Forstwirtschaft: Genügend Holz für die nächsten 20 Jahre

Von Martin Hladik · 25. Oktober 2024 um 11:00

Tausende von Quadratmetern Lagerplatz, meterhoch mit gestapeltem Holz belegt, das wollte Josef Liegl Waldbesitzervereinigungen und Politikern auf dem Holzlagerplatz in Schönthal zeigen. „Wald trifft Kommune“ war die Veranstaltung der Forstwirtschaftlichen Vereinigung betitelt. Alle Redner machten vor allem eins zu ihrem Thema: Holz als Energielieferant habe zu Unrecht ein schlechtes Image in der Bundes- und in der Europapolitik.

Als erster Redner machte Liegl als Vorsitzender der Forstwirtschaftlichen Vereinigung deutlich, dass das Ziel solcher Lagerplätze sei, eine „wirkungsvolle Verwendung“ der Biomasse Holz zu ermöglichen. Es dürfe nämlich nicht so sein wie 2019/20 in der Hochzeit der Borkenkäferplage in Oberfranken, dass Hackschnitzel im Wald liegen und unverkäuflich seien. Beim Verrotten im Wald setze das Holz genau so viel CO2 frei, wie beim Verbrennen. Erst der Ukrainekrieg habe ein Umdenken gebracht: „Jeder wollte Hackschnitzel kaufen!“ Das sei jetzt wieder abgeflaut.

Dass genügend Holz vorhanden sei, das habe die Bundeswaldinventur deutlich gemacht. Allein in Bayern stehe ein Vorrat von einer Milliarde Festmeter Holz. Besonders viel im Privatwald. Im Jahre wachsen in Bayern etwa 25,7 Festmeter zu. Nur 86 Prozent davon würden verbraucht. „Wir übernutzen den Wald nicht!“, sagte Liegl.

Den Zuhörern war kalt

Der nächste Redner war Martin Kiesl von der Regierung der Oberpfalz. Dort leitet er den Bereich Wirtschaft. Kiesl gewann die Zuhörer zunächst für sich, in dem er ansprach, was alle Zuhörer bewegte: Die deutliche Kälte in der offenen Lagerhalle. Lächelnd sagte er: „Hier funktioniert die Heizung nicht!“ Dass Liegl jedem Redner als Geschenk eine Decke überreichte, passte dazu.

Bis 2040 wolle Bayern klimaneutral sein, stellte Kiesl fest. Bei der Wärmeerzeugung sei da noch ein weiter Weg zurückzulegen. Bisher würden nur 17 Prozent des Wärmebedarfs über Erneuerbare Energien erzeug. Gerade hier spiele Energieholz eine wichtige Rolle. Bund und EU sähen aber Holz wegen des bei der Verbrennung erzeugten CO2 negativ. Der Freistaat betrachte aber die Gesamtbilanz. So gesehen sei Holz nachhaltig. Eine Chance für die Energieerzeugung mit Holz sei die kommunale Wärmeplanung, die kleinere Kommunen bis 2028 leisten müssen.

Die Botschaft der EU und des Bundes, es sei schädlich mit Holz zu heizen, „ist grotesk“, sagte Landrat Franz Löffler. Dabei sei „Holz einer der wenigen Rohstoffe, die wir haben!“ Dass der Wald nicht überbeansprucht werde, zeige auch die Entwicklung im Landkreis. In den 70er Jahren seien 40 Prozent der Flächen Wald gewesen, heute seien es 43 Prozent.

Es werde schwierig werden, so Löffler, die Idee der deutschen Exportwirtschaft auf Grundlage von billigem Öl und Gas fortzusetzen. Die Wirtschaft müsse sich mehr auf regionale Kreisläufe konzentrieren. Dabei dachte Löffler auch an die Nutzung von Holz. Im Landkreis gebe es bereits 33 Prozent Holzhäuser, bei den gewerblichen Bauten seien 50 Prozent aus Holz. Energieholz werde kommunal in Heizkraftwerken in Lam, Bad Kötzting, Cham und Waldmünchen genutzt. Die Struktur des Waldes im Landkreis sei zu 70 Prozent Privatwald. Der Wald sei kleinstrukturiert. Der durchschnittliche Privatwald-Besitzer habe drei Hektar. Zusammenfassend sagte Löffler: „Der Wald ist unsere Heimat und hat so viel Potenzial.“

Über die Holzenergie als Baustein der Wärmewende, sprach Ludwig Friedl. Er ist Vorsitzender der Bayerischen Energieagenturen. „Der Wald hat keinen guten Ruf“, sagte er einführend. Das müsse verändert werden. Zunächst machte er deutlich, dass viele Firmen, die sich mit Erneuerbaren Energien beschäftigten, in Not seien. Sie müssten die nächsten Jahre überstehen. So sei der Verkauf von Biomasse-Heizkesseln um 74 Prozent eingebrochen und der von Wärmepumpen um 54 Prozent. Im gleichen Zeitraum seien 15 Prozent mehr Ölheizungen verkauft worden. „Das ist tragisch!“, sagte Friedl, und zwar auch im ökonomischen Sinne. Die Ölheizungskäufer würden in den nächsten 15 Jahren draufzahlen.

Die Lobbyisten erneuerbaren Energien hätten sich zum Teil gegenseitig behindert. Solarvertreter hätten die Biomassenutzung schlecht geredet und umgekehrt. Die Lobby der fossilen Energie hätte dagegen gut gearbeitet. Der CO2-Rechner des Umweltbundesamtes basiere auf einem Rechner von „Ökoaktivisten“. Die dort berechneten Ergebnisse für die CO2-Bilanz von Holz seien „Fake-News“, sagte Friedl.

Den Menschen müsse gezeigt werden, dass Holzheizungen Hightech seien und das Holz „über 50 Prozent günstiger als Öl/Gas ist“. Als Türöffner zu einem neuen Umgang mit Holzenergie sieht Friedl dabei die Kommunale Wärmeplanung. Hier werde immer auch Biomasse mitgerechnet. Es werde sich eine kombinierte Nutzung verschiedene erneuerbarer Energien ergeben.

Es gibt genug Holz

Biomasse sei für die nächsten 20 Jahre eine „Brückentechnologie“, weil in den nächsten 20 Jahren wegen des Waldumbaus immer genügend Holz vorhanden sein werde.

Den Waldumbau griff auch Simon Lesche von Technologie- und Förderzentrum (TFZ) auf. Die Vielfalt der Bäume nehme zu. Wegen des Waldumbaus, aber auch wegen des Schadholzes durch Käfer und Sturm , sei der Bestand an Fichten um 17 Prozent zurückgegangen. „Der Waldumbau läuft, aber er ist noch nicht fertig.“ Im Vorfeld des Termins habe er sich im Bayernatlas über Schönthal kundig gemacht. Das hiesige Energieholzpotenzial reiche, um 1000 Haushalte zu versorgen.

„Der Wald ist unsere Heimat und hat soviel Potenzial.“Franz LöfflerLandrat
„Es gibt mehr Aufwuchs als Nutzung.“Martin KieslRegierung der Oberpfalz
„Der Wald hat keinen guten Ruf.“Ludwig FriedlBayerische Energieagenturen
„Der Waldumbau ist noch nicht fertig.“Simon LescheTFZ Straubing