So startet Neumarkt ins Schuljahr: Grund- und Mittelschulen im Landkreis „relativ gut versorgt“

Von Anika Ferko · 5. September 2024 um 05:00

Das neue Schuljahr steht in den Startlöchern. Trotz des omnipräsenten Lehrkräftemangels sieht die Personalsituation an Grund- und Mittelschulen im Landkreis bislang relativ positiv aus, sagt Schulamtsdirektorin Claudia Bauer. Zudem darf sich die Grundschule an der Bräugasse über Neuzugang freuen.

Die langjährige Rektorin der Grundschule an der Bräugasse, Tanja Kölbel, macht ihren Platz frei – der Wechsel kam unerwartet. Tanja Kölbel wechselt an das Staatliche Schulamt an die Seite von Schulamtsdirektorin Claudia Bauer. Kölbels Platz wird dafür Stefanie Schäffer einnehmen, erklärt Bauer mit Blick auf das neue Schuljahr. Schäffer sei vier Jahre lang Schulleiterin an der Lupburger Grundschule gewesen, ihren zukünftigen Arbeitsort kenne sie jedoch aus früheren Jahren sehr gut.

Die Grundschule an der Bräugasse hat einen hohen Migrationsanteil, weiß Bauer. Sie sei jedoch eine sehr weltoffene Schule mit vielen länderübergreifenden Projekten. „Sie haben ein sehr gutes System, mit den Kindern umzugehen.“ Für das neue Schuljahr wird etwa eine zweite Deutschklasse angeboten – für diejenigen, die noch keinerlei Deutschkenntnisse haben.

Klassenschnitt im Landkreis für Grund- und Mittelschule: 22 Kinder

Im Schuljahr 2024/25 gibt es an den Oberpfälzer Grundschulen 3,41 Prozent mehr Schülerinnen und Schüler und an den Mittelschulen einen Zuwachs von 2,25 Prozent – der Landkreis Neumarkt liegt dabei im Mittelfeld, sagt Bauer.

Bei der Bildung der Schulklassen seien die Rektoren sehr kooperativ. Aktuell liege der Klassenschnitt im Landkreis Neumarkt bei 22 Schülern. Unter den 368 Klassen der Grund- und Mittelschulen gibt es zum Beispiel nur acht Klassen mit mehr als 28 Schülern. 15 Klassen haben dagegen eine Anzahl von höchstens 15 Kindern – das ist meist an kleineren Schulen der Fall. Damit eine Klasse existieren kann, müssen es an der Grundschule mindestens 13 Kinder und an der Mittelschule 15 Kinder sein.

Jeder Klasse konnte eine grundständig ausgebildete Lehrkraft zugeteilt werden

Bereits vor den Sommerferien sei klar gewesen, wie viele Lehrkräfte und Lehramtsreferendare an den jeweiligen Schulen unterrichten werden. „Die Regierung der Oberpfalz ist dabei immer sehr schnell“, sagt Bauer. Ein Vorteil für alle Beteiligten: So konnten die Schulen noch vor den Ferien mit den Lehrkräften in Kontakt treten. Zudem hätten die Lehrkräfte oder Referendare teilweise auch neue Wohnungen vor Ort suchen müssen.

Das Ergebnis für die Grund- und Mittelschulen im Landkreis: Jeder Klasse konnte eine grundständig ausgebildete Lehrkraft als Klassenleitung zugeteilt werden – das heißt, eine Lehrkraft mit Lehramtsstudium und anschließendem Seminar mit zweiter Lehramtsprüfung. „Wir haben relativ viele Mittelschullehrer zugewiesen bekommen“, sagt Bauer. Davon sei sie positiv überrascht gewesen, denn: Der aktuelle Trend zeige, dass immer weniger Studierende sich für das Lehramt Mittelschule entscheiden. „Gut ausgebildete Lehrkräfte können wir immer gebrauchen.“ Doch heuer seien die Schulen im Landkreis „wirklich relativ gut versorgt“.

Teilzeit: Trend geht zu Einsätzen mit acht bis zehn Wochenstunden

Dass viele Lehrkräfte nur Teilzeit arbeiten wollen, bemerkt Bauer: Allgemein sei der Trend zu Einsätzen mit circa acht bis zehn Wochenstunden seit mehreren Jahren gleichmäßig stark – vor allem bei jungen Müttern. Eine Lösung: Zwei unterhälftige Lehrkräfte werden zu einem Lehrertandem zusammengespannt, die sich die Klasse teilen. „Das erfordert viele Absprachen, um den Schülerinnen und Schülern gerecht zu werden, wird aber von den Lehrkräften gut gemeistert.“

Studierende in höheren Semestern helfen aus

Für das neue Schuljahr habe Bauer noch „ein ordentliches Kontingent“ an Studierenden im höheren Semester, die an den Schulen aushelfen könnten. 70 Prozent davon studieren Grundschullehramt und etwa 20 Prozent Mittelschullehramt.

„Die Studierenden sind hochmotiviert und hängen sich richtig rein“, betont so Bauer. Maximal zehn Stunden pro Woche könnten sie an Schulen eingesetzt werden – in erster Linie für Differenzierungsarbeiten mit einzelnen Kindern oder kleineren Gruppen. „Wir sind froh um jede Stunde, die wir den Schulen anbieten können.“

Auch in puncto Quereinsteiger hat sich in den vergangenen Jahren einiges getan. Der Begriff „Personalakquise“ passe in der Tat ganz gut, gibt Bauer zu. „Wir werden deutlich gefordert seit zwei, drei Jahren. Wir führen viele Gespräche mit den Quereinsteigern – das ist ein großer Teil der Arbeit.“ Doch es sei ihr ein Anliegen, dass die Qualität an den Schulen hoch bleibe.

Da es unterschiedliche Möglichkeiten des Quereinstiegs gibt, ist es laut Bauer schwierig, konkrete Zahlen zu nennen. Jedoch seien für das neue Schuljahr im Landkreis rund 150 Lehrerstunden durch fachlich vorgebildetes Personal abgedeckt – das entspreche der Zahl des Vorjahrs. Zudem seien drei Lehrkräfte aus dem Vorjahr entfristet und gehen in das sogenannte Traineeprogramm. Laut Bauer sind das noch einmal etwa 70 Lehrerstunden.

Zur Erklärung: Bewährte Aushilfskräfte können mit einer neuen Maßnahme zur Entfristung dauerhaft in den Schuldienst übernommen werden, teilt etwa die Regierung der Oberpfalz mit. Nach diesem Entfristungsprogramm können die Quereinsteiger ein Trainee-Programm absolvieren. Damit erhalten sie eine Lehramtsbefähigung für das Mittelschullehramt und können nach erfolgreichem Abschluss eine dauerhafte Beschäftigung an Mittelschulen erhalten – im Beamtenverhältnis.

Hoher Lehrerbedarf an bayerischen Mittelschulen

Mittelschule: Laut Informationen der aktuellen Bayerischen Lehrerbedarfsprognose fehlen für das kommende Schuljahr 2024/25 schulartübergreifend über 1000 Lehrkräfte in Bayern. Allein an den Mittelschulen sollen 820 Lehrkräfte fehlen. Laut den Berechnungen wird sich in den nächsten vier Jahren die entstandene Lücke verdreifachen auf über 2300 unbesetzte Stellen an Mittelschulen im Jahr 2028.

Begründung: Die Fluchtbewegungen aus der Ukraine und weitere Zuwanderung sieht das Ministerium als ein Grund für den beträchtlichen Lehrkräftebedarf in den nächsten Jahren. Außerdem werden 2025 hohe Ersatzbedarfe für zweitqualifizierte Lehrkräfte erwartet, die an das Gymnasium wechseln.

Prognose bis 2034: Bis 2034 werden mehr als 5000 Vollzeitstellen an bayerischen Schulen nicht besetzt sein – wenn die Lücken nicht geschlossen werden können. Das geht aus der Lehrerbedarfsprognose hervor.