Bücher halten die Geschichte von Neunburg fest – persönliche Beratung in der Buchhandlung am Tor

Viele Bücher über Neunburg vorm Wald sind im Laufe der vergangenen Jahrzehnte erschienen, über Anekdoten der Pfalzgrafenstadt, besondere Geschehnisse und über die Stadtgeschichte – ein wahrer Schatz für die Nachwelt.
Beim Schmökern taucht man in Kleinstadt-Kolorit vergangener Zeit ein, schmunzelt über Begebenheiten aus dem Leben bekannter Persönlichkeiten, deren Gewohnheiten und Eigenarten. Es lässt sich laut dem Autor Teodoro Caremoli, der aus der Gegend stammt, von weitem kennzeichnen, dass sie „vom Wold san.“
„Wer in der Neunburger Volksseele zu lesen vermag, werde beim Lesen ganz zugehörig sein“, schreibt Caremoli im Vorwort seines Buches „Neunburger Leit von gestern und heit“. Die beiden ersten Bände sind nur noch antiquarisch für je 40 Euro erhältlich, beim Dritten gebe es eine Neuauflage, erklärt Doris Reitinger.
Auf eine Zeitreise begeben
Reitinger verkauft im Auftrag der Stadt in ihrer Buchhandlung am Tor viele Bücher über Neunburg. Weitere sind im Rathaus erhältlich und dort in einer Vitrine am Eingang ausgestellt.
Man begibt sich beim Schmökern der unzähligen Bände auf eine Zeitreise. Früher, als es noch keine Medien wie Fernsehen oder Internet gab, sei man in der Kuchl oder im Wirtshaus beim schummrigen Schein einer Petroleumlampe oder einer flackernden Kerze zusammengesessen und habe sich Geschichten erzählt und Probleme diskutiert, die so ganz anders waren als heute. Oder gleicht sich vieles wieder?
Heimatbezug bei Jüngeren
Vor allem ältere Menschen würden diese Bücher kaufen, sagt Reitinger. Aber auch Jüngere würden immer mehr Interesse an den Büchern zeigen – auch bei ihnen sei ein steigender Bezug zur Heimat erkennbar.
„Es geht immer mehr weg von der weiten Welt und hin zu Kleinerem“, sagt Reitinger. Woran das liege, darüber könne man nur spekulieren oder gar philosophieren. „Vielleicht möchte man sich einen Rückzugsort schaffen, in einer Welt, in der es immer mehr Kriege gibt.“ In Neunburg vorm Wald, lebe man schließlich ruhig und sicher – und das schätze werde immer mehr geschätzt, sagt Reitinger.
Verkaufsschlager seien die Stadtchronik „1000 Jahre Neunburg vorm Wald“ und der Band „Neunburg, wie“s früher war“.
Vor allem die rund 500 Seiten umfassende Stadtchronik, an der 31 Autoren, unter Federführung von Kreisheimatpfleger Theo Männer und Karl-Heinz Probst, mit viel Herzblut mitwirkten, sei beliebt. „Die Chronik erschien 2017 zum Stadtjubiläum und ist ein wahrer Schatz an Informationen und Illustrationen.“ Das Buch schloss eine Lücke, denn bis dato habe es keine solch umfassende Chronik über die Stadt und auch über die umliegenden Orte gegeben. Die Bücher werden auch gerne verschenkt. „Für jemanden, der alles hat, ist es immer das Passende“, sagt Reitinger.
Wanderführer bei Touristen beliebt
Außerdem kaufen Touristen gerne Wanderführer über die Gegend. Und auch da sei die Auswahl groß – von einfachen Strecken bis zu Abenteuer- oder Burgen-Wanderwegen gebe es viele Empfehlungen. Das Angebot in der Buchhaltung ist also groß. Die persönliche Beratung in ihrer Buchhandlung werde von den Kunden geschätzt. Reitinger selbst ist eine leidenschaftliche Leserin. Sie hat ihr Hobby, die Bücher, zum Beruf gemacht.
Viele Kunden würden ganz bewusst bei ihr im stationären Handel vor Ort einkaufen und sie unterstützen. „Die Laufkundschaft fehlt halt“, seufzt die 60-Jährige. Gähnend leer ist die Hauptstraße an diesem regnerischen Vormittag. Im Laufe der vergangenen Jahre haben dort immer mehr Läden geschlossen.
Auf Betreiben der Stadt hat sich die Buchhandlung im Jahr 2011 direkt am Rathaus angesiedelt und Doris Reitinger übernahm bereits ein Jahr später. „Ich habe mir damit einen Traum erfüllt“, sagt sie. Bereut habe sie es nie.
Bücher helfen mit, die Geschichte der Stadt nicht vergessen zu lassen. Sie vermitteln Wissen über die Menschen, die die Stadt geprägt haben – nur dann kann man Gegenwart und Zukunft verstehen.
Bildbände:
Beliebt seien Bildbände, wie der neue und umfangreiche mit dem Titel „Die Oberpfalz“ mit aktuellen Fotos von Simon Süß. Bei „Neunburg, wie’s früher war“, von Theo Männer und Karl-Heinz Probst aus dem Jahr 2022, begibt man sich auf eine interessante Zeitreise mit historischen Abbildungen, die Bürger teilweise aus ihren Fotoalben heraussuchten. Unter Mitarbeit von Theo Männer entstand „Neunburg vorm Wald – im Bild“ mit künstlerischen und historischen Ansichten aus dem Museum und von privaten Leihgaben.
Themenbücher:
Interessant sind auch Bände, die auf ein bestimmtes Thema der Gegend spezialisiert sind, wie über die Entstehung der Bahn, die vieles veränderte: „Bodenwöhr – Neunburg vorm Wald – Rötz. Eine Eisenbahnstrecke in der Oberpfalz“. Nicht vergessen werde auch die Zeit, als es noch keinen See gab: Das Buch „Die versunkenen Orte im Eixendorfer See“ von Josef Drexler erinnert daran und erzählt die Historie des Sees. Sämtliche Seen des Landkreises sind Thema in einem eigenen Buch: „Wasserwelten“.
Kochbücher:
Eine Rückbesinnung auf Omas Kochrezepte und deren Wertschätzung sei ebenfalls erkennbar, erklärt Reitinger. „Brennsuppn und Erdäpfel – vergessene Rezepte aus dem Bayerischen Wald“ oder das „Oberpfälzer Brauchtumsbackbuch“ werden gerne gekauft und verschenkt.
Kinderbücher:
Speziell für Kinder ist das „Wimmelbuch“ über Neunburg vorm Wald sowie ein Kalender über die Stadt mit zwölf Bildern von Michael Müller erschienen, nun im zweiten Jahr.


