SEK sprengt sich Weg frei – Mann aus Regensburg sollte in die Psychiatrie

Elitepolizisten haben am Freitagabend einen 38-Jährigen in Regensburg überwältigt. Der Einsatz sorgte für Aufsehen. Wegen eines Amoklaufs stand der psychisch Kranke schon einmal vor Gericht.
Stundenlang hat ein 38-Jähriger am Freitag die Einsatzkräfte von Polizei, Rettungsdienst und Feuerwehr beschäftigt – ohne es zu wissen. Ein Spezialeinsatzkommando überwältigte den Mann gegen 17.15 Uhr im Westen Regensburgs, um ihn in ein psychiatrisches Krankenhaus zu bringen. Das bestätigte Polizeisprecherin Kerstin Stolze. „Es hat zu keiner Zeit eine Gefahr für Unbeteiligte bestanden“, betonte sie. Ein Unbekannter war der Mann nach MZ-Informationen aber nicht – 2015 versetzte er Kallmünz bei einem Amoklauf in Angst und Schrecken.
Zugriff gegen 17.15 Uhr - Ohrenzeugen berichten von Explosion
Großräumig hatte die Regensburger Polizei den Einsatzort abgeriegelt. Etwas abseits des Hauses, in dem der Mann wohnte, warteten Retter im sogenannten Bereitstellungsraum, um im Ernstfall sofort zur Stelle zu sein. Nötig war das am Freitag aber dann doch nicht.
Begonnen hatte der Einsatz laut Stolze bereits in den Mittagsstunden. Hintergrund war, dass der 38-Jährige in eine Klinik eingewiesen werden sollte. „Dabei haben wir die Stadt unterstützt.“ Vorangegangene Äußerungen des Mannes hätten dahingehend „eine erhöhte Gefährdungslage“ nahegelegt. Deshalb seien zur Durchsetzung des Beschlusses Spezialkräfte angefordert worden.
Gegen 17.15 Uhr griffen die SEK-Beamten dann zu. Aus sicherer Entfernung war deutlich eine Explosion zu hören, berichteten Ohrenzeugen. Kurz darauf fuhr der Rettungswagen in die Straße. „Er konnte ohne Widerstand in Gewahrsam genommen werden“, sagte Stolze, Sprecherin der Polizeiinspektion Regensburg Süd.
Dass den Zugriff Elitepolizisten des SEK übernahmen, hatte aber einen weiteren Grund. Den wollte Polizeisprecherin Kerstin Stolze nicht bestätigen. Der 38-Jährige war bekannt – das SEK hatte nach MZ-Recherchen bereits im April 2015 mit ihm zu tun. Damals hatte der psychisch kranke Mann in Kallmünz für einen nie dagewesenen Einsatz gesorgt. Als ein Spezialeinsatzkommando damals ein Haus stürmte, legte er Feuer und griff die Beamten mit einem Flammenwerfer an. Ein Polizist wurde beim Zugriff verletzt, zwei weitere schon im Vorfeld.
Einsatz 2015 in Kallmünz: Mann griff Arzt an
Angefangen hatte an jenem Freitagabend im April 2015 offenbar alles auf dem Marktplatz. Dort hatte der Mann randaliert. Menschen waren voller Angst geflüchtet, als er einen geparkten Porsche-SUV demolierte. Schon zuvor hatte er einen Mediziner angegriffen, der einer Angehörigen helfen wollte. Der Arzt sprach im späteren Prozess von Todesangst: „Ich konnte nur noch röcheln und dachte mir: Jetzt stirbst Du in einer Apotheke.“ Als der Arzt wieder zu Bewusstsein kam, gelang ihm die Flucht.
Vorbei war es jedoch nicht: Der Angreifer, der sich in einem psychischen Ausnahmezustand befand, verschanzte sich in einer Wohnung. Vorsichtshalber ließ die Polizei die Umgebung räumen. Gott sei Dank – denn am Abend flog eine Flasche mit Säure aus dem Fenster in Richtung der Einsatzkräfte. Die griffen gut acht Stunden später, gegen 4 Uhr morgens, zu. Das SEK empfing der heute 38-Jährige damals mit einer Feuerlanze. Es gelang den Elitepolizisten jedoch, ihn zu überwältigen. Die schon in Bereitschaft gehaltene Feuerwehr benötigte gut eine Stunde, um den Brand zu löschen.
38-Jähriger wurde in eine psychiatrische Klinik eingeliefert
Dafür wurde dem Mann gut zehn Monate später der Prozess vor dem Landgericht gemacht. Dabei ging es aber von vornherein nicht um eine Strafe, sondern um die Frage, ob er dauerhaft in die geschlossene Psychiatrie eingewiesen werden muss. Genau das ordnete das Schwurgericht schließlich im März 2016 an. „Nur glückliche Umstände und das besonnene Vorgehen der Polizei verhinderten, dass in dem Drama mehrere Personen den Tod fanden.“ So wurde die Entscheidung damals begründet.
Offenbar befand sich der 38-Jährige dort nicht mehr und war entlassen worden – wann, ist unklar. Die Polizei bestätigte, dass der Mann nun in eine psychiatrische Klinik eingeliefert wurde. „Für uns ist der Einsatz damit beendet“, so Stolze am Freitagabend. Weitere Auskünfte seien auch zum Schutz der Persönlichkeitsrechte nicht möglich.

