Burglengenfelder Räte bieten Behörde und Investor weiter die Stirn

Die Geschichte über das jahrelange Ringen eines Investors um ein Wohnbauprojekt in der Johann-Sebastian-Bach-Straße 1 ist um ein Kapitel reicher: Der Bau-, Umwelt- und Verkehrsausschuss des Burglengenfelder Stadtrats hat am Mittwoch auch für den jüngsten Änderungsantrag (Tektur) sein gemeindliches Einvernehmen verweigert. Damit ignorierte das Gremium ein weiteres Mal nicht nur die gegenteilige Empfehlung der Stadtverwaltung, sondern auch die des Landratsamts.
Wie berichtet, gibt es für das 3650 Quadratmeter große Grundstück Johann-Sebastian-Bach-Straße 1 seit 2017 Nachverdichtungs-Pläne. Ein Investor aus der Marktgemeinde Bruck, der das Areal erworben hatte, wollte zwei Mehrfamilienhäuser mit jeweils zwölf Wohnungen erstellen. Der Stadtrat lehnte das Vorhaben ab, weil es für die Umgebung mindestens eine Nummer zu groß sei, wurde aber vom Landratsamt übertrumpft. Eine Nachbarin, die gegen die Genehmigung geklagt hatte, zog ebenfalls den Kürzeren.
Klage ist noch anhängig
2020 wechselte das Grundstück erneut den Besitzer. Aktuelle Eigentümerin ist die Oktagon Immobilien GmbH mit Sitz in Regensburg. Ihr Geschäftsführer, der aus dem Städtedreieck stammt und daher anonym bleiben möchte, legte im Frühjahr 2021 neue Pläne vor, die sogar drei Mehrfamilienhäuser mit 30 Wohnungen vorsehen. Im Oktober 2022 erteilte das Landratsamt die Genehmigung, doch nun klagte die Stadt. Entschieden ist darüber bis heute nicht.
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Als heuer die ursprüngliche Baugenehmigung abzulaufen drohte, ging der Investor in die Offensive und ließ einen Bagger anrollen. Doch bis auf eine Baustraße und eine erste Bodenplatte, die angeblich nur für Garagen dienen soll, ist seitdem nicht mehr viel geschehen. Der Bauherr wollte dies nicht näher kommentieren. Er sei, so sagte er dieser Tage hörbar frustriert, „niemandem Rechenschaft schuldig“.
Alternative vorgeschlagen
Ende 2023 hatte der Unternehmer eine weitere Tektur eingereicht. Der Bauausschuss legte sich im Januar aber erneut quer. Die Gebäude seien nach wie vor „zu wuchtig“, hieß es. Als Alternative wurde zu Ein- oder Zweifamilienhäusern geraten. Das Landratsamt akzeptierte das Nein nicht und erinnerte daran, dass die Gemeinde das Einvernehmen nur unter bestimmten Voraussetzungen verweigern dürfe. Diese lägen im konkreten Fall aber nicht vor.
Eine „eingehende Prüfung des Antrags“ durch die Untere Baubehörde sowie durch Fachstellen habe ergeben, dass „aus bauplanungsrechtlichen Gründen keine Bedenken gegen die Verwirklichung des Vorhabens bestehen“, heißt es in einem Schreiben der Behörde. Anders als von den Stadträten dargestellt, füge sich das Projekt sehr wohl „in die Eigenart der näheren Umgebung“ ein, das Ortsbild werde nicht beeinträchtigt. Als Beleg dafür verwies das Landratsamt auf Anwesen wie die Richard-Wagner-Straße 12, die ähnliche Abmessungen wie das neue Vorhaben hätten.
Kreisverwaltung bot erneut Chance zum Einlenken
Das Einvernehmen der Stadt sei deshalb zu ersetzen, heißt es weiter. Bis 18. November sollten die Mitglieder des zuständigen Ausschusses aber noch einmal Gelegenheit haben, ihre Haltung zu korrigieren. Dem entsprechend bat auch die Verwaltung am Mittwoch um eine erneute Entscheidung und legte dem Ausschuss ans Herz, das Vorhaben abzusegnen.
Bürgermeister Thomas Gesche (CSU) warb dafür um Verständnis – und kündigte gleichzeitig an, dass er persönlich wieder mit Nein stimmen werde. Thomas Hofmann, stellvertretender Sprecher der CSU-Fraktion, sprach von einem „Kasperltheater“. Auch er sei nicht bereit, die Auffassung des Landratsamts zu übernehmen. Im Übrigen störte ihn der Tonfall im Behördenbrief, die Nachbarn des Bauareals hätten die Nachverdichtung zu dulden, müssten sich also fügen.
Mahnendes Beispiel Lindenstraße
Hans-Edmund Glatzl (BFB) wiederholte, nicht grundsätzlich gegen Nachverdichtung zu sein. Das Vorhaben für die Johann-Sebastian-Bach-Straße sei aber inakzeptabel. Würde man es unterstützen, sei in der Folge gar keine Begrenzung mehr möglich, warnte er. Dem Viertel drohten weitere Projekte ähnlicher Art. Jedes aber würde noch mehr Verkehr verursachen. Was das bedeute, lasse sich am Beispiel Lindenstraße ablesen, für die man aktuell um Möglichkeiten zur Verkehrsberuhigung ringe.
Nach dem Motto „Es ist eh schon alles gesagt“ gab es seitens der Fraktionsgemeinschaft von SPD und Grünen keine Wortmeldung. Geschlossen weigerten sich aber auch sie, das Einvernehmen zu erteilen.
