Der letzte Neunburger Steinmetzmeister: Franz Birner denkt nach 26 Jahren ans Aufhören

„Franz Birner ist Neunburgs erster Steinmetzmeister seit 35 Jahren“, betitelte die Mittelbayerische Zeitung 1998 in ihrer Neunburger Ausgabe einen Artikel. Nach nunmehr 26 Jahren könnte Birner nun auch wieder der Letzte seiner Zunft werden.
Mit 68 Jahren plant er allmählich den Rückzug aus diesem, im Sinne des Wortes, schweren und fordernden Beruf. Und er ist damit bei weitem nicht der Einzige.
„Es ist fast schon erschreckend, wie viele meiner Kollegen aufgeben oder schon aufgegeben haben“, sagt er im Gespräch mit der MZ. Er verweist dazu auf die Orte Oberviechtach, Bruck, Nabburg oder Regenstauf. Andere in der Nähe bestünden zwar noch, aber nicht überall sei die Fortführung schon geregelt.
Als ältester Schüler
Die berufliche Laufbahn von Franz Birner selbst weist verschiedene Facetten auf. Ursprünglich hat der gebürtige Neunburger Elektriker gelernt und war in dem Beruf auch tätig. Nach seinem Eintritt in die Bundeswehr 1980, verpflichtete er sich beim Panzerartilleriebataillon 115 in Neunburg für zwölf Jahre. Wäre es nach den Wünschen seines Vaters gegangen, hätte er danach in dessen Bestattungsunternehmen eintreten sollen. „Dort musste ich schon als junger Mensch gelegentlich mithelfen. Dabei habe ich vieles Gesehen, was mir verdeutlichte, dass das nichts für mich ist“, erinnert er sich.
Seinen Platz übernahm sein Bruder Herrmann und er begann lieber eine Lehre als Steinmetz bei Menacher in Cham. Das war ebenso eine gute Ergänzung zum Bestattungswesen. Weil Birner bereits einen Beruf hatte, konnte die normale Lehrzeit auf zwei Jahre verkürzt werden. Steinmetz hatte aber nun so gar nichts mit Strom zu tun, so dass es die Ausbildung in einem völlig neuen Beruf war. Aus dem Grund besuchte er sogar die Berufsschule in Wunsiedel, seinerzeit sicher als „ältester Schüler“. Auch dass er die Lehrzeit ohne einen einzigen Fehltag absolvierte, erwähnt er stolz.
Ärger mit der Innung und der Handwerkskammer
Noch zwei Monate vor seiner Gehilfenprüfung, im März 1992, meldet er das Gewerbe für seinen Betrieb in Neunburg an. Das brachte ihm natürlich Ärger mit der Innung und der Handwerkskammer ein. Er ließ sich davon aber nicht weiter beirren und ging den begonnen Weg konsequent weiter.
Ab 1996 bereitete er sich „arbeitsbegleitend“ auf die Meisterprüfung vor. Zumeist an den Wochenenden besuchte er die Meisterschule in Koblenz, wo er 1998 dann auch erfolgreich die Prüfung zum Steinmetz- und Steinbildhauermeister absolvierte. Sein Meisterstück, ein sogenannter Grundstein mit dem Zunftzeichen der Steinmetze, steht immer noch neben dem Eingang zu seiner Werkstatt. Er besteht aus Flossenbürger Granit. „Es gibt an der Gesamten Skulptur nicht eine einzige waagerechte Linie“, bemerkt er.
Überwiegend alleine tätig
In mühsamer Kleinarbeit, nur mit einem Spitzmeißel, sei der dreieckige Durchbruch unterhalb der runden Plakette entstanden. Rund 116 Stunden dauerte die Bearbeitung insgesamt. In dem Zusammenhang gesteht der Meister, dass Granit zu seinen bevorzugten Grundmaterialien gehöre. In den vergangenen Jahren habe er überwiegend allein gearbeitet. Dies sei nur möglich, mit entsprechender technischer Ausstattung, um das schwere Material zu bewegen. „Da musst du jeden Handgriff genau überlegen und dich auch mit den Hebelgesetzen gut auskennen“, bekräftigt er. Bei einem Moment der Unachtsamkeit wäre sonst schnell mal ein Finger abgequetscht oder es könnte noch Schlimmeres passieren.
Aktuell ist eine Weiterführung seines Geschäftes eher nicht geplant. Sein Sohn sei zwar auch Steinmetz, sei aber sehr zufrieden bei seinem Arbeitgeber in Schwandorf. Um den heimischen Betrieb zu führen, wären zwei bis drei Mitarbeiter nötig, die sich hier aber kaum rechnen würden. Franz Birner lässt sich selbst von Schicksalschlägen nicht herunterziehen. Seit zwei Jahren ist er verwitwet und die eigene Gesundheit ist ebenfalls angeschlagen. Je nachdem wie es ihm ginge, könne er vielleicht noch zwei oder drei Jahre weiter arbeiten, aber das überlasse er der Zukunft.


