Das Loch in der Rodinger Innenstadt soll weg: Stadtrat gibt grünes Licht für Bebauung des Brantl-Areals

„Hoffentlich zum letzten Mal“, wie es Bürgermeisterin Alexandra Riedl formulierte, befasste sich der Rodinger Stadtrat am Donnerstagabend mit der Aufstellung eines Bebauungsplans für das Brantl-Areal. Bei vier Gegenstimmen wurde dieser vom Gremium genehmigt. Die Stadt hofft, dass der Investor, die Raiffeisenbank Chamer Land, nun bald mit der Bebauung startet und das große Loch mitten in der Innenstadt endlich verschwindet, sagte Riedl.
Eine fast unendlich anmutende Geschichte kam durch den Beschluss am Donnerstagabend zu einem (vorläufigen) Ende im Stadtrat. Noch einmal wurden die Stellungnahmen der Fachstellen und die Einwände von Bürgern gegen die Pläne abgewogen. Seit fünf Jahren schon gibt es die große Baugrube an der Regensburger Straße. Ein erster Bebauungsplan des Investors war in der Auslegungsphase gescheitert, da es zu viele Einsprüche durch Nachbarn und Regierung gab.
Große Wohngebäude
Auf dem Areal einer ehemaligen Brauerei sollen große Wohngebäude entstehen, was auch aus Sicht der Stadt sehr wünschenswert sei, wie Riedl betonte, der Bedarf in diesem Sektor sei hoch.
Um seine nach ökonomischen Gesichtspunkten orientierten Wünsche zu verwirklichen, ohne städtebaulich anzuecken, seien in der neuen Planung zahlreiche Änderungen vorgenommen worden. So gibt es für die Gebäude nun drei verschiedene Baufenster statt eines großen, die bezüglich der Höhe auch eigene Bezugspunkte haben, da das Gelände nicht eben ist. Maßnahmen zum Schallschutz wurden eingearbeitet, bei der Dachgestaltung soll es ein 50:50-Verhältnis zwischen Begrünung und Photovoltaik-Anlagen geben. Die obersten Geschosse zu den Straßen hin werden um mindestens 2,5 Meter zurückversetzt, um die Gebäude weniger wuchtig wirken zu lassen. Beim Kinderspielplatz, der gebaut wird, ist die neue Satzung der Stadt einzuhalten. Außerdem sind nun weitere oberirdische Stellplätze eingeplant.
Fachstellen stimmen zu
Aus Sicht der Fachstellen und der Bauverwaltung der Stadt gebe es nun keinen Grund mehr, den Plänen nicht zuzustimmen, sagte Riedl. Auch Städtebauplaner Dr. Emil Lehner habe zugestimmt. „Städtebaulich hätten wir uns vielleicht alle etwas anderes gewünscht, aber das ist ein Kompromiss, mit dem man leben kann. Wichtig ist, dass das Loch endlich verschwindet“, erläuterte die Rathaus-Chefin.
Von vier Anwohnern, die teilweise anwaltlich vertreten werden, hatte es bei der erneuten Auslegung wieder Einwände gegeben. Es seien zahlreiche Gespräche geführt worden, um Lösungen zu finden, betonte Riedl, nun sei aber ein Punkt erreicht, an dem es nicht mehr vorangehe. Die Einwendungen wurden deshalb abgewogen, die Bauverwaltung kam zum Schluss, dass die Planung genehmigungsfähig ist.
Der Zeitpunkt sei nun gekommen, um zu einer Entscheidung zu kommen, sagte Dr. Michael Jobst (CSU): „Das Loch sieht fürchterlich aus“. Deshalb sprach er sich für die Genehmigung aus. „Es muss jetzt endlich etwas passieren“, stimmte ihm der Fraktionssprecher der Freien Wähler, Josef Messerer, zu. Die Stadt habe viel dafür getan, dass es weiter gehe. Der Investor habe sich bewegt, den vorliegenden Plänen könne man zustimmen.
Kritische Stimmen
Anders sah 3. Bürgermeister Alfred Stuiber (FPD) die Sachlage: „Die Gestaltung gefällt mir überhaupt nicht, das werden extreme Klötze.“ Zudem gebe es seiner Meinung nach keine vernünftige Wegführung, die Zufahrt zur Tiefgarage sei nicht verkehrssicher zu lösen. Dem stimmte sein Fraktionskollege Ulrich Kraus zu, der ebenfalls nicht für den Beschlussvorschlag votierte. Die Stadt brauche dringend weiteren Wohnraum, und das Loch müsse endlich verschwinden, meinte dagegen 2. Bürgermeister Dr. Reinhold Schoierer (Freie Wähler).
Letztlich stimmte das Gremium mehrheitlich für den Beschlussvorschlag, den Bebauungsplan aufzustellen. Damit liege der Ball wieder aufseiten des Investors, sagte Riedl, „ich hoffe, dass es nun bald losgeht.“
Stadtrat in Kürze: Telekom-Breitbandausbau und Finanzwirtschaft
Telefonate mit Telekom-Vertretern: Bei den Bekanntgaben erläuterte Bürgermeisterin Alexandra Riedl, dass sie mit Vertretern der Telekom mehrere Telefongespräche geführt habe, nachdem der Konzern den Breitband-Ausbau im Stadtgebiet eingestellt habe und viele Bürger auf ihre Hausanschlüsse warteten.
Baufirmen gingen pleite: Grund sei laut Angaben des Unternehmens, dass einige der Baufirmen, die für die Telekom arbeiten, insolvent gegangen sind, sagte Riedl.
Projekt in Roding nicht priorisiert: Die Telekom müsse deshalb priorisieren, welche Projekte zunächst fertig gestellt werden. Da es sich in Roding um einen eigenwirtschaftlichen Ausbau und nicht um ein gefördertes Projekt, bei dem es ein festes Datum, wann es fertig sein muss, gehe, stehe der Ausbau im Stadtgebiet derzeit still.
Spätestens im März soll es weiter gehen: Die Unternehmens-Sprecher hätten ihr aber versichert, dass es spätestens im März wieder weitergehe und dass alle Hausanschlüsse fertig gestellt werden, so die Rathaus-Chefin.
Abschluss und Tabellen genehmigt: Ohne Diskussion genehmigt wurden die Abschreibungstabellen der Stadt und der Jahresabschluss 2023, die Kämmerer Josef Zwicknagl vorgelegt hatte.
Bürgermeisterin entlastet: Ebenso wurde Bürgermeisterin Riedl einstimmig beim Jahresabschluss 2023 entlastet. Der Rechnungsprüfungsausschuss habe keine Mängel festgestellt, sagte dessen Vorsitzender Dr. Michael Jobst.