Regensburger Urgestein: Hadi Rad schließt seinen Teppichladen nach 35 Jahren harter Arbeit

Von Lilly Mantel · 25. Oktober 2024 um 14:50

„Alles muss raus“ – steht in Großbuchstaben im Schaufenster des Teppichladens am Regensburger Kohlenmarkt. Nach 35 Jahren schließt Hadi Rad seinen Laden mit erlesenen Perserteppichen. Der Inhaber zieht sich in den Ruhestand zurück.

Hadi Rad wartet schon vor seinem Geschäft, während er den Passanten auf der belebten Gasse zusieht. Im Gespräch berichtet er bereits auf dem Weg ins Geschäft von seiner Lebensgeschichte. Rad hat in Teheran Betriebswirtschaft studiert. „Damals hieß es noch Allgemeine Ökonomie“, sagt er. Später kam er nach Regensburg. Rad versuchte sich hier zunächst in der Medizin. Während des Physikums brach er dann aber ab. „Ich war schon 26, und die anderen Erstsemester waren alle 19. Da habe ich gemerkt, dass das nichts für mich ist“, sagt Rad.

Ein Leben im Teppichhandel

1990 eröffnete Rad dann seinen Teppichladen zunächst in der Malergasse, bevor er sechs Jahre später zum Kohlenmarkt umzog. Seitdem ist sein Laden fester Bestandteil der Altstadtkulisse. Doch im Jahr 2025 soll Schluss sein. „Mit 67 in den Ruhestand zu gehen, das war für mich immer das Ziel, denn es ist in Deutschland so üblich“, sagt Rad.

„Alles muss raus“, lautet die Devise. Wann genau sein Laden schließt, weiß Rad noch nicht. Fest steht nur: Die Ware muss erst raus, bevor er zumacht. Rad rechnet vor allem in den Wintermonaten mit einer hohen Nachfrage. Von Oktober bis Ostern sei bisher immer die verkaufsstärkste Zeit gewesen. Als Anreiz gibt es Rabatte: bis zu 50 Prozent auf moderne und teilweise bis zu 70 Prozent auf klassisch-persische Teppiche. Alles, was Rad noch an Teppichen hat, liegt im Verkaufsraum aus. Rad lebt seit mehr als 40 Jahren in Regensburg. Seine ursprünglichen Händlerkontakte hat Rad aber in seinem Heimatland und über die Familie geknüpft. „Kontakte sind sehr wichtig, gerade in einem kapitalintensiven Geschäft wie dem Teppichhandel“, sagt er. Teppiche haben Rad schon immer fasziniert. „Meine Familie hatte zu Hause immer einen Teppich“, sagt Rad. In seiner Studienzeit habe er zwei Teppiche in Persien mitgenommen und danach weiterverkauft. Diese Tradition hat er in seinen Laden übertragen, der mit handverlesenen Unikaten ausgestattet ist. Einige besonders wertvolle Stücke sind Ghom Seide-Teppiche. Diese hätten einen hohen Luxusstand; „edler als Armani oder Gucci“, sagt Rad. Die meisten Kunden würden sich nicht einfach mal so einen Perserteppich kaufen, erzählt er.

Dass sein Laden bald schließt, schmerzt Rad auch ein wenig. „Ich habe den Laden allein aufgebaut und betrieben. Das war mein Leben“, sagt er. Und das mit nur einer Woche Urlaub im Jahr. Trotzdem freut er sich auf den Ruhestand. Rad möchte nach Asien und Lateinamerika reisen, um die Kulturen kennenzulernen. Es kommen immer noch Kunden, die er schon zu Zeiten der Malergasse kannte. Auch, um einfach mal „Hallo“ zu sagen. „Viele meiner Kunden sind Freunde geworden“, sagt Rad.

Luxussymbol der 80er Jahre

Früher war der Perserteppich ein Symbol für einen hohen Lebensstandard. „In den 70er, 80er und 90er Jahren bedeutete Wohlstand: ein Mercedes vor der Garage und ein Perserteppich im Wohnzimmer“, sagt Rad. Heute seien schlichtere und hellere Teppiche gefragt, die sich besser an moderne Wohnstile anpassen.

Im Alltag telefoniert Rad mit seinen Händlern, liest und bildet sich weiter. „Ich fühle mich ein bisschen wie ein Akademiker“, sagt Rad und setzt den Begriff lächelnd in Anführungszeichen. Die Zeit zwischen Beratungsgesprächen und Telefonaten verbringe er mit einem Buch in der Hand. Besonders begeistert er sich für Nietzsche.

Beim Rundgang durch seinen Laden zeigt er stolz die Vielfalt der Teppiche. Vor allem bei den klassischen bleibt er stehen und erklärt: „Nach dem Zweiten Weltkrieg wollten die Menschen Farben sehen – Faszination Farbe war entscheidend.“ Doch die Zeiten ändern sich, und heute sei dies anders.

Rad wird sich bald von seinen Teppichen und der Altstadt verabschieden. Ein letztes Mal wird er seine Schätze verkaufen – und danach bleibt nur noch der Abschied von 35 Jahren Teppichgeschäft.

„Alles muss raus“ – auf verschiedene Teppiche gibt es ab jetzt auch Prozente.