Neunburger Verein Schwarzachtal Pass hält alten Krampus-Brauch lebendig

Die Raunächte von Weihnachten bis zum Dreikönigstag sind eine Zeit voller Bräuche, Rituale und Mythen. Ein uralter Brauch ist es, die bösen Geister zu vertreiben. Die Menschen zogen sich früher handgeschnitzte Masken und wilde Fellgewänder über und liefen lautstark durch die Orte.
Auch in Neunburg wird dieses Brauchtum am Leben gehalten – durch den Verein Schwarzachtal Pass. Den gibt es seit mittlerweile zwölf Jahren. Aktuell zählt er mehr als 60 Mitglieder – das jüngste ist sieben, das älteste Anfang 60.
Vorsitzender ist Timm Buckley. Der 33-Jährige stammt aus Wolfsegg bei Lappersdorf und war schon als Jugendlicher in einem Verein aktiv, der sich diesem Brauchtum verschrieben hat. Als er mit 18 Jahren nach Neunburg umzog, war auch schnell klar, dass dort eine eigene Krampus-Gruppe entstehen musste. Nach einem Gespräch Bürgermeister Martin Birner (CSU) und Tourismusleiter Werner Dietrich konnte dieses Vorhaben schnell umgesetzt werden. Mit 15 Mitstreitern gründete Buckley den Verein Schwarzachtal Pass.
Bis zu 37 Auftritte im Jahr
Die Gemeinschaft, also die Pass, erlebte in den Folgejahren ein stetiges Wachstum. Zu Spitzenzeiten absolvierte der Verein bis zu 37 Auftritte im Jahr. Die Termine konzentrieren sich dabei nicht nur auf die Tage zwischen Weihnachten und dem Dreikönigstag, vielmehr sind die Mitglieder das gesamte Jahr unterwegs. Denn es gebe, so erklärte Buckley, nicht nur die zwölf Raunächte zwischen dem 24. Dezember und dem 6. Januar. Vielmehr gelten auch andere Nächte als Raunächte – wie beispielsweise die Nacht der „Bluadigen Luzia“ zum 13. Dezember oder auch die Thomasnacht am 21. Dezember, welche zugleich die längste Nacht des Jahres ist und meistens mit der Wintersonnenwende zusammenfällt. Eine weitere Raunacht im Jahr ist außerdem die Walpurgisnacht am 30. April.
In den letzten und ersten Wochen eines Jahres sind die Krampusse und Hexen aber besonders aktiv. Die Hauptsaison für die Schwarzachtal Pass startet heuer am 4. Dezember mit dem Besuch im Kinderheim St. Vincent in Regensburg. An diesem Tag werden rund 80 Kinder vom Nikolaus in Begleitung von Krampussen und Engeln besucht, um ihnen ein Lächeln in die Gesichter zu zaubern.
Nikolaus-Hausbesuche in und um Neunburg
An den darauffolgenden beiden Tagen sind die traditionellen Nikolaus-Hausbesuche in und um Neunburg geplant. Diese finden meist in den Gärten der Familien statt, da sich oftmals Nachbarn und Freunde zusammenschließen, um den Besuch des Nikolaus mit seinem Gefolge genießen zu können.
Eine frühere Veranstaltung lässt der Verein wieder aufleben: Am 7. Dezember ab circa 16 Uhr können im Burghof die Neunburger Kinder den Nikolaus mit Krampussen und Engeln erleben. In den vergangenen Jahren waren es immer 200 bis 300 Kinder, die mit ihren Eltern diese Aktion des Vereins besuchten.
Die selbst inszenierten Raunacht-Shows, welche über Bayern hinaus aufgeführt werden, können heuer aufgrund einer Umstrukturierung des Vereins nicht wie gewohnt stattfinden, erklärt Buckley. Jedoch laufen bereits die Vorbereitungen für das kommende Frühjahr. Die 40-minütigen Shows unterscheiden sich von denen anderer Gruppen: Die Neunburger führen keine klassischen Raunachts-Geschichten auf, sondern stricken um ein aktuelles Thema ein Programm. Das Ganze wird perfektioniert mit Feuer und Pyrotechnik. Mindestens ein halbes Jahr vorher, meist im Februar, beginnen die Arbeiten für eine solche Raunacht-Show. Zuerst wird eine Geschichte geschrieben, diese wird dann mit den Stimmen der eigenen Mitglieder vertont und mit entsprechender Musik hinterlegt. Im Anschluss daran beginnen die intensiven Show- und Lauftrainings.
Die Mitglieder des Vereins verstehen sich nicht als Perchtengruppe. Perchten sind zwar ähnliche Gestalten, die sich jedoch gerade bei den Masken unterscheiden würden, erklärt Buckley. Die der Perchten haben überdimensional geschnitzte Gesichtszüge, und es befinden sich mindestens zwei bis drei Paar heimische Hornarten, die nur in echt verbaut werden, darauf. Die Gewänder der Perchten sind größtenteils aus Schaffell, die der Krampusse mehr aus Ziegen-, Gams- und Hirschfellen gemacht. Deshalb sei der Verein Schwarzachtal Pass vielmehr als eine Krampus- und Hexengruppe zu bezeichnen, meint Buckley.
Muss aus Holz sein
Auch wenn die heutigen Masken mit denen aus früheren Zeiten nicht mehr vergleichbar seien, so hält Schwarzachtal Pass an einem Grundsatz fest: Die Masken müssen aus Holz sein. Viele der furchteinflößenden Masken schnitzt Buckley in seiner Werkstatt selber. Einen Einblick in seine Arbeit bekommt man auf der Internetseite deiflswerk.de. Der 33-Jährige gelernte Schreiner erweiterte seine Holzfertigkeiten um die Schnitzkunst. „Es ist ein guter Ausgleich zum derzeitigen Job“, steht für Buckley, der in einer Wackersdorfer Firma tätig ist, fest.
Buckley bezeichnet sich als einen „sehr heimatverbundenen Menschen“. Auch deshalb will er die Bräuche rund um den Krampus erhalten. Dabei ist ihm die größtmögliche Authentizität wichtig – und das nicht nur bei den Masken. Die Gewänder müssen ebenfalls perfekt zu den geschnitzten „Loavn“ (Masken) passen. Einzig die Hörner werden aus Kunstharz gegossen. Das liege daran, dass Hornpräparate nicht in Massen verfügbar seien.
Gruppen wie die Schwarzachtal Pass sind mehr geworden. Als Timm Buckley anfing, gab es nur wenige solcher Gemeinschaften. Heutzutage existieren rund 30 Gruppen in Niederbayern und der Oberpfalz.




