Der Technologie Campus Parsberg-Lupburg ist „Handlanger für Unternehmen“ – das ist der Grund

Von Markus Rath · 11. Oktober 2024 um 02:13

Rückblende: Am 31. Mai 2019 übergab Parsbergs Bürgermeister Josef Bauer die Schlüssel für den Technologie Campus Parsberg-Lupburg an die Präsidenten der OTH Regensburg und der TH Deggendorf. Gleichzeitig hinterließ Finanzminister Albert Füracker einen dicken Scheck – quasi das Startkapital für die ersten fünf Jahre.

Herr Schmailzl, Sie selbst und ihr heutiger Nachfolger Korbinian Schröcker gehörten zu den Ersten, die als Wissenschaftler an den Technologie Campus kamen. Wie muss ich mir den Moment vorstellen, an dem Sie das erste Mal die Tür aufgesperrt haben?

Anton Schmailzl: Im Prinzip war das Gebäude leer. Es gab keine Stühle, keine wissenschaftlichen Geräte. Nur die grundlegende bauliche Infrastruktur. Strom, Wasser, Lüftung. Sprich wir hatten ein modernes Gebäude, das auf den Bedarf für unseren Forschungsbereich, vor allem die additive Fertigung, zugeschnitten ist. Denn wir waren ja schon von der Planung an eingebunden.

Korbinian Schröcker: Man kommt mit einer Kiste an – drin liegen Laptop, Maus und Tastatur – und bezieht ein Büro. Das ist quasi wie der Neubezug einer Wohnung. Alles, was man braucht, muss man heranschaffen.

Wie hat sich das für Sie angefühlt?

Schröcker: Man stellt sich darauf ein, dass man hier eine lange Zeit verbringen wird. Und es schwingt natürlich immer mit, dass ich was komplett Neues habe, das ich von Null weg begleiten und aufbauen kann. Und das war zu dem Zeitpunkt meine Motivation. Die Chance, sich zu verwirklichen und etwas zu gestalten, wenn quasi noch nichts da ist. Wer ein leeres Whiteboard vor sich hat, hat alle Möglichkeiten.

„Wer ein leeres Whiteboard vor sich hat, hat alle Möglichkeiten.“

Also die berühmte leere Leinwand, die noch ein Bild braucht.

Schmailzl: Genau. Ich glaube, da kann ich für alle Mitarbeitenden sprechen, die im Juli 2019 hier ihren ersten Arbeitstag verbracht haben. Es war eine Aufbruchstimmung, die gepaart war mit großem Tatendrang. Weil es eben nicht gewöhnlich ist, dass man in ein komplett neues Gebäude einzieht, um dort Dinge zu erforschen, die es noch nicht gibt. Deshalb war von Beginn an jeder voll bei der Sache.

Und dann sitzt der junge Forscher im Büro, hat seinen Laptop dabei und legt los.

Schmailzl: Das Ganze beginnt schon früher. Der Technologie Campus ist ja ein Technologietransferzentrum. Das bedeutet, wir sollen Wissen und Technologie aus der Hochschule in die Wirtschaft bringen und so einen Mehrwert für die Region generieren.

Wie funktioniert das?

Schröcker: Man muss sich das so vorstellen, dass ein Unternehmen, das eine innovative Idee hat, diese zusammen mit der Hochschule vorantreiben will. Dafür kann man Forschungsgelder beantragen, zum Beispiel beim Bund oder beim Freistaat Bayern. Dadurch reduziert sich das Risiko für die Unternehmen und der Staat schafft einen Anreiz für Firmen, an innovativen Ideen zu arbeiten.

Schmailzl: Der Campus profitiert, weil er sich über diese Forschungsprojekte finanziert. Das ist aber für die Region nur von Vorteil, wenn Themen bearbeitet werden, die für die Region relevant sind. So ist die Ausrichtung auf additive Fertigung, Maschinenbau und Digitalisierung entstanden. Unter dieser Maßgaben haben wir die ersten zwölf Mitarbeitenden gesucht und sie quasi an der OTH Regensburg geparkt.

Und nach dieser Maßgabe wurde, mit dem Geld vom Freistaat, die Ausrüstung gekauft?

Schröcker: Das fängt bei Standardanalysegeräten wie zum Beispiel bei Mikroskopen, Zugprüfmaschinen oder Klimawechselschränken an und hört dann bei Maschinen zur Lasermaterialbearbeitung oder zum 3D-Druck auf.

Was war denn die teuerste Anschaffung?

Schmailzl: Das technische Highlight und gleichzeitig ein Gerät, das wir sehr stark frequentieren, ist das Rasterelektronenmikroskop mit einem Wert von rund 750 000 Euro.

Sehr viel Geld. Muss ein operativer Leiter da jemanden Fragen oder entscheidet er selber, was er braucht beziehungsweise gerne hätte?

Schmailzl: Tatsächlich mussten wir dafür erst einen Evaluierungsprozess durchlaufen. Dabei wurde geprüft, ob eine solche Beschaffung aus wissenschaftlicher Sicht auch als sinnvoll erachtet wird.

Was positiv beschieden wurde?

Schmailzl: Und deshalb steht das Rasterelektronenmikroskop jetzt seit einem Jahr bei uns am Campus und ermöglicht es, dass wir einen sehr detaillierten Blick auf nahezu alles werfen können, egal ob Metall oder Pflanze. Für einen Forscher ist das ein Traum, weil er damit Materialen sehr weitreichend analysieren kann.

Wie wird diese Wunderwaffe der Forschung konkret benutzt?

Schröcker: Bei uns in der Materialwissenschaft ist es natürlich sehr wichtig, solche Analytikgeräte zu haben, um zum Beispiel festzustellen, wie sich ein bestimmtes Fertigungsverfahren auf ein bestimmtes Material auswirkt. So können wir auch erforschen, welche Verfahren besser zu welchem Werkstoff passen. Gleichzeitig ist es auch für die Region ein Aushängeschild, weil kleine und mittelständische Unternehmen darauf zugreifen können, ohne es selbst anschaffen zu müssen. So sind wir zum Beispiel in der Lage zu untersuchen, warum ein mechanisches Bauteil versagt hat. Ein mechanischer Bruch kann auf den ersten Blick viele Ursachen haben, zum Beispiel auch Materialermüdung. Die Analyse unter dem Rasterelektronenmikroskop zeigt das.

„Jeder ausgegebene Euro, bringt Know-how-Gewinn für Region.“

Von der Ausstattung zurück zum Campus selbst. Das fünfjährige Bestehen ist ja nicht nur ein erstes kleines Jubiläum, sondern auch eine besondere Zäsur. Warum?

Schmailzl: Zum Start hat der Campus 6,6 Millionen Euro Anschubfinanzierung vom Freistaat erhalten. Außerdem haben Parsberg und Lupburg das Gebäude gebaut, bezahlt und für fünf Jahre die Betriebskosten übernommen. Jetzt steht die Evaluation an. Dabei wird der Nutzen der Forschungseinrichtung für die Hochschulen geprüft und festgestellt, ob wir unseren Auftrag erfüllen.

Tun Sie das?

Schmailzl: Im September 2024 sind wir fünf Jahre in Betrieb. Und ich denke, dass wir mit den Kennzahlen auf jeden Fall mehr als zukunftsfähig sind und in eine prosperierende Zukunft blicken. Wir haben 34 Mitarbeitende, wir arbeiten aktuell an zwölf groß angelegten Forschungsprojekte und hatten im vergangenen Jahr einen Umsatz von circa einer Million Euro. Insgesamt haben wir in den ersten fünf Jahren Forschungsgelder von rund sieben Millionen Euro generiert.

Was bedeutet eine positive Evaluierung?

Schröcker: In diesem Fall übernimmt der Freistaat Bayern die Grundsicherung. Das bedeutet für die Stadt Parsberg, dass die Investition ins Gebäude Geld abwirft, weil der Freistaat Miete bezahlt.

Schmailzl: Gleichzeitig etabliert sich der Technologie Campus als Handlanger für kleinere und mittlere Unternehmen. Jeder Euro, den wir durch direkte Kooperationen mit Unternehmen oder über Forschungsförderung ausgeben, bringt einen Know-how-Gewinn für die Region.