Parsberg: Möbelhof erfindet Möbel maps – Online-Shop wird mit Ladengeschäft verzahnt

Einen Onlineshop wollte Möbelhof-Geschäftsführer Martin Stephan nie. Trotzdem hat er in den vergangenen vier Jahren den Gegenwert eines ganzen Möbelhauses investiert, um genau solch einen zu schaffen. Der soll auch die Zukunft der stationären Filialen wie in Parsberg (Landkreis Neumarkt) sichern.
Hintergrund: „Schwanger gehen wir mit dem Thema schon sehr lange, eigentlich schon seitdem der stationäre Einzelhandel angefangen hat Webshops aufzubauen“, erzählt Stephan. Das Problem, das er schon damals erkannte und das jetzt zum Beispiel durch Filialschließungen im Mode- und Schuhbereich sichtbar wird, ist die Tatsache, dass die beiden Vertriebskanäle nicht miteinander verbunden sind.
„Wenn ich ein Onlineteam habe, das den Webshop betreibt, haben die den Erfolg ihrer Arbeit im Auge“, erklärt der Unternehmer den Zusammenhang. Folglich hätten sie keinerlei Interesse daran, dass der Kunde den Kauf im Internet abbricht und stattdessen den Laden aufsucht, um dort zu kaufen. Damit gehe aber ihm als Unternehmer die Chance verloren, den Kunden nach einer Beratung vielleicht ein besseres Produkt zu verkaufen oder Ware, die besser für seinen Verwendungszweck passt. Stephan: „Der Kunde sieht die Alternativen im Webshop gar nicht und kauft deshalb vielleicht das Falsche, ist in der Folge unzufrieden und kauft vielleicht künftig bei einem Mitbewerber ein.“
Ohne Kundenberatung verliert der Möbelhof Parsberg Umsatz
Denn der Kunde wisse oft sehr genau, dass ihn in einem Zimmer noch ein Sessel fehlt. Um aber ein stimmiges Gesamtkonzept zu verwirklichen, mit Farb-, Licht- und Textilberatung, brauche der Kunde die Unterstützung von Experten. Online aber fehlt der persönliche Kontakt.
Zudem falle die Möglichkeit weg, dass der Kunde im Geschäft noch etwas anderes sieht, was er sich dann kauft. „Folglich fehlen mir im Ladengeschäft die Zusatzumsätze. Ich kann die Mieten nicht mehr bezahlen und muss Filialen schließen“, sagt Stephan, der in den vergangenen vier Jahren zusammen mit der Puls GmbH aus Lauf – einem Profi bei der digitalen Transformation von Unternehmen – ein eigenes Online-Shop-Konzept entwickelt hat, das den Kunden und seine Einkaufserfahrung in den Mittelpunkt stellt.
So will er verhindern, dass der eigene Online-Handel seine Filialen kannibalisiert. Rund 15 Millionen Euro sind dafür geflossen. „Viel Geld für ein paar Einsen und Nullen, die man am Ende anders als eine neue Filiale nicht sieht“, scherzt Stephan, während er die Wichtigkeit des Vorhabens herausstellt.
Stationärer Handel auch in der Möbelbranche am Scheideweg
„Klar ist: Wenn sich der stationäre Handel nicht verändert, dann gibt es ihn irgendwann nicht mehr“, sagt Stephan. Ziel sei es, dem Kunden zu vermitteln: „Wir kennen dich und deine Bedürfnisse.“ Kein Telefonat, keine E-Mail, keine Chat-Nachricht und kein geliktes Produkt auf der Webseite gehe verloren. Alle Daten würden in die Beratung integriert. Und zwar an der Stelle, an welcher der Kunde sie in Anspruch nehmen will. Zuhause vor dem PC, am Handy oder vor Ort im Geschäft. Und so werde der Kunde – durch automatisierte und KI-gestützte Prozesse – zu der Ware geführt, die er braucht und die gegebenenfalls auch für ihn besorgt wird.
Das geht laut Stephan soweit, dass sich der Kunde anhand seiner daheim erstellten Merkliste durch die Ausstellung im Möbelhaus navigieren lassen kann. „Und wenn er sich dann beraten lassen will, kann er per Handyapp einen Verkäufer zu sich rufen.“ Ob der Kunde das Produkt dann online bestelle, im Laden kaufe, liefern lässt oder gleich mitnimmt sei dann egal, weil der gesamte Verkauf am gemeinsamen Unternehmenserfolg arbeite.
Möbelhof Parsberg als Entwicklungshelfer für die Branche
Stephan betrachtet den Möbelhof mit dieser Innovation als „Entwicklungshelfer der Branche“. Zuletzt seien Vertreter eines Branchenriesen, der dem gleichen Einkaufsverbund wie der Möbelhof angehört, in Parsberg gewesen. „Sie haben sich die Idee beeindruckt angeschaut und gesagt: Führt das mal ein. Wenn es funktioniert, machen wir das auch.“
Gut zu wissen
Historie: 1980 gründete Georg Stephan das Parsberger Unternehmen mit nur drei Mitarbeitern auf einer Verkaufsfläche von 1000 Quadratmetern.
Filialen: Heute besitzt die Filiale in Parsberg eine Verkaufsfläche von rund 25 000 Quadratmetern, dazu gibt es am Standort noch das Möbelhof-Center mit Küchen-Centrum. 2008 wurde zudem die Filiale in Ingolstadt mit rund 40 000 Quadratmetern Verkaufsfläche eröffnet.
Mitarbeiter: An den beiden Standorten beschäftigt die Firmengruppe nach eigenen Angaben im Schnitt 400 bis 450 Mitarbeiter.
Möbelhof-App: Die innovative App ist inzwischen fertiggestellt. Sie soll mit dem Relaunch der Website voraussichtlich im Frühjahr 2025 eingeführt werden.
us
