Ein Blick in das Nadelöhr auf der A93: So wird der Pfaffensteiner Tunnel gereinigt

Von Philip Hell · 28. Juni 2024 um 12:35

Der Pfaffensteiner Tunnel in Regensburg ist eine der wichtigsten Verkehrsverbindungen der Region. Viermal im Jahr wird er gereinigt. Wie läuft so etwas ab?

21 Uhr. Donnerstagabend. Autos, Lastwagen und Motorräder donnern von Norden in den Pfaffensteiner Tunnel. Kurz zuvor hat es gewittert, die Reifen wirbeln das Wasser auf der Fahrbahn auf. Ein Blick auf die Anzeige über der Röhre verrät, dass die Fahrzeuge heute Nacht nur auf dem rechten der beiden Streifen fahren dürfen. Der Grund dafür: Im Moment werden die Tunnelröhren gereinigt. Die MZ durfte dabei sein.

Die Halogen-Lampen tauchen den Tunnel in ein grelles gelbes Licht. Eine Arbeiterin in orangefarbener Weste richtet den Hochdruckstrahler auf die Ampel vor dem Tunnel, in dem ohrenbetäubender Lärm herrscht. Über einen Schlauch ist der Strahler mit dem Tank auf dem Heck eines Kleinlasters verbunden. Das Wasser schießt gegen die Vorrichtung. Sie setzt ab. Ein Kollege fährt mit einem Besen über die Ampel und seift sie ein. Seine Kollegin setzt den Hochdruckstrahler an. Ein Gemisch aus Reinigungsmittel und Wasser rinnt die Röhre hinab. Die Arbeiter werden dabei nur durch Pylonen vom vorbeidonnernden Verkehr getrennt. Bis etwa 6 Uhr am Freitagmorgen werden sie hier sein.

Sanierung: Planungen laufen

Der Pfaffensteiner Tunnel ist ein Nadelöhr. Täglich müssen etwa 75.000 Fahrzeuge hindurch – das ist etwa eines jede Sekunde. Christoph Graebel ist für die Projektkommunikation der Autobahn GmbH bei der Niederlassung Südbayern zuständig. Er begleitete die Arbeiten am Donnerstagabend und betont: „Der Tunnel ist verkehrssicher. Er ist aber auch ein altes Gebäude – und er muss mittelfristig generalinstandgesetzt werden.“ Genau darüber wird seit Jahren diskutiert. Seit 2018 laufen die Planungen für die Sanierung. Vier Jahre später gab es einen ersten groben Plan.

Anfang dieses Jahres wurde bekannt, dass die Aufträge rund um die Sanierung vergeben sind. Also Licht am Ende des Tunnels? Kann man so nicht sagen. Graebel: „Die Planungen sind noch am Anfang. Das ist bei einem Projekt dieser Größe und dieses Umfangs immer so.“ Das Vorhaben sei komplex. Auch die Donaubrücke unmittelbar vor dem Tunnel müsse neu gebaut werden. „Man muss gucken: Kann man das kombinieren, oder nicht?“ Die größte Frage sei, wie man das Projekt umsetzen könne, ohne den Verkehr auf der A93 komplett zu sperren. „Das wird über eine lange Zeit nicht funktionieren.“ Das alles ist aber Zukunftsmusik. 2035 soll die Sanierung abgeschlossen sein.

Im Hier und heute streift man über eines der Notausgangsschilder und stellt fest: Der Finger ist schwarz vom Ruß, den die Auspuffe der Zehntausende Fahrzeuge auspusten, die hier jeden Tag durchfahren. Aber nicht mehr lange, von hinten naht der Kleinlaster mitsamt Hochdruckreiniger. Meter um Meter gehen die Arbeiter durch den Tunnel, sie säubern Schilder, Metallvorrichtungen – und die Notausgänge. Einer davon befindet sich rund 220 Meter nach der Einfahrt. Während der Hochdruckreiniger von außen gegen die Scheibe poltert, erklärt Martin Roiger vom Geschäftsstellenbereich Betrieb und Verkehr der südbayerischen Niederlassung der Autobahn GmbH des Bundes, was seine Kollegen da eigentlich genau machen. Auch er hat die Arbeiten am Donnerstagabend begleitet. „Wir müssen Reinigungsarbeiten durchführen, weil so ein Tunnel natürlich auch schmutzig wird. Sowohl die Fahrbahn, als auch die technischen Einrichtungen“, erklärt Roiger, ehe er von einem Alarm unterbrochen wird. Auch der wird natürlich getestet, fügt er an. „Sollte etwas schadhaft sein, wird es repariert und dann noch einmal getestet.“

Viermal im Jahr rücken die Arbeiter in den Tunnel aus. An vier Nächten hintereinander werden die Fahrstreifen dann abgesperrt. „Wir versuchen, das Ganze so verkehrsschonend wie möglich zu machen“, betont Roiger. Der Notausgang ist im Übrigen nicht mit der Erdoberfläche verbunden, sagt Roiger. Sollte es zu einer Panne kommen, können die Autofahrer hier in die andere Röhre flüchten und den Tunnel verlassen.

Autos donnern vorbei

Die Arbeiter sind inzwischen schon ein paar Meter weiter. Der Notausgang ist wieder blitzblank. Roiger und Graebel machen sich wieder auf den Rückweg, während die Autos vorbeidonnern. Über die Leitplanke geht es auf eine Wiese. Ein paar Schritte weiter führt eine verwachsene Treppe zum Betriebsgebäude am Rande einer Einfamilienhaus-Siedlung von Kareth. Eines möchte Roiger mit Blick auf die Wartungsarbeiten noch betonen: „Natürlich ist es ein gefährlicher Job. Aber es muss gemacht werden. Irgendwer muss da rein.“

Eine Arbeiterin in orangefarbener Weste hält den Hochdruckstrahler in den Händen. Foto: Lex
Meter um Meter gehen die Arbeiter durch den Tunnel. Foto: Lex
Nur eine Spur ist während der Arbeiten befahrbar. Foto: Lex
Im Notfall soll der Fluchtweg sofort gefunden werden. Foto: Lex
Alle Aufschriften sollen wieder gut lesbar sein. Die Reinigung dient auch der Sicherheit. Foto: Lex
Christoph Graebel ist für die Projektkommunikation der Autobahn GmbH bei der Niederlassung Südbayern zuständig. Foto: Lex
Täglich passieren 75 000 Fahrzeuge das Nadelöhr. Foto: Lex
Martin Roiger vom Geschäftsstellenbereich Betrieb und Verkehr der südbayerischen Niederlassung der Autobahn GmbH des Bundes, erklärte, was seine Kollegen da genau machen. Foto: Lex