Waldmünchen: Der wichtige Parkplatz am Ende Deutschlands

Dieses Jahr hat die Stadt die Dorfstraße in Untergrafenried wiederhergestellt. Endpunkt ist ein Parkplatz direkt an der Grenze. Von hier aus kann man ins verschwundene Dorf Grafenried gehen.
Der Planer vom Ingenieurbüro Altmann, Christian Simeth, hatte bei der Vorstellung des Projektes den Parkplatz angesichts der touristischen Bedeutung und der Nutzungsfrequenz als „sehr, sehr sinnvoll“, bezeichnet.
Große Bedeutung
Am Dienstag hat Manuela Schmidt in der Ausschusssitzung des Stadtrates die saisonalen Zahlen für den Tourismus vorgestellt. Rund 31 000 Gästeankünfte gab es bis Anfang Oktober in Waldmünchen. Wir wollten von der Leiterin der Touristinfo wissen, wie wichtig für diese 31 000 Menschen das verschwundene Dorf Grafenried ist.
Das verschwundene Dorf hat „große Bedeutung“, sagt sie überzeugt. Die meisten Besucher von Waldmünchen, die in die Touristinfo kämen, hätten sich vorher kaum darüber informiert, was an ihrem Urlaubsort zu erwarten sei, sagt Schmidt. Wenn sie dann im Gespräch erfahren, was alles in der Region möglich sei, und das Thema verschwundenes Dorf auftaucht, dann würden die meisten „sehr neugierig“. Die Standardreaktion sei: „Da müssen wir hin!“ Oft werde das mit einer Tageswanderung von Waldmünchen aus verbunden, oder die Urlauber würden direkt nach Untergrafenried fahren.
Die Nachfrage nach Besuchen im verschwundenen Dorf lässt sich sogar objektiv beweisen. „Die Flyer über Grafenried werden uns aus den Händen gerissen“, sagt die Tourismuschefin in der Ausschusssitzung zu den Stadträten. Der eigentliche Flyer sei bereits komplett vergriffen, momentan behelfe man sich mit Kopien.
Es gebe aber auch eine andere Art von Besuchern von Grafenried, berichtet Schmidt, wenn sie auch die kleinere Gruppe seien. Die hätten von den untergegangenen Dörfern im Grenzgebiet gehört oder wüssten oft sogar, dass ihre Ahnen aus einem der Dörfer stammten. Die hätten auch von Grafenried gehört und wollten es besuchen.
Diese Gruppe sei meistens in der Altersgruppe 50+. Es seien Menschen, die in einer Lebensphase seien, in der sie Zeit hätten, sich mit solchen Themen wie Herkunft und Vorfahren zu beschäftigen, vermutet Schmidt. Oft seien es ganze Familien, die sich auf die Suche nach verschwundenen Dörfern macht. Diese Gruppe besuchte die Touristinfo dann meist, um zusätzliche Informationen zu erhalten. Oft fragten sie auch, wie man zu einem bestimmten verschwundenen Dorf kommen könnte, aus dem ihre Vorfahren stammten. Solchen Leute könne oft mit einer Karte des tschechischen Heimatforschers Zdenek Procházka weitergeholfen werden, die die verschwundenen Dörfer zeige.
Der neue Parkplatz an der Grenze bei Untergrafenried ist fast immer genutzt. Bei so ziemlich jedem Besuch ist hier ein Auto geparkt. Dass es keine Einheimischen sind, die hier stehen, sieht man an den fremden Kennzeichen. Dabei parken nicht nur deutsche Fahrzeuge hier, sondern oft auch tschechische Pkw, deren Insassen die günstige Zufahrt von der deutschen Seite nutzen. „Ganz allein ist man im verlassenen Dorf sehr selten“, beschreibt es die Leiterin der Touristinfo. Welche Bedeutung dem verschwundenen Dorf zukommt, ist Bürgermeister Markus Ackermann vollkommen bewusst. Am Rande der Ausschusssitzung erzählt er, dass er selbst immer wieder Gruppen durch Grafenried führe und erlebe, wie ergriffen die Menschen teilweise seien. „Besser kann man die europäische Geschichte nicht erlebbar machen“, sagt Ackermann.
Erhalt der Wege
Der Bürgermeister macht klar, dass die Ausgrabungsarbeiten im Dorf derzeit nicht weiterbetrieben werden. Die Helfer kümmerten sich um den Erhalt der freigelegten Teile, des Friedhofs und der Wege. Auf die Frage, ob es für eine Stadt nicht schwierig sei, ein Projekt nicht nur in einer anderen Gemeinde, sondern in einem anderen Staat zu unterstützen, nickt Ackermann. Man behelfe sich, indem man materiell unterstütze, und Gerätschaften und Betriebsstoffe stelle.