Einfach rausgehen und zeichnen: Cornelia Walbrun aus Neunburg ist ein Urban Sketcher

Von Jan Lange · 26. September 2024 um 05:00

Die weltweite Gemeinschaft der „Urban Sketchers“ hat auch Anhänger im Landkreis Schwandorf. Eine von ihnen ist die Neunburgerin Cornelia Walbrun. Oft sitzt sie auf ihrem Strandhocker und zeichnet das, was sie sieht: Das alte Schloss mit der Musikschule Neunburg, die Skateranlage, auf der ihre Söhne ein paar Sprünge üben, oder den Torbogen direkt neben dem Café Burgfräulein.

Mit dem Füller mit wasserfester Tinte skizziert sie die Landschaften und Gegenstände vor und coloriert sie danach mit Aquarellfarben.

Sie fühle sich frei, wenn sie zum Beispiel am Freitagabend da sitze und die Umgebung zeichnen könne, sagt Cornelia Walbrun. Für sie ist das Ganze dann eine Art Meditation.

Gemalt hat Cornelia Walbrun schon immer gern. Mal diese Technik, mal jenen Stil. Etwas Neues auszuprobieren, das gefiel der Neunburgerin. Etwas Neues war auch das Urban Sketching. Aufmerksam sei sie darauf durch die Künstlerin Sonja Hummel geworden, erzählt sie. Sie hatte von Hummels Kursen an der VHS Schwandorf gehört und sich auf der Webseite der Künstlerin näher über die Urban-Sketchers-Bewegung informiert.

Urban Sketchers sind Künstler, die vor Ort die Städte und Dörfer zeichnen, in denen sie leben oder zu denen sie reisen. Ihre Bilder zeigen das Leben so, wie die Künstler es vor ihren Augen sehen. Es können ganz detaillierte, aber auch schnelle, impressionistische Zeichnungen sein.

Erstes Motiv vor zwei Jahren entstanden

Cornelia Walbrun fand an diesem Malstil Gefallen. Ihre erste Zeichnung als Urban Sketcher zeigte den Innenhof beim Neunburger Rathaus mit Blick auf die Stadtpfarrkirche St. Josef. Entstanden ist dieses Motiv vor gut zwei Jahren. Damals habe sie sich an der Technik noch ausprobiert. Doch sie war sofort begeistert und blieb am Urban Sketching dran. In der Folgezeit hat die Neunburgerin viel dazugelernt und die Technik für sich immer weiter verfeinert.

Sie hat die Technik mittlerweile so ausgefeilt, dass sie sogar darum gebeten wird, das Goldene Buch der Stadt Neunburg mit ihren Zeichnungen zu verschönern. So gestaltete sie im Januar eine Seite für den Besuch des Fußballers Thomas Müller in Neunburg. Das Motiv zeigt den Kicker des FC Bayern München mit der Pfalzgrafenstadt im Hintergrund.

Lust auf Ausstellung in Regensburg

Für Walter Jonas, den Schirmherren des diesjährigen Neunburger Festspiels, bereitete sie ebenfalls eine Seite im Goldenen Buch vor. Der Regierungspräsident war von ihrer Zeichnung so begeistert, dass er Cornelia Walbrun gleich fragte, ob sie nicht Lust hätte im Amtssitz der Regierung der Oberpfalz auszustellen. Das würde der Neunburgerin schon gefallen, Bilder zum Präsentieren hätte sie auch genügend, aber momentan fehle ihr etwas die Zeit, meint Cornelia Walbrun. Denn ihre sechsjährigen Zwillingssöhne sind gerade in die Schule gekommen – und da sei sie als Mutter besonders gefordert. Bevor ihre beiden Jungen in die Schule kamen, sei sie öfter mal ausgeschwirrt und habe Füller und Pinsel geschwungen.

Sorgen machen, dass ihr eine Chance entgeht, muss sie nicht. Ihre Zeichnungen könnte sie frühestens 2026 in der Regierung der Oberpfalz zeigen. Bis dahin sind die Ausstellungsmöglichkeiten schon vergeben. Für Cornelia Walbrun ist das kein Problem: Das Zeichnen ist für sie ein Hobby. Im Hauptberuf ist sie bei der Stadt Neunburg angestellt, dort stundenweise im Archiv und in der Bibliothek im Einsatz.

Mal-Utensilien immer dabei

Eine Tasche mit Mal-Utensilien hat sie dennoch immer dabei. Dazu gehören ein Malkasten, ein Sketch-Buch, mindestens ein Wassertankpinsel, mehrere in verschiedenen Stärken sind noch besser, ein Füller mit wasserfester Tinte, ein Bleistift und ein Radierer. Denn sie könnte ja spontan ein interessantes Motiv entdecken. Die meisten Zeichnungen entstünden auch ungeplant, sagt die Neunburgerin. Sie will ganz ohne Druck und lange Planung zeichnen. Das würden die besten Bilder entstehen, ist die zweifache Mutter überzeugt. „Wenn ich mir langfristig vornehme, an einem Tag zu zeichnen, dann finde ich garantiert kein Motiv, was mir gefällt“, sagt sie.

Für das Oberpfälzer Seenland bietet die zertifizierte Gästeführerin Stadtrundgänge an, bei denen sich die Teilnehmer auch auf Urban Sketching Art Neunburgs Gassen erkunden können.

In den Räumen ihres ehemaligen Ateliers Paulamiezmiez, die sich unter der eigenen Wohnung befinden, hängen zahlreiche Zeichnungen, die in den zurückliegenden zwei Jahren entstanden sind.
Sie gestaltete im Goldenen Buch der Stadt die Seite für den Besuch von Thomas Müller.