Velburg trauert um Altbürgermeister Bernhard Kraus – Füracker: „Er war einfach ein feiner Kerl“

Von Wolfgang Schön, Markus Rath · 16. August 2024 um 17:16

Ein Herzinfarkt hat Velburgs Altbürgermeister Bernhard Kraus überraschend aus dem Leben gerissen. Die Stadt trauert mit Ehefrau Elisabeth, Sohn Fabian und vielen Weggefährten um den verdienten Kommunalpolitiker. „Unfassbar“ und „Das kann doch gar nicht sein“ waren die ersten Reaktionen, als die Nachricht am Mittwoch in den Nachmittagsstunden in Velburg bekannt wurde.

Neue Heimat: Für den gebürtigen Parsberger wurde Velburg durch seine Ehe zur Heimat, der er sich stets verbunden fühlte und über mehr als drei Jahrzehnte hinweg seine ganze Schaffenskraft widmete. Seine enge Verbundenheit zur Umwelt und Natur waren wohl ausschlaggebend dafür, dass er zunächst in den 1990er Jahren den Vorsitz im örtlichen Obst- und Gartenbauverein übernahm.

n Gymnasiallehrer: Beruflich war Bernhard Kraus nach seiner Schul- und Studienzeit zunächst in München und dann am Ostendorfer Gymnasium in Neumarkt als Lehrer tätig und hinterließ Spuren. So schreibt seine ehemalige Schülerin Martina Walk zu seinem Tod: „Vor zwei Wochen haben wir noch lachend und scherzend die Kreistagssitzung verlassen. Er hat den Bericht des Rechnungsprüfungsausschusses vorgetragen. Leidenschaftlich, exakt, kompetent, mit einer beeindruckenden Redegeschwindigkeit wie in seinen Dreißigern und sehr humorvoll.“ Der ganze Vortrag sei für einen politischen Menschen ein Genuss gewesen. Walk: „Als ich am Ostendorfer zur Schule ging, war er mein Lehrer. So einer, wie ihn sich jeder Schüler wünschen würde – nie langweilig, kompetent, um keine Antwort verlegen.“

Kommunalpolitik: 1990 wählten die Velburger Bernhard Kraus in den Stadtrat, wo die CSU ihn gleich zum Fraktionssprecher machte, und er auch den Vorsitz im Rechnungsprüfungsausschuss innehatte. Als Xaver Mederer im Jahr 1996 nicht mehr für eine weitere Kandidatur als Bürgermeister antrat, wurde Bernhard Kraus als CSU-Kandidat nominiert. Er gewann die Wahl mit überwältigender Mehrheit. 24 Jahre, von Mai 1996 bis zum April 2020, hatte Bernhard Kraus das Bürgermeisteramt in Velburg inne. Der Aufgabe des Rathauschefs verschrieb er sich mit voller Überzeugung und Hingabe. Auch dem Kreistag des Landkreises Neumarkt gehörte Bernhard Kraus an und war zudem Vertreter der Bürgermeister aus dem Kreis im Bayerischen Gemeindetag.

Die Liste der Projekte, die in sein langes kommunalpolitisches Wirken für die Stadt fallen, ist lang. Sie beginnt mit ausgewiesenen Bau- und Gewerbegebieten und dem Ausbau der gemeindlichen Abwasserentsorgung mit dem Anschluss des Bereiches „Labertal II“. Sie geht weiter mit der Generalsanierung der Grund- und Mittelschule Velburg und der städtischen Kindertagesstätte Rappelkiste. Auf der Liste finden sich auch die Nahwärmeversorgung und der neu gestaltete Hintere Markt sowie die Burgstraße in Velburg und verschiedene Ortsteile. Nicht vergessen werden darf das Velburger Ärztehaus und zuletzt das Velburger Kulturzentrum Wieserstadl. Es sind nur einige Leuchtturmprojekte, die zu nennen sind. Bernhard Kraus sei ein „Visionär“ und ein „Leader“, ein „Glücksfall für die Stadtgemeinde Velburg“ gewesen, sagen langjährige kommunalpolitische Wegbegleiter.

Als er 2020 mit 68 Jahren in den Ruhestand ging, machte er sich schon wenige Monate danach daran, den von Altbürgermeister Ottfried Schmidt geschaffenen Bestand des Velburger Stadtarchivs zu sichten und zu digitalisieren. Seinen letzten öffentlichen Auftritt hatte Bernhard Kraus, als er vor zwei Wochen die Ausstellung zum 40. Velburger Bürgerfest „Truppenübungsplatz Hohenfels“ eröffnete und die Niederschriften des Zeitzeugen Anton Gloßner vortrug. Die Stadt Velburg würdigte die Verdienste von Kraus im vergangenen Jahr. Der Gemeinderat verlieh ihm einstimmig die Bürgermedaille in Gold und erkannte ihm zudem den Ehrentitel „Altbürgermeister“ zu.

Mentor und Stütze: „Ich kann es auch heute noch nicht realisieren“, sagt der Nachfolger von Kraus, Bürgermeister Christian Schmid. Er verliere mit Kraus seinen Mentor und eine Stütze, von der er immer wusste, sie ist da. Schmid: „Mir fehlt er als Freund und Vertrauter, der immer greifbar war, ohne sich je ins Tagesgeschäft einzumischen.“ Kraus habe sich mit „soldatenhafter Tugend“ seiner Aufgabe als Stadtarchivar gewidmet und wie schon zuvor als Bürgermeister das Beste für Velburg dabei herausgeholt. Denn Kraus habe den Slogan „Verliebt in Velburg“ nicht einfach erfunden, sondern tagtäglich gelebt. Dabei habe er immer das große Ganze im Auge gehabt und alle Bereiche abgedeckt. Schmid: „Besonders bemerkenswert war sein scharfsinniger, schwarzer, britischer Humor. Wir haben so viel miteinander gelacht.“

„Er war einfach ein feiner Kerl“, sagt der bayerische Staatsminister der Finanzen und für Heimat, Albert Füracker, über Bernhard Kraus. Der sei nicht nur ein politischer Weggefährte, sondern ein politischer Freund gewesen. Deshalb treffe ihn persönlich der plötzliche Tod sehr. „Ich habe ihn bewundert. Er hat Velburg in seiner sehr schwierigen Phase übernommen“, erinnert sich Füracker.

Die Stadt sei hoch verschuldet gewesen, Kraus habe immer den Blick für das Ganze gehabt und Velburg damit nach vorne gebracht. Füracker: „Er war ein erfolgreicher Bürgermeister, der Spuren hinterlassen hat.“ Bestes Beispiel sei der Wieserstadl, dessen Sanierung – gegen viele Widerstände – allein sein Verdienst sei.

Mitstreiter für den ländlichen Raum: „Mit dem Tod von Bernhard Kraus verlieren wir eine herausragend engagierte Persönlichkeit, die sich enorm für die Entwicklung unseres Landkreises und des ländlichen Raumes verdient gemacht hat“, schreibt Landrat Willibald Gailler tief betroffen.

Kraus sei nicht nur 24 Jahre lang ein äußerst engagierter und versierter Bürgermeister und langjähriger Vorsitzender des Bayerischen Gemeindetages, Kreisverband Neumarkt, gewesen, sondern seit 2002 auch im Kreistag ein äußerst aktiver Mitstreiter für den ländlichen Raum.

So habe er sich von 2002 bis 2014 als Mitglied des Kreisausschusses und zusätzlich von 2008 bis 2014 im Gesellschafts-, Kultur- und Sportausschuss um die positive Entwicklung des Landkreises verdient gemacht. Seit 2014 leistete er laut Gailler als sehr engagierter Vorsitzender des Rechnungsprüfungsausschusses einen wertvollen Beitrag dazu, dass der Landkreis auf einer sehr wirtschaftlichen und soliden finanziellen Basis arbeiten kann.

Auch bei der Gründung der Regina GmbH vor 27 Jahren habe er seine Expertise erfolgreich eingebracht. Besonders große Verdienste habe er sich ebenso bei der Gründung des Umweltbildungszentrums des Landkreises „Haus am Habsberg“ erworben.

Auch Alois Scherer meldet sich als ehemaliger Bürgermeisterkollege und Fraktionsvorsitzender der CSU im Neumarkter Kreistag zu Wort und lobt Kraus. „Ich verneige mich im Namen aller Fraktionsmitglieder vor der großen Lebensleistung von Bernhard Kraus. Durch sein engagiertes Tun hat er wesentlich zum Erfolg und Wohlstand in unserem Landkreis beigetragen“, teilt Scherer mit.

Nachbar und Ratgeber: Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer reagiert tieftraurig auf die Todes-Nachricht. „Ich hätte ihm gewünscht, dass er seinen Ruhestand noch viel länger genießen kann. Er hätte es angesichts seiner Leistung verdient gehabt“, sagt er. Er selbst habe in seiner Anfangszeit oft nach Velburg geschaut und auch den Kontakt gesucht. Kraus habe ihn in seiner offenen und kollegialen Art oft weitergeholfen. Wie alle anderen politischen Weggefährten richtet Bauer auch den Blick auf die Familie und spricht Ehefrau Elisabeth und dem Sohn Fabian tiefstes Mitgefühl aus.

Trauerfeierlichkeiten

Beisetzung: Altbürgermeister Bernhard Kraus wird am 9. September um 16 Uhr auf dem Friedhof in Velburg beigesetzt.

Kondulenzbuch: Die Stadt legt am Mittwoch, 21. August, von 16 bis 18 Uhr und am 9. September von 14 bis 15.45 Uhr sowie nach der Beisetzung im Wieserstadl ein Kondulenzbuch aus. Der Eintrag ist außerdem zu den regulären Öffnungszeiten im Rathaus möglich.

Eintrag ins Goldene Buch: Velburg ernannte Kraus zum Altbürgermeister und verlieh ihm die Bürgermedaille in Gold. Foto: Jürgen Schlegel
Drei Bürgermeister: Kraus (rechts) mit Altbürgermeister Ottfried Schmidt und Bürgermeister Christian Schmid (links). Foto: Wolfgang Schön
Stimmabgabe: 2014 trat Kraus letztmals zur Bürgermeisterwahl an. Foto: Werner Sturm
2009 machte sich Kraus – hier mit Schwester Maria Regis – mit auf den Pilgerweg einer Fußwallfahrt nach Altötting, um für den Erhalt der Velburger Schwesternstation einzutreten. Foto: Wolfgang Schön
Seit 2020 kümmerte sich Kraus mit sehr viel Einsatz um das Stadtarchiv. Foto: Wolfgang Schön