Nach sechs Jahren Lärm und Stau: Die A3 bei Regensburg ist offiziell fertig

Von Daniel Pfeifer · 29. Oktober 2024 um 05:00

Sechs Jahre hat es gedauert und vielen Pendlern eine nicht summierbare Zahl an Nerven gekostet. Doch jetzt, in dieser Woche, macht die Autobahn GmbH das finale Schleiferl an das Projekt „A3-Ausbau Regensburg“. Als I-Tüpfelchen ist auch die Sinzinger Donaubrücke in wenigen Tagen fertig.

Das Fazit: 15 nagelneue Autobahnkilometer, 16 nagelneue Brücken und Unterführungen und ein Preisschild von 358 Millionen Euro (ohne die Sinzinger A3-Brücke gerechnet). Gestern feierten die Projektleiter den offiziellen Abschluss mit Fanfaren der Autobahn-Musikkapelle und kirchlichem Segen.

Der Weg zu diesem Abschluss war gepflastert mit Lärm, Staub und Staus. „Ein herzliches Dankeschön an alle Bürgerinnen und Bürger für sechs Jahre Geduld. Danke, dass ihr uns so lange ausgehalten habt“, sagt Michael Kordon, Chef der Autobahn Südbayern zum Abschluss.

Am Abend des 18. Oktober war es schließlich soweit: Bauarbeiter verteilten die letzten 7500 Tonnen offenporigen Lärmschutzasphalt. Zwei Tage später floss der Verkehr erstmals wieder zwischen dem Autobahnkreuz Regensburg und der Anschlussstelle Rosenhof. Dieser Abschnitt wurde von vier auf sechs Spuren ausgebaut und mit Lärmschutz gesäumt. Eine besondere Herausforderung war der Neubau einer 200 Meter langen Brücke in Burgweinting quer über 23 Bahngleise, auf denen während der Bauzeit Tag für Tag Züge donnerten.

Bomben, Pleiten und Corona

An Herausforderungen mangelte es dem A3-Ausbau beileibe nicht: Bombenfunde, die Pleite einer Stahlbau-Firma, Corona und die Lieferprobleme infolge des Ukrainekriegs. „Das waren knackige Dinger“, sagt Michael Kordon. „Jeder einzelne dieser vier Punkte hätte die Baustelle zum Stillstand bringen können. Dafür haben wir alles gut über die Bühne gebracht.“ Sechs Jahre Bauzeit waren geplant, sechs Jahre Bauzeit wurden es auch.

Dass es kein alltägliches Projekt gewesen sei, betont Dr. Michael Güntner, Deutschland-Chef der Autobahn GmbH. „Der Fortschritt hier hat eine Strahlkraft für ganz Deutschland“, sagte er. Die A3 sei eine der wichtigsten Autobahnen des Landes – bis 2030 würden laut Prognosen 82 000 Fahrzeuge pro Tag an Regensburg vorbeirauschen, bis zu 100 000 könnten es zu Urlaubs-Spitzenzeiten sein.

Dass ein Bauprojekt an so einer vielbefahrenen Stelle komplett im Zeitplan bleibe, sei keine Selbstverständlichkeit, sagte Güntner weiter. Und er wirft direkt ein Auge auf die Zukunft: Bei der Sanierung des Pfaffensteiner Tunnels auf der A93, dem nächsten Regensburger Großprojekt, wird ebenso wie bei der A3 in Teilabschnitten gebaut, um den Verkehr so selten wie möglich komplett zum Erliegen bringen zu müssen. „Hier auf der A3 haben wir gezeigt, dass wir sowas können.“

Dank an die Bauarbeiter und Projektplaner, aber auch an Rettungsdienste und Polizei, die während der sechs Baujahre stets zur Stelle waren, überbrachten gestern zahlreiche Bundestags- und Landtagsabgeordnete sowie Bürgermeister aus Stadt und Landkreis. Das berühmte rote Band gab es bei dem Anlass aber nicht zu durchschneiden, denn der Verkehr rollt ja bereits. Ebenso war eine Segnung nur aus sicherer Entfernung im Autobahn-nahen Jahnstadion möglich. Diese übernahmen Dr. Roland Batz und Dr. Bärbel Mayer-Schärtel als Vertreter der evangelischen und katholischen Kirche. „Segne diese Straße – sie verbinde die Menschen miteinander – und bewahre alle, die sie benutzen, vor Unfall und Gefahr“, sagte Mayer-Schärtel.

Punktuelle Sanierung

Das letzte Stück im Straßenbau-Puzzle ist die Donaubrücke in Sinzing. Das 60 Jahre alte und fast einen Kilometer lange Bauwerk wird seit Frühjahr punktuell saniert. Tag für Tag quälten sich hier Pendler im Feierabendverkehr durch die verengte Fahrbahn, einige trugen auch bei kleinen Unfällen Blechschäden davon – wie treue Leser der Polizeimeldungen wissen. Damit ist nun auch Schluss: Bis Montag, so verspricht die Autobahn GmbH, sollen die Arbeiten fertiggestellt und alle Baustelleneinrichtungen abgebaut sein.

Ein Blick zurück: Andreas Scheuer besichtigt die Brücken-Baustelle auf der A3 in Burgweinting

Zumindest für die kommenden Jahre können Bewohner des westlichen Landkreises nun wieder verzögerungsfrei über gussfrischen Asphalt nach Regensburg und zurück fahren – und den Ausblick von der alten stählernen Brücke genießen, solange es sie noch gibt. Denn wenn es nach der Bayerischen Staatsregierung ginge, sollte eigentlich schon in ein paar Jahren mit dem Neubau begonnen werden. Dass es bis dahin noch dauern werde, ist sich auch Vize-Landrat Willi Hogger sicher. Vorerst aber halte die Brücke nun wieder, sagte er, und lobte die Bauarbeiten sowohl an der Donaubrücke als auch am Rest der für den Landkreiswesten enorm wichtigen A3: „Was Sie hier geleistet haben, ist beispielhaft.“

Statt ein rotes Band zu durchschneiden, setzten Ehrengäste zur A3-Eröffnung symbolisch Asphalt in ein Stück „Autobahn“ ein.