Petition: Münchner Schülerin (17) will Exen und Abfragen abschaffen

Von Franziska Mahler · 16. September 2024 um 05:00

Die 17-jährige Amelie aus München hat eine Petition gestartet, mit dem Ziel, unangekündigte Leistungsnachweise abzuschaffen. Unterschrieben haben bereits mehr als 11.000 Menschen. Wie es ist, auf Exen zu verzichten, weiß der Schulleiter des Gymnasiums in Pfarrkirchen (Landkreis Rottal-Inn).

„Sachen vom Tisch, wir schreiben eine Ex“ – ein Satz, der „unnötigen Stress“ und „ständige Alarmbereitschaft“ bei Schülern auslöst, findet Amelie. Auch von Abfragen hält die 17-Jährige wenig. Für viele sei es ein enormer Druck und teilweise eine Bloßstellung, vor der gesamten Klasse Fragen beantworten zu müssen. Um das zu ändern, richtet die Gymnasiastin ihre Petition an das Kultusministerium und die Mitglieder des Landtags.

Unterstützt wird die 17-Jährige in ihrem Anliegen unter anderem von Simone Fleischmann, Präsidentin des Bayerischen Lehrer- und Lehrerinnenverbands (BLLV). Der Verband setze sich seit vielen Jahren für einen veränderten Leistungsverständnis ein. „Angst ist kein Ansporn, um zu lernen.“ Eine unangekündigter Test zeigt laut Fleischmann nicht, was ein Schüler wirklich kann, sondern, was er in einem Überraschungsmoment noch kann.

Bayerischer Elternverband unterstützt die Forderung

Positive Rückmeldungen kommen auch vom Bayerischen Elternverband (BEV). „Die Petition regt die Gesellschaft an, über Leistungsbewertung, Feedback-Kultur und soziales Miteinander in Schulen nachzudenken.“ Exen und Abfragen sehe der Verband kritisch, weil sie eine psychische Belastung darstellen könnten. Außerdem müsse man hinterfragen, ob diese unangekündigten Tests wirklich tieferes Lernen fördern. Der Verband fordert: „Tests als Feedback – ja. Aber nicht als Druckmittel oder Mittel zur Notenvergabe, sondern im Sinne des Lernfortschritts.“

Am Gymnasium in Pfarrkirchen (Landkreis Rottal-Inn) gibt es seit dem Schuljahr 2022/23 bereits nur noch angekündigte Tests. Die Noten hätten sich deshalb nicht wirklich verändert, sagt Schulleiter Andreas Rohbogner. Aber: „Den Schülern ist es lieber.“ Amelies Anliegen könne er deshalb „voll nachvollziehen“. Weniger gut kommt die Umstellung wegen des organisatorischen Aufwands bei manchen Lehrern an. Denn wenn bei einem angekündigten Test jemand fehlt, müsse er diesen nachholen. Bei einer Ex war das nicht notwendig. Laut Rohbogner ist es möglich, dass man das Konzept im Laufe des Schuljahres noch einmal überarbeitet.

Kultusministerin will Leistungsnachweise in den Blick nehmen

Wie das Kultusministerium auf Anfrage der Mediengruppe Bayern mitteilt, hätten Lehrkräfte an bayerischen Schulen „bewusst einen pädagogischen Spielraum“ bei der Wahl der Leistungsnachweise. Weder sei eine verbindliche Durchführung von Exen vorgeschrieben, noch eine Mindestanzahl sogenannter kleiner Leistungsnachweise. Kultusministerin Anna Stolz (Freie Wähler) sagte bei der Pressekonferenz zum Schuljahresanfang: „Wir wollen einen Schritt gehen hin zu mehr innovativen und praxisnahen Prüfungsformaten.“ Sie kündigte an, die Zahl der Leistungsnachweise in den Blick zu nehmen und zu prüfen, ob diese noch zeitgemäß sind. Für Amelie sei das ein Fortschritt: „Anscheinend besteht Gesprächsbereitschaft.“

Philologenverband ist gegen eine Abschaffung

Abgelehnt wird die Forderung der 17-Jährigen vom Bayerischen Philologenverband (bpv). „Wir leben in einer Leistungsgesellschaft. Im Berufsleben sind wir dadurch immer wieder mit Situationen konfrontiert, in denen wir auch unangekündigt Leistung erbringen müssen.“ Außerdem fehle dem bpv die Notwendigkeit: Wenn man davon ausgeht, dass die rund 11.000 Stimmen ausschließlich von Schülern an Gymnasien, FOS/BOS, Realschule stammen, so hätten weniger als zwei Prozent der Schüler das Vorhaben unterstützt. Diese „geringe Beteiligung“ zeige, dass die Mitte der Schülerschaft keine Abschaffung wünscht. Auch der Druck und Stress werde folglich von einer „sehr großen Mehrheit“ nicht empfunden.

Für Amelie sind die Unterschriften „eine enorme Zahl“. Ihr Ziel seien 10.000 gewesen. Sie wünscht sich, dass Schüler mit alternativen Leistungsnachweisen wieder mehr Sinn darin sehen, zu lernen.