Neues Kleid für die „alte Lady aus Stahl“: Ein Blick ins Innere der Autobahnbrücke Sinzing

Von Daniel Pfeifer · 22. Juni 2024 um 19:00

Die Bauarbeiten an der Autobahnbrücke von Sinzing (Landkreis Regensburg) gehen voran. Nach der Asphaltierung wird die tragende Stahlkonstruktion der 60Jahre alten Brücke reparieren. Aber ist sie eigentlich in so schlechtem Zustand, wie Gerüchte besagen? Ein Blick ins Innere verrät mehr.

Es ist Sommer – die Vögel zwitschern, ein Duft von frischem Asphalt liegt in der Luft. Den ganzen Frühling lang war die Autobahnbrücke Sinzing schon eine Baustelle, den ganzen Herbst wird sie es wohl noch sein. Eine neue Asphaltfahrbahn ist schon fast fertig. In ein bis zwei Wochen werden Arbeiter von der Oberfläche ins Innere wechseln. Wie sieht es dort aus?

Wie Donner in einer Kirche aus Stahl hallt es durch die Gebeine der Sinzinger Brücke. Jeder Lkw, der wenige Meter darüber vorbeirauscht, verursacht einen dumpfen Gong. Legt man die Hand auf einen der Stahlträger, spürt man die ganze Brücke beben und sich hin und her bewegen.

Schäden sind oft unsichtbar

Auf den ersten Blick sieht man hier außer ein paar kleineren Rissen im Beton und Rost an den Relings nicht viel. Das täuscht aber, sagt Christoph Graebel. Er ist zuständig für die Projektkommunikation bei der Autobahn GmbH Niederlassung Südbayern. „Wenn man hier Schäden hätte, die man sogar als Laie sieht, dann wäre die Brücke gesperrt“, sagt er. Einige Schäden kamen auch erst zum Vorschein, als die alte Asphaltschicht abgefräst wurde. Ingenieure untersuchen die tragenden Teile darum sehr genau. Erst in der vergangenen Woche führte das zu einer kurzfristigen Sperre der A3, weil Experten einen gravierenden Schaden an der Übergangskonstruktion feststellten.

Generell aber seien die Mutmaßungen aus der Bevölkerung über den Zustand der Brücke überzogen, sagt Graebel. „Wenn es stimmen würde, was man so hört, ich höre das ja auch, dass sie komplett auseinanderfällt, wäre die Autobahn hier gesperrt“, sagt er. „Die Donaubrücke Sinzing ist durchaus eine alte Lady aus Stahl. Sie wird aber auch weiter halten. Bis sie irgendwann ersetzt wird.“ Wann der Neubau überhaupt begonnen wird, weiß niemand. Vorerst werde die „alte Lady“ nach den umfassenden Reparaturarbeiten voraussichtlich wieder so lange halten wie nach den letzten umfassenden Maßnahmen vor zwölf Jahren, so Graebel.

Das wäre länger, als die Brücke eigentlich noch Lebenszeit besitzt. Vor zehn Jahren hatte die bayerische Staatsregierung auf eine Anfrage der heutigen Landrätin Tanja Schweiger den Zeitrahmen für einen erforderlichen Neubau auf zwölf bis 15 Jahre beziffert – das wäre zwischen 2026 bis 2029.

Ausbessern wo es geht

Heute kann man diesen Zeitrahmen nicht mehr realistisch nennen. Und so wird ausgebessert, wo es geht. In der Nacht auf Donnerstag gossen wieder gewaltige Maschinen stundenlang 230 Grad heißen Asphalt für die neue Fahrbahn. 430Meter fehlen, bis die Richtungsfahrbahn Nürnberg fertig ist – zwei Nachtschichten braucht es dafür noch.

Danach stehen Korrosionsschutz und Schweißarbeiten in der Brücke an. Sobald diese fertig sind, wechselt die Baustelle – planmäßig noch im Sommer – die Brückenseite und alles geht von vorne los.

Im Inneren der Brücke donnert es bei jedem vorbeifahrenden Lkw.
Asphaltiert wird nachts, auch wegen der Temperatur.
Nach 60 Jahren ist die Autobahnbrücke langsam in die Jahre gekommen.