakulär, dafür aber umso bedeutender für alle Neumarkter ist ein Projekt, das die Richters zusammen mit der Stadt in Angriff genommen haben: In der Kläranlage am Berliner Ring sorgen die Filter-Kugeln nämlich dafür, dass das Wasser am Ende des Reinigungsprozesses eine Güteklasse A aufweist – die beste Güteklasse für wiederaufbereitetes Wasser. Das liegt seit drei Wochen schwarz auf weiß vor. Ein wichtiger Partner dafür war Wolfgang Günthert, Professor für Siedlungswasserwirtschaft und Abfall sowie Vorsitzender des Deutschen Expertenrats für Umwelttechnologie und Infrastruktur.
Das bedeutet: Das geklärte Wasser aus der Neumarkter Kläranlage ist frei von Mikroplastik, wenn es in die Schwarzach geleitet wird und auf diesem Weg weiter in die Flüsse und das Meer fließt. Außerdem kann die Stadt nun das Wasser mit UV-Licht behandeln und so auch Keime abtöten, erläutert Andreas Richter.
Damit wäre das Wasser geeignet, öffentliche Grünflächen zu gießen. Seit 2020 hatte die Stadt kein geklärtes Wasser mehr dafür verwendet, weil man fürchtete, über das Gießwasser könnten sich Keime ausbreiten. Deshalb griff man auf Trinkwasser und Brunnenwasser zurück. Das wäre jetzt nicht mehr nötig – und die Stadt könnte jedes Jahr rund 4000 Kubikmeter wertvolles Trinkwasser sparen.
Und noch in einem zweiten innovativen Projekt ist die Stadt Neumarkt Partner von Fibalon: Seit April dieses Jahres sind die Schlammeimer von 250 Gullis in sieben Neumarkter Straßen ebenfalls mit den Filterbällchen gefüllt. Sie sollen nicht nur Zigarettenstummel, Blätter und sonstigen Müll auffangen, sondern vor allem den Gummiabrieb der Autoreifen.
Das meiste Mikroplastik stammt vom Autoverkehr
„80 Prozent des Mikroplastiks in öffentlichen Gewässern wird durch den Regen von den Straßen geschwemmt“, weiß Fabian Richter. „Früher hat man gesagt, Oberflächenwasser ist Regenwasser – aber das ist Quatsch“, ergänzt sein Vater.
Um möglichst breite Erkenntnisse zu erlangen, wurden viel befahrene Abschnitte wie die Nürnberger oder die Holzheimer Hauptstraße ausgewählt, aber auch Anliegerstraßen. „In der Marktstraße kann man ganz genau sehen, bis zu welchem Gulli die Autos fahren dürfen“, nennt Andreas Richter eine Erkenntnis. Eine zweite ist, dass die Filter auch für Starkregen geeignet sind. Sind die Eimer voll, werden Filter samt Inhalt verbrannt.
Vorteil des Neumarkter Familienbetriebs: Fibalon ist flexibel
Filter für die Schlammeimer habe es bisher schon gegeben, weiß Andreas Richter, der in der Firma der Produktentwickler ist. „Aber die haben bis zu 800 Euro gekostet.“ Bei rund 4000 Eimern in Neumarkt ein enormer Kostenfaktor. „Umweltschutz kostet Geld. Aber wir wollen günstigen und effektiven Umweltschutz bieten.“
Zwar gebe es eine staatliche Vorgabe, das Oberflächenwasser je nach Art und Nutzung der Fläche zu reinigen – jedoch seien viele Kommunen für das Thema noch nicht sensibilisiert, sagt Fabian Richter.
„Wir können neue Produkte ohne großen Aufwand schnell testen.“ Fabian Richter
Die Themen Nachhaltigkeit und Umweltschutz nehmen die Richters auch für ihre Produkte ernst: Für die Filter aus Polymerfasern werden recycelte PET-Flaschen verwendet. Diese würden zu 92 Prozent wiederverwertet. Und das Material sei biologisch abbaubar, falls sich Teile davon ablösten, unterstreicht Max Richter.
Ein nächstes Ziel der Familie ist es, noch mehr Gemeinden von ihrem Produkt zu überzeugen. Und möglichst auch noch Rückstände von Medikamenten herauszufiltern. Das sei der Vorteil ihrer kleinen Firma mit rund 30 Mitarbeitern, erklärt Fabian Richter: „Wir können neue Produkte ohne großen Aufwand schnell testen.“


