„Wissen, was wir tun“: Diese Herausforderungen meisterten die Bomben-Helden von Großprüfening

Von Philip Hell · 26. Juni 2024 um 15:03

Eine Bombe aus dem Zweiten Weltkrieg hielt Regensburg am Dienstag in Atem. Um 9 Uhr wurde sie entdeckt, etwa zwölf Stunden später wurde sie entschärft. Das war gar nicht so leicht, wie Sprengmeister Michael Weiß der MZ vor Ort sagte.

Dienstagabend, 21.40 Uhr. Michael Weiß vom Sprengkommando Nürnberg lehnt lässig an seinem VW-Kastenwagen. Darin liegt eine 500 Kilo schwere Bombe, die Großprüfening einen Tag in helle Aufregung versetzt hat. Gemeinsam mit seinem Kollegen Claudio Linschun hat Weiß den Blindgänger aus dem Zweiten Weltkrieg entschärft.

„Wir kennen uns schon ein paar Tage“: Sprengmeister war schon oft in Regensburg

„Es ist einwandfrei gelaufen“, sagt Weiß. Gegen 19.30 Uhr wurden die beiden Sprengmeister an die Bombe gelassen. Zuvor waren die etwa 1600 Menschen, die im Radius um den Fundort leben, evakuiert worden. Die Zusammenarbeit mit den Behörden sei sehr gut gelaufen, sagt Weiß am Abend. „Wir kennen uns ja schon ein paar Tage – auch wenn es in letzter Zeit in Regensburg ein bisschen ruhiger war.“ Weiß war bereits häufig in der Domstadt, um Bomben zu entschärfen. Menschen im Umkreis von 700 Metern mussten evakuiert werden – dabei hätten eigentlich noch mehr Menschen aus ihren Häusern gemusst, sagt Weiß. Bei einer Bombe dieser Beschaffenheit, die frei liegt, hätte man einen Kilometer Sperrradius einhalten müssen. „Mit Unterstützung der Feuerwehr konnten wir einen Schutzwall aufbauen und den Evakuierungsradius um 300 Meter verringern.“

Hier können Sie den Liveticker vom aufregenden Bomben-Tag in Regensburg nachlesen: Erleichterung nach Stunden – Fliegerbombe im Regensburger Stadtwesten ist entschärft

Zunächst müsse man den Zünder sauber machen, sagt Weiß. Dann fange man an, die Zündkette zu unterbrechen. „Wir entfernen mit Spezialgerätschaften den Zünder von der Bombe.“ Bei dem Sprengkörper in Großprüfening sei der Zünder unter einem Rohr gelegen. „Das mussten wir erst mal entfernen, um überhaupt an den Zünder ranzukommen. Insgesamt dauerte dieses Unterfangen knapp anderthalb Stunden. Um 21.20 Uhr kam die erlösende Nachricht: Die Anwohner dürfen in ihre Häuser zurück.

„Das ist halt unser Job“: Sprengmeister riskieren ihr Leben

Michael Weiß und Claudio Linschun riskieren bei jeder Entschärfung ihr Leben. „Na ja, das ist halt unser Job. Ein Polizist macht auch seinen Job und riskiert auch sein Leben. Der Feuerwehrler auch. Aber wir wissen, was wir tun. Wenn es uns zu gefährlich wird, hauen wir die Bremse rein“, sagt Weiß.

Linschun sieht das ähnlich: „Wir wissen, was wir tun.“ Jeder Einsatz sei ähnlich, die Handgriffe sitzen. Angst habe man vor einer Bombe irgendwann nicht mehr. Und was sagt Linschuns Freundin, wenn er mal wieder ausrückt, um eine Bombe zu entschärfen? „Na ja, dass ich aufpassen soll.“