Militärsammlung platzt aus allen Nähten: Seebarner will zwei Hallen am Ortsrand bauen

Es ist eine ganz besondere Sammlung: Mehrere Fahrzeuge und Tausende Utensilien der Bundeswehr aus sieben Jahrzehnten bewahrt Johann Gruber aus Seebarn bei sich zuhause auf. Er will damit ein Stück Geschichte der bundesdeutschen Armee erhalten.
Von außen sieht das Haus im Hammerweg in Seebarn normal aus. Doch was sich innen befindet, ist Militärgeschichte vom Feinsten. Uniformen, Waffen, Wappen und Wimpel, Pistolen, Funkgeräte und Ferngläser, Zelte, Spaten, Treibstoffkanister, Abzeichen, Schulterklappen, Parkas und Thermo-Unterhosen sowie schriftliche Dokumente lagern in der ersten Etage. Aber nicht nur hier bewahrt Johann Gruber Exponate auf. Jede freie Ecke, die er im Haus, den Nebengebäuden und Garagen findet, wird genutzt.
Ein paar hundert Meter entfernt gibt es noch eine alte Scheune, in der historische Militärfahrzeuge stehen. Gruber besitzt eine der größten privaten Militärsammlungen Bayerns. Vor 20 Jahren begann der heute 54-Jährige damit, Gegenstände der Bundeswehr aufzubewahren. Er selbst war gar nicht bei der Armee, sondern leistete Zivildienst in Strahlfeld im Kloster-Altenheim ab. Durch ein altes Militärfahrzeug wurde seine Begeisterung schließlich geweckt.
Dimension war nicht geplant
Über die Jahre ist seine Sammlung immer größer geworden – in manchen Jahren sind mehrere hundert Tonnen Material hinzugekommen. So konnte er zum Beispiel zahllose Exponate des Neunburger Bundeswehrstandortes übernehmen, als der Traditionsraum aufgelöst wurde. Von der Bundeswehrgeschichte von Neunburg habe er mehr eingelagert als die Bundeswehr selbst, sagt Gruber. Man kann den Seebarner deshalb ohne Zweifel als das „Gedächtnis der Neunburger Bundeswehr“ bezeichnen.
Die Sammlung ist jetzt so groß, dass der vorhandene Platz kaum ausreicht. Es sei anfangs nicht sein Ansinnen gewesen, dass die Sammlung so eine Dimension annehme, meint Gruber. Doch durch seinen Ruf als leidenschaftlicher Sammler werden ihm regelmäßig Exponate angeboten oder er erfährt von Auflösungen. Viele Sammler oder ehemalige Soldaten würden aus Altersgründen ihre Stücke abgeben, sagt Gruber. Oder sie sind gestorben und die Familie veräußert den Nachlass.
Gute Stücke nicht ablehnen
Er habe selbst einen so großen Sammlerdrang, dass er gute Stücke nicht ablehnen könne, sagt der Seebarner. Es seien manchmal auch Dinge wie beispielsweise Ausscheiderhüte dabei, die man heute nirgends mehr finde. Gelegentlich ist der Zufall behilflich. So hatte Johann Gruber ein Exponat aus Maxhütte ersteigert. Als er es abholen wollte, habe er noch vieles andere auf dem Dachboden gefunden.
Es habe in der Oberpfalz zwar viele Kasernen gegeben, aber viele sind inzwischen geschlossen und vieles von ihrer Geschichte vergessen. Deshalb ist es ihm wichtig, die militärischen Gegenstände aufzubewahren, damit nicht noch mehr Geschichte verloren geht.
Die ganzen Sammlerstücke müssen irgendwo untergebracht werden. Johann Gruber ist schon seit Langem auf der Suche nach zusätzlichen Lagermöglichkeiten. Zwei Hallen in Kulz und Waldmünchen hat er bereits angemietet. Doch auch die reichen längst nicht mehr aus. Und vor Ort sei nichts zu finden, meint der 54-Jährige. Er entschied sich daher, etwas Eigenes zu bauen. Direkt neben der alten Scheune, die er bereits nutzt, gibt es eine Wiese, die ihm ebenfalls gehört. Hier sollen zwei Lagerhallen aus Holz mit den Ausmaßen 30 mal 15Meter sowie 42 mal 15Meter errichtet werden. Die entsprechende Bauvoranfrage hatte er vor einigen Wochen bei der Stadt Neunburg eingereicht.
Kein öffentliches Museum
Obwohl die Bauverwaltung eine Ablehnung empfohlen hatte, weil sich das Grundstück im Außenbereich befindet, erteilten die Mitglieder des Bauausschusses einstimmig das gemeindliche Einvernehmen. „So ein Projekt lässt sich nicht im Innenbereich umsetzen“, argumentierte die zweite Bürgermeisterin Margit Reichl (CSU), die auch in Seebarn zuhause ist, für das Vorhaben.
Es wurde auch darauf hingewiesen, dass die Stadt den Feldweg, der als Zufahrt dient, nicht ausbauen werde, und auch eine Ausweitung der Straßenbeleuchtung sowie des Winterdienstes nicht vorgesehen sei. Das sei auch nicht notwendig, meint Gruber. Denn es sollen reine Lagerhallen entstehen.
Auch wenn die Teile im Wohnhaus übersichtlich wie in einem Museum präsentiert werden, soll die Sammlung privat bleiben. Ein öffentliches Museum sei nicht geplant. Die dafür notwendigen Voraussetzungen wie Brandschutz oder Barrierefreiheit könne er nicht stemmen.
Sohn Johannes vom Sammelfieber angesteckt
Ob die Hallen errichtet werden können, muss nun die Landkreisverwaltung entscheiden. Sollte der Bescheid positiv sein, will Gruber den Bau in den nächsten zwei Jahren realisieren. Andernfalls müsste er sich eine Alternative überlegen.
Eine gute halbe Million würde das neue Depot kosten. Diese Summe stemmt er komplett aus eigener Tasche. Die Investition würde er wohl kaum tätigen, wenn er nicht wüsste, dass Sohn Johannes ein genauso leidenschaftlicher Sammler wie er ist und die Stücke später einmal weiter betreuen wird.



