Zahl der Masern-Fälle in Bayern steigt stark an – So ist die Lage im Landkreis Neumarkt

Von Peter Romir · 26. August 2024 um 17:00

Vor wenigen Tagen verkündete die bayerische Gesundheits- und Präventionsministerin Judith Gerlach, dass sich die Zahl der Masernfälle im Freistaat gegenüber dem Vorjahr mehr als verzehnfacht hat. Doch im Landkreis Neumarkt sieht es etwas anders aus.

Von einem „deutlichen Anstieg der Masern-Infektionen“ sprach Ministerin Gerlach: 57 Fälle hätte man von Januar bis August in Bayern gezählt. 2023 waren es im selben Zeitraum lediglich fünf gewesen. Was auf den ersten Blick alarmierend klingt, erweist sich auf den zweiten eher als eine Rückkehr zur Normalität: 2019 hatte es im ganzen Jahr 75 Masernfälle gegeben. Während der Pandemie-Jahre war die Zahl (vermutlich aufgrund der Schutzmaßnahmen) stark zurückgegangen: 2022 erkrankten vier Menschen in Bayern an den Masern, 2021 nur zwei.

Trotz des deutlichen Anstiegs in diesem Jahr steht der Freistaat gut da. Laut Angaben des Ministeriums verteilen sich die Hälfte der 57 Fälle auf neun Haushalte, in denen ungeimpfte Personen leben. Keine davon stammt aus dem Landkreis Neumarkt.Der ist nämlich schon seit fast einem Jahrzehnt frei von Masern: „Die letzten bestätigten Fälle hatten wir im Jahr 2015“, sagt die Leiterin des Neumarkter Gesundheitsamtes Christa Büchl. Und schon damals konnte man nicht von einer großen Verbreitung sprechen: „Es waren zwei Geschwisterkinder, die erkrankt waren.“

Gesunde Neumarkter

Einen Grund für diese Entwicklung sieht Büchl darin, dass ein Großteil der Kinder inzwischen gegen Masern geimpft ist: „Wir kontrollieren regelmäßig in den sechsten Klassen die Impfbücher“, sagt sie. Dabei wurde im laufenden Jahr festgestellt, dass fast 98 Prozent aller Sechstklässler im Landkreis die zwei vorgeschriebenen Impfungen haben. Dazu kommen noch mal über ein Prozent Kinder, die erst eine Impfung haben. „Damit haben wir eine Durchimpfungsquote die deutlich über den 95 Prozent liegt, die es für eine Unterbrechung der Infektionsketten braucht“, so Büchl.

Masern-Partys

Das war nicht immer so: Lange Zeit galten die Masern als relativ harmlose Kinderkrankheit, die teilweise sogar bewusst auf sogenannten „Masern-Partys“ weitergegeben wurde, damit die Kinder eine Immunität entwickeln können. Seit 2020 gilt aber das Masernschutzgesetz, das zwei Impfungen für alle Kinder vorschreibt, die Kindergarten, Kindertagespflege oder eine Schule besuchen. Gegen das Gesetz gab es mehrere Verfassungsbeschwerden von Eltern, die das als Eingriff in ihre Grundrechte sahen. Sie beriefen sich dabei auf Artikel sechs des Grundgesetzes, der den Eltern das Recht über die Erziehung gibt. Die Beschwerden wurden allerdings vom Bundesverfassungsgericht im Juli 2022 zurückgewiesen: „Der Schutz gefährdeter Menschen hat Vorrang“, schrieb das Gericht zur Begründung.

Gefälschte Impfbücher

Die Zeit der Politisierung von Impfungen scheint nun vorbei zu sein: „Es ist alles wieder wie früher“, sagt Rebecca Feil von der Kinderarztpraxis Parsberg. Gerade bei der Masern-Impfung erlebe sie ein großes Vertrauen in der Bevölkerung, dass die Impfung sinnvoll sei. Doch stimmt das auch? Seit Inkrafttreten des Gesetzes in Deutschland kam es wiederholt vor, dass Eltern Impfbücher ihrer Kinder fälschten. „Bei mir landeten da drei bis vier Fälle in den letzten Jahren“, sagt Richter Rainer Würth vom Amtsgericht Neumarkt. Dass Eltern sich juristisch gegen die Impfpflicht wehrten, sei bei ihm dagegen bisher nicht vorgekommen.

Masern in Migranten-Unterkünften

Ein anderer Unsicherheitsfaktor in Bezug auf Masern sind aus der Sicht von Gesundheitsamtsleiterin Büchl die Gemeinschaftseinrichtungen für Migranten. Auch dort gelte die Impfpflicht. Aber gerade im Falle einer Flucht, sei das Impfbuch nicht unbedingt im Gepäck: „Abgesehen von der Untersuchung bei den sechsten Klassen wissen wir nicht, wie viele Menschen tatsächlich geimpft sind“, so Büchl. Ein größeres Problem sei das aber nicht: „Nachimpfen geht immer!“

Die Masern – Wissenswertes rund um die Krankheit

• Die Krankheit: Masern sind eine hoch ansteckende Infektionskrankheit, die vor allem bei Kindern auftritt. Sie wird durch ein Virus hervorgerufen und kann in manchen Fällen lebensbedrohlich sein, da es im Verlauf zu Entzündungen von Gehirn und Lunge kommen kann. Seit 2001 wurden in Deutschland acht Todesfälle durch Masern registriert.

• Auftreten: Die Masern kommen weltweit vor und gehören laut Weltgesundheitsorganisation WHO zu den am häufigsten auftretenden Infektionskrankheiten. Die WHO zählte 2019, dass weltweit mehr als 200 000 Menschen an Masern erkrankt seien. Dabei tritt die Krankheit in Entwicklungsländern deutlich häufiger auf, als in Europa und den USA.

• Rechtslage: In Deutschland gilt seit 2001 eine Meldepflicht: Ein Verdacht auf eine Infektion muss dem Gesundheitsamt mitgeteilt werden. Infizierte dürfen keine Gemeinschaftseinrichtungen (Schulen, Kindergärten oder ähnliches) besuchen. „Masern-Partys“ zur bewussten Verbreitung können strafrechtlich verfolgt werden.

• Was tun? Kinder mit Masern sollten sich Ruhe gönnen. Falls sie sich dabei allein fühlen, kann ein ruhiger Platz auf dem Sofa das Liegen im Bett ersetzen. Aktivitäten sollten entspannend sein – etwa ein Bilderbuch lesen. Fieber kann mit Wadenwickeln gesenkt werden. Bei Lichtempfindlichkeit können die Räume abgedunkelt werden.