Nittenauer ließen bei Bürgerversammlung viele Stühle frei – Kritik an Planung für Baugebiet Annahaid

Was tut sich in der Stadt und wo drückt die Nittenauer der Schuh? Bei der ersten gemeinsamen Bürgerversammlung für alle Ortsteile im Rathaussaal hatten sie die Gelegenheit, Bürgermeister Benjamin Boml (FW) mit Fragen zu konfrontieren. Doch etliche Stühle blieben am Mittwochabend leer.
Rund 70 Teilnehmer waren gekommen und lauschten zunächst dem rund einstündigen Bericht des Rathauschefs. Er versorgte sein Publikum unter anderem mit einer ganzen Reihe von Daten zu Nittenau. Aktuell habe die Stadt 9920 Einwohner, 1605 davon seien Ausländer. Dabei bewege man sich sehr nah am bayernweiten Anteil von 16 Prozent an der Gesamtbevölkerung. Heuer habe man bislang 53 Sterbefälle zu verzeichnen gehabt, erfreulicherweise aber auch 53 Geburten sowie 36 Eheschließungen.
Stadt Nittenau hat viele Ausgaben
Wie Boml berichtete, habe die Stadt 2024 eine Menge an Investitionen getätigt. Er verwies dabei unter anderem auf die Generalsanierung des Kindergartens St. Josef, die im kommenden Jahr abgeschlossen werden soll. Zwar sei die finanzielle Situation der Stadt derzeit nicht gerade rosig, dennoch habe man nicht vor, im Zuge der Grundsteuerreform die städtischen Einnahmen zu erhöhen. „Wir wollen die Bürger nicht über die Maßen belasten“, erklärte Boml. Man habe sich deshalb für einen Hebesatz von 205 Prozent ab 1. Januar 2025 entschieden, um ähnliche Einnahmen wie in den Vorjahren zu erzielen.
Der Rathauschef informierte die Zuhörer auch über die Schließung der Grüngutannahmestelle an der Fischbacher Straße. Leider hätten ein paar wenige Bürger diese Einrichtung schamlos ausgenutzt und hier sogar Bauschutt abgeladen – weshalb man diese Annahmestelle nun habe schließen müssen.
Bezüglich der geplanten Hochwasserschutzmaßnahmen, deren erster Bauabschnitt rund 27,5 Millionen Euro verschlingen wird, erklärte Boml, er habe bald einen Termin mit dem bayerischen Umweltminister Thorsten Glauber (FW) in München. Hier werde er die Finanzierung des Projekts ansprechen.
Beim neuen Gewerbe- und Mischgebiet am Schwandorfer Weg in Fischbach soll laut Boml im Frühjahr 2025 die Erschließung starten. Für das geplante Baugebiet am Annahaidweg werde es bald eine separate Versammlung für Interessierte geben. Einen konkreten Termin habe man dafür aber noch nicht, weil die Stadt noch auf Unterlagen warte. Bezüglich der nötigen Ausgleichsflächen habe man sich mit dem Amt für Landwirtschaft aber bereits abgestimmt.
Stadt hakt regelmäßig zur Ortsumgehung Kaspeltshub nach
Mit diesen Aussagen war eine Besucherin nicht zufrieden. Sie beklagte, eine Infoveranstaltung für die Anwohner sei zu wenig. Diese würden dann – ohne die Möglichkeit sich zu beteiligen – vor vollendete Tatsachen gestellt, kritisierte sie. Boml erwiderte, er könne den Unmut von Bürgern über das lange Warten auf eine versprochene Versammlung verstehen. Allerdings hätten die Bürger durchaus schon Gelegenheit gehabt, ihre Einwände zum Baugebiet Annahaid kundzutun.
Auch das Nittenauer Stadtmagazin bewegte einen Zuhörer zu einer Frage: Er habe beobachtet, dass zum Beispiel in Bushäuschen die Magazine herumlägen. Dies sei doch aus dem Fenster geworfenes Geld, kritisierte er. Boml erklärte, man sei sich des Problems bewusst und werde die Auflage des Magazins weiter reduzieren und Maßnahmen ergreifen, um die Situation zu verbessern.
Eine weitere Frage gab es zum aktuellen Planungsstand bei der Ortsumgehung Kaspeltshub. Die Stadt frage regelmäßig beim Staatlichen Bauamt nach, entgegnete Boml. Allerdings habe das Thema dort nicht oberste Priorität. „Es würde vielleicht gut tun, wenn die Kaspeltshuber Briefe ans Staatliche Bauamt schreiben würden“, so Boml weiter. So könne man der Behörde deutlich machen, wie groß der Wunsch in Sachen Umgehung bei den Bewohner von Kaspeltshub tatsächlich sei.
