Weg mit Exen und Abfragen? Das sagen Schüler und Rektoren im Landkreis Neumarkt

Von David Santl · 23. Oktober 2024 um 05:00

Eine Petition fordert die Abschaffung von Exen und Abfragen an Schulen. Das ist auch bei Schülern und Rektoren in Neumarkt Thema. Sind unangekündigte Leistungsnachweise ein sinnvoller Ansporn oder unnötiger Stress? Im Landkreis gehen die Meinungen auseinander.

„Schreiben wir eine Ex? Werde ich vielleicht ausgefragt?“ Diese beiden Fragen zählen wohl zu den größten Sorgen im Alltag eines Schülers – und das oft im Stundentakt. Ein Unding, findet die 17-jährige Schülerin Amelie aus München. Sie hat eine Petition gestartet, die die Abschaffung von unangekündigten Leistungsnachweisen fordert. Über 25 000 Menschen haben bereits unterschrieben. Seitdem ist die Debatte um Exen und mündliche Abfragen neu entfacht, auch im Landkreis.

An der Haltestelle des Willibald-Gluck-Gymnasiums in Neumarkt kennen Schüler diese Petition ebenfalls – und sind geteilter Meinung. „Es wäre echt gut, unangekündigte Leistungsnachweise abzuschaffen. Wir schreiben ohnehin oft mehrere Schulaufgaben in der Woche. Kommen dann noch Exen und Abfragen dazu, wird es zu viel“, findet die 13-jährige Katalin. Auch Milena (14) findet, dass unangekündigte Leistungsnachweise Stress verursachen, „aber andererseits würden dann viele nicht mehr gut lernen.“

Julian und Tizian (beide 13) sehen das ähnlich: „Wenn du in der Schulaufgabe eine schlechte Note hast, kannst du das über eine Ex oder eine Abfrage ausgleichen“, meinen sie. Allerdings sollten Exen stärker angekündigt werden. Für Sabina und Reina (beide elf) ist dagegen klar: „Es wäre sehr toll, wenn Exen abgeschafft werden. Dann hätten wir mehr Freizeit und müssten nicht so viel auswendig lernen. Das braucht man später ja ohnehin nicht alles.“

„Wir schreiben ohnehin oft mehrere Schulaufgaben in der Woche. Kommen dann noch Exen und Abfragen dazu, wird es zu viel“,

Katalin (13), Schülerin am WGG

Manche Lehrer am Willibald-Gluck-Gymnasium würden bereits auf Stegreifaufgaben verzichten, sagt Schulleiter Frank Fiedler. Er ist selbst einer von ihnen. „Ich habe zuletzt, als ich Informatik-Unterricht gegeben habe, meine kleinen schriftlichen Leistungsnachweise angekündigt. Aus meiner Sicht hat sich das bewährt“. Welche Art von Leistungsnachweis durchgeführt werde, liege aber am Fach und an der Jahrgangsstufe. Hierzu gebe es schulinterne Absprachen. „Wenn Schüler wissen, wann sie geprüft werden, können sie sich vorbereiten und zeigen, was sie können. Genau darum geht es ja“, findet Fiedler. Andererseits gibt er zu bedenken, dass sich durch mehr angekündigte Leistungsnachweise der Prüfungskalender fülle, was ebenfalls Druck erzeugen könne. Zudem sei es lernpsychologisch sinnvoll, wenn Schüler nicht auf bestimmte Ereignisse hin lernen, sondern kontinuierlich.

Dafür müssen aber nicht zwangsläufig Exen und Abfragen sorgen, betont auch Ingrid Sobotta, Rektorin an der Realschule in Berching. Sogenannte kleine Leistungsnachweise werden an ihrer Schule häufig auch anders durchgeführt, etwa in Form von Stundenwiederholungen, Projektarbeiten, Referaten – oder der kreativen Erstellung von Schauobjekten, zum Beispiel Herbarien.

Zudem gibt es an der Berchinger Realschule in den fünften und sechsten Klassen in den Fächern Englisch und Mathe nur angesagte Leistungsnachweise. Trotzdem plädiert sie für eine gute Mischung. Denn gerade unangekündigte Leistungsnachweise könnten den Schülern eine positive Bestätigung für gute Vorbereitung liefern.

Auch Ingrid Meggl, die Rektorin der Parsberger Realschule verweist darauf, dass es bereits eine Vielzahl an Möglichkeiten gebe, um Leistungen auf verschiedene Weise valide zu erheben. Das werde leider häufig nicht bedacht. An der Parsberger Realschule gebe es ebenfalls ein ganzes Spektrum an Möglichkeiten, von denen Exen und Abfragen ein kleiner Teil seien. Das findet Meggl auch richtig: „Die Fähigkeit, Kompetenzen und damit verknüpftes Wissen spontan abrufen zu können, entspricht den Anforderungen unserer Gesellschaft und dient somit ganz wesentlich der Vorbereitung auf Ausbildung, Studium oder Beruf“, sagt sie. Niemand würde aber wollen, dass Schüler ihr Lernverhalten nur auf vorhersehbare Situationen reduzieren.

„Die Fähigkeit, Kompetenzen und damit verknüpftes Wissen spontan abrufen zu können, entspricht den Anforderungen unserer Gesellschaft“,

Ingrid Meggl, Rektorin an der Realschule Parsberg

Ähnlich sieht das der Rektor des Parsberger Gymnasiums, Manfred Hößl. „Exen und Abfragen haben den Vorteil, dass Schüler dazu angehalten werden, kontinuierlich zu lernen.“

Komme mal eine schlechte Note raus, würden Schüler lernen, mit Rückschlägen umzugehen. Angekündigte Leistungsnachweise haben aus seiner Sicht den Vorteil, dass sie nachgeschrieben werden können und der Lehrer somit von jedem Schüler eine Note hat. Hößl hält ebenfalls ein Nebeneinander von angekündigten und unangekündigten Tests für sinnvoll. In den höheren Jahrgangsstufen gehe aber der Trend zu angekündigten Leistungsnachweisen. „Aber dass es Exen und Abfragen gibt, macht unser Schulsystem nicht unmenschlich“, findet er.

Auch Günter Lenyk, Rektor der Staatlichen Realschule für Mädchen in Neumarkt überlässt die Entscheidungen über Exen und Abfragen bewusst den Lehrern. Schließlich seien alle Schüler und Klassen verschieden. „Davon hängt auch ab, ob die Motivation zu regelmäßigem Lernen in Form von