Zuwachs für Militärfahrzeugschmiede Gruber – Seltene Abzeichen aus Neumarkt in Seebarn eingetroffen

In den meisten Fällen begeistern sich Sammler für Briefmarken, Geldmünzen oder Fußballsticker. Anders in Seebarn. Johann Gruber sammelt zusammen mit seiner Familie Militärexponate der Bundeswehr. Vor Kurzem konnte er sich über seltene Abzeichen aus Neumarkt freuen. In Sachen Platznot muss er nun aber improvisieren.
Er selbst betont, dass sein Hobby anders sei. Eben kein Briefmarkensammeln. Dies verdeutlichen unter anderem die räumlichen Ausmaße der Sammlung im Neunburger Ortsteil. Alte Militärfahrzeuge, Uniformen, Helme, Waffen: Die Objekte der Begierde füllen bereits zwei Lagerhallen, Garagen und das Obergeschoss des Elternhauses. Johann Gruber besitzt eine der größten privaten Militärsammlungen Bayerns. Mit der Sammelleidenschaft will der Neunburger die Geschichte der Bundeswehr sowie die vielen Einzelschicksale, die hinter den Orden, Uniformen oder Fotos stecken, nicht in Vergessenheit geraten lassen.
Mit der Bundeswehr hingegen sympathisiere Gruber nicht. Als junger Mann verweigerte er aus Überzeugung den Wehrdienst und absolvierte stattdessen seinen Zivildienst.
Neue Abzeichen faszinieren
Seine neueste Errungenschaft sind Orden und Abzeichen aus Neumarkt. „Das ist etwas Besonderes. Die Verhandlungen haben jetzt zwei Jahre gedauert. Dass es jetzt geklappt hat, hat mich enorm gefreut“, sagt Gruber, während er auf die unzähligen Abzeichen blickt. Besonders die Einzelkämpferorden seien für ihn besonders beeindruckend. „Die Abzeichen sind in einem tollen Zustand. Einige von ihnen sind sehr rar. Je höher der Rang, desto seltener die Abzeichen“, erklärt der ehemalige Baustellenleiter und beugt sich über die Abzeichen.
Ein weiterer berührender Aspekt seiner Sammelleidenschaft seien die Geschichten, die er durch die Exponate erfährt. „Was wir erzählen könnten, ist Wahnsinn. Da gibt es Geschichten, die kann es so eigentlich nicht geben“, erklärt Gruber sichtlich gerührt, als er auf das Bild eines ehemaligen Soldaten blickt. „Ich habe durch Zufall herausgefunden, dass er in einem Altenheim in Burghausen lebt. Aufgrund der Pandemie konnten wir uns leider nicht mehr treffen“, erklärt der zweifache Vater.
Mittlerweile seien die Grubers nach eigner Aussage deutschlandweit bekannt. „Menschen verbinden ihren Urlaub mit einem Besuch bei uns. Sie fahren nach Italien oder Österreich – auf dem Heimweg lesen sie Regensburg und Schwandorf. Dann fahren sie bei uns vorbei“, sagt Gruber. Ihn freut der Zuspruch und die Begeisterung der Menschen an seinem Hobby.
Dennoch ist selbst er von einigen Plänen überrascht: „Die Leute kommen an einem Sonntag um 10 Uhr zu mir, bleiben bis um 16 Uhr und müssen dann noch nach Hamburg.“
Gerade die Platzproblematik bereitet Gruber allerdings zunehmend sorgen: „Es ist vorerst Schluss – platzbedingt. Aus dem geplanten Bau zweier Hallen in Seebarn wurde nichts, obwohl der Neunburger Bauausschusses eine Voranfrage Grubers positiv beschieden hatte. Doch das Projekt war im Außenbereich geplant. Da waren die rechtlichen Hürden zu groß.“
Aufgeben war allerdings keine Option. Ein zweites Bauprojekt sei bereits in Planung, wie Gruber der MZ verriet: „Wir werden zu 99,9 Prozent 20 Kilometer weg von hier bauen. Es soll eine Halle entstehen, die beide derzeitigen Hallen verbindet.“ Außerdem träumt Gruber von einer zweiten Halle, in der die Familie ihre Fahrzeuge unterbringen kann. „Das Grundstück hat rund 5000 Quadratmeter. Das wäre groß genug. Wenn es klappt, wollen wir eine zweite Halle dazustellen. Allerdings muss man das natürlich finanzieren können“, fügt Gruber an.
Kinder voll dabei
Einen besonderen Antrieb das Hobby fortzuführen, bieten Gruber seine Kinder. Vor allem Sohn Johannes sei für ihn eine große Unterstützung: „Wenn ich nicht mehr bin, macht das mein Sohn. Meine Kinder mussten nie mitfahren – sie wollten aber und ich hatte sie immer dabei. Das habe ich vielen Sammlern voraus.“ Falls die Kinder dem Thema kein Interesse geschenkt hätten, wäre das für Gruber in Ordnung. Allerdings hätte die einstiege Vorliebe dann nie diese Ausmaße angenommen. „Wir hätten die Sammlung nicht. Wir hätten vielleicht ein oder zwei Fahrzeuge“, sagt Gruber.
Trotz des großen Zuspruchs bleibt die Sammlung wohl eine private. Konkrete Pläne, seinen Bestand in einem eigenen Museum auszustellen, gäbe es nicht. Jedoch sei dies auch nicht gänzlich auszuschließen.

