Schwimmflügel aus Neumarkt: Familie Bräunlich verkauft seit mehr als 20 Jahren Badeartikel

Von Marie Campisi · 24. Oktober 2024 um 05:00

Rund 30.000 Paar quietsch-orangene Schwimmflügel und andere Schwimmhilfen warten in einem kalten Lager in Berngau (Landkreis Neumarkt) auf ihre Bestellung. Die Neumarkter Familie Bräunlich ist vor mehr als 20 Jahren ins Bade-Business eingestiegen – mittlerweile verkauft sie Schwimmflügel, Flossen und Co. weit über die Bundesgrenzen hinaus.

Bis an die Decke hinauf ragen die Kartonstapel in der kalten Lagerhalle der Spedition Wagner in Berngau. Ein Blick in die Kartons weckt dagegen Erinnerungen an wärmere Tage: Rund 30.000 Paar quietsch-orangene Schwimmflügel und Flossen warten hier auf ihre Bestellung. Bis dahin gehören sie Karin und Burkhard Bräunlich. Das Neumarkter Ehepaar verkauft mit seinem Unternehmen Pro Swim seit 2001 Schwimmflügel – und das weit über die Bundesgrenzen hinaus.

Von der Stiftung Warentest gab es für das Familienunternehmen in diesem Jahr die Note 1,5 – ihre Schwimmflügel der Eigenmarke Flipper SwimSafe schnitten damit am besten von den getesteten Produkten ab.

Über 100.000 Paar pro Jahr

Wenn sich Karin Bräunlich an die Anfänge des Unternehmens erinnert, schüttelt sie ungläubig den Kopf. „Ich weiß noch, wie ich damals mit 100 Paar Schwimmflügeln im Auto nach Nürnberg zu Vedes gefahren bin“, sagt sie. Im Online-Shop und bei einigen Vedes-Händlern sind die Schwimmflügel der Bräunlichs bis heute im Sortiment. Die 100 Paar seien damals eine große Bestellung gewesen, sagt die 62-Jährige. Heute seien es jährlich mehr als 100.000. Und auch die Produktpalette ist gewachsen: Flossen, ein Baby-Schwimmsitz und Schwimmkissen gehören zu den Hauptprodukten.

Dabei gelang das Unternehmerpaar eher zufällig zu den Schwimmhilfen, als sie in das Geschäft eines Bekannten einstiegen. Als der Erfolg mit den Schwimmflügeln vorerst ausblieb und der Bekannte sich aus dem Geschäft zurückzog, entschied Karin Bräunlich spontan: „Dann mach ich es halt alleine weiter.“

Ehemaliger Faber-Geschäftsführer

Denn während sie eigentlich als Einkäuferin gearbeitet hatte, war Burkhard Bräunlich über viele Jahre Geschäftsführer beim Schreibwarenunternehmen Faber. Erst als er dort ausschied, wurden die Schwimmflügel zu seinem Haupterwerb. „Ich hatte also bei der Arbeit schon viel mit Kindern zu tun gehabt“, sagt er. Die großen Verkaufszahlen kamen mit dem Aufstreben von Amazon und anderen Plattformen.

Auch der Schwimmflügel selbst hat sich verändert. „Hier kommt es auf Kleinigkeiten an, dass sich das Kind wohlfühlt“, sagt der 73-Jährige. Denn Schwimmflügel und andere Badegeräte müssen nicht nur sicher sein, sondern auch möglichst bequem, damit Kinder sie nicht direkt wieder ausziehen wollen.

Heute verbirgt sich innerhalb des orangenen Luftschlauchs ein Ring aus PE-Schaum, der für zusätzlichen Tragkraft im Wasser sorgen soll. Zur Anfangszeit sei der noch aus Schaumstoff gewesen. „Wenn Styropor brüchig wird, ist der physische Auftrieb nicht mehr so gut“, sagt Karin Bräunlich.

Gelagert werden die Produkte zwar teilweise in Berngau. Bis sie dort ankommen, legen die meisten von ihnen aber einen weiten Weg zurück. Denn gefertigt wird der Großteil in Asien. Die Kautschuk-Flossen zum Beispiel entstehen in Malaysia, die Schwimmflügel in China. Ein großer Teil der Ware sieht das Berngauer Lager allerdings gar nicht. Denn sehr große Kunden holen die Ware direkt am Hamburger Hafen ab.

Nachfolge bereits geregelt

Dass immer weniger Kinder überhaupt schwimmen lernen, beschäftigt Burkhard Bräunlich: „Rund 700 000 Kinder sollten jährlich das Schwimmen lernen, aber es fehlen die Kapazitäten dafür“, sagt er – etwa weil die Zeit oder das Geld in den Familien fehle. Am Geschäft merke er diese Entwicklung allerdings aktuell nicht. „Aber natürlich leben wir davon, dass in Haushalten Geld und Zeit da ist, um Kindern das Schwimmen beizubringen“, sagt er. Denn die Testsieger-Schwimmflügel liegen mit etwa 25 bis 35 Euro, je nach Händler, in der oberen Preisklasse.

Mittlerweile macht, wie Bräunlich sagt, der Onlinehandel rund zwei Drittel des Geschäfts aus. Und auch Instagram und digitales Marketing werden wichtiger. Auch deswegen soll ab 2025 die nächste Generation in das Unternehmen eingeführt werden. Die 28-jährige Tochter, Franziska Bräunlich, soll später die Nachfolgerin ihrer Eltern werden.

Die Spedition Wagner lagert die Schwimmflügel in Berngau.