Kein Spaß: Tauchen im Klärbecken – Spezialfirma reinigt Kläranlage

Es ist einigermaßen ungewöhnlich, in einem Klärbecken auf Tauchgang zu gehen. Doch genau diese Aktion fand vergangene Woche in der Kläranlage in Hollerstetten statt. Ein Arbeitseinsatz, der höchste Konzentration, erforderte. Wir waren live dabei.
Unser Medienhaus war dabei, als David Matano in kompletter Montur, mit undurchlässigem Tauchanzug und Helm in das Klärbecken stieg, um dessen Boden mit einem Saugschlauch von Schmutz zu befreien.
„Es müssen die Plattenbelüfter im Belebungsbecken ausgewechselt werden“, erklärte Abwassermeister Alois Götz. Roman Marchenko von der Spezialfirma für Tauch- und Atemschutzarbeiten ist dafür mit dem Taucher Matano über Sprechfunk in Verbindung. Zeitgleich kümmert sich ein weiterer Mitarbeiter darum, dass der aufgesaugte Schlamm über ein Vakkuumpressfahrzeug in benachbarte Klärschlammbecken gepumpt wird, für die Zwischenlagerung.
Plattenbelüfter müssen getauscht werden
Velburgs Bürgermeister Christian Schmid informiert vor Ort, dass man sich durch die Taucharbeiten das komplette Trockenlegen des Beckens spare und somit viel Zeit und Kosten. Die zu tauschenden Plattenbelüfter seien nach 20 Jahren in die Jahre gekommen und gewährleisteten keine effiziente und fehlerfreie Funktionsweise mehr, was anhand der steigenden Ernergiekosten erkennbar wurde.
Tauchen in kompletter Dunkelheit
„Die Tauchgänge selbst finden in kompletter Dunkelheit statt“, erklärt Marchenko. Das Abwasser sei hochgradig bakteriell kontaminiert und daher nur mit einem geschlossenen System zu betauchen. „Die absolute Dichtigkeit des Taucheranzuges und des Helmes sind überlebensnotwendig“, betont er.
50 Kilogramm wiege die schwere Ausrüstung. „Der geschlossene Anzug wird über ein Schlauchpaket mit vier Leitungen von dem Serviceteam außerhalb des Faulturms mit Luft versorgt“, so Marchenko. Mit Free-Flow werde Atemluft in den Anzug geblasen. „Diese strömt auch in den Helm ein, sodass der Taucher hier auch wie beim klassischen Helmtauchen ohne Atemregler atmen kann.“ Über Ventile werde der Flow und die Luftmenge reguliert.
Dringend nötige Abkühlung
„Über ein integriertes Telefon sind Dialoge zwischen Serviceteam und Taucher möglich“, erklärt Marchenko. Die in den Anzug eingeblasene Luft kühlt den Taucher nach Angaben des Experten auch ein wenig ab, denn schon nach wenigen Minuten werden die 37 Grad Umgebungstemperatur alles andere als spaßig.
Ein kleiner, knapp eineinhalb Meter langer Schlauch sorgt gelegentlich für Abkühlung, wenn der Taucher über das sogenannte Pneumoventil einen Kaltwasserstrahl von außen auf seine Brust oder die Hände richten kann, der zumindest vorübergehend für leichte Abkühlung sorgt.
„Es ist immer warm und wir müssen nie in eisigen Gewässern oder im kalten Milieu tauchen. Wir haben ein ruhiges, konstantes Medium und wir tauchen nur in einem klar abgegrenzten Raum“, erläutert Marchenko.
Fünf Meter geht es in die Tiefe
Abwassermeister Götz ergänzt, dass es in dem 1520 Kubikmeter großen Becken fünf Meter in die Tiefe gehe. 1993 wurde das Belebungsbecken gebaut und 2005 erweitert. Mit dem Tauchunternehmen, sowie dem Team Helmut Fritz und Robert Wagner stehe man in guter Zusammenarbeit.
Dieses Lob gibt auch das Stadtoberhaupt an sein Klärwärterteam weiter, das sich im Vorfeld schon mit der Arbeitsweise auseinandergesetzt hatte und sich dementsprechend vorbereiten konnte.
